Horst Wehner

Archiv für November 2011

Traumkonzert

28. November 2011  |  Abgelegt in Allgemein

Am 14.11.2011 fand in der Stadthalle in Chemnitz das Traumkonzert statt. Dass es etwas ganz Besonderes war, zeigt dieser Brief, den ich ein paar Tage später erhielt:

“Lieber Horst,

vielen, vielen Dank für den Tipp mit dem Traumkonzert – es war phantastisch! Ich kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal in einem Konzert war, bei dem ich nicht nach 2 Stunden auf die Uhr gesehen habe, weil es langatmig wurde. Bei diesem hier war genau das Gegenteil der Fall: es hätte ruhig noch länger gehen können!

Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe: wo habt Ihr bloß all die Talente gefunden? Cello, Gesang, Keyboard, Tanz, Bands und Orchester… Und nicht nur jeder für sich, sondern auch alle zusammen! Was soll ich sagen: es war grandios!

Überhaupt die ganze Stimmung an dem Abend: Schon vor dem Konzert nicht das übliche Gedrängel, sondern jeder schien darauf bedacht zu sein, dem anderen seinen Raum zu lassen. Auch das Tempo war ein anderes als sonst. irgendwie viel ruhiger. Trotz des ausverkauften Saals!

Musik einmal völlig anders wahrzunehmen, war Euer Ziel, wie ich dem Programmheft entnehmen konnte. Ich muss sagen: das ist Euch durch und durch gelungen!  Und dass am Ende der Saal getobt hat, nun ja.  Wer Rockstar-Qualitäten hat, muss wohl damit leben, wie ein Rockstar behandelt zu werden :)

Ich frage mich übrigens heute noch, wie Tommy das mit dem Keyboard hinbekommen hat, so ganz ohne Hände…

Ich hoffe sehr, dass das nicht ein einmaliges Erlebnis war. Ist vielleicht sogar schon für das nächste Jahr etwas Ähnliches in Planung? Es würde mich sehr freuen, davon zu hören. Ich bin auf jeden Fall wieder mit dabei!

Herzlichen Dank nochmals für die Einladung, es erinnert sich immer wieder gern an diesen Abend

die Katrin”

Vielen Dank an Meinhild Tröger für die Fotos:

der Gebärdenchor in Aktion

ein großes Dankeschön an die ehemalige Sozialbürgermeisterin von Chemnitz, Heidemarie Lüth

Stimmung mit ORFFeus

tolle Stimmen bei "Kaleidoskop"

Hohenstein-Ernstthal, Bergstadt ohne Barrieren?

22. November 2011  |  Abgelegt in Allgemein

Nach meinem Besuch im Kindergarten wollten wir gleich einmal herausfinden, wie barrierefrei Hohenstein-Ernstthal ist. Dazu versammelten wir uns mit dem Dezernenten und Beigeordneten Lars Kluge (CDU) vor der Kita. Mit auf den Weg machten sich Karin Kämpf (Ortsvorsitzende der LINKEN), Barbara Müller (LINKE Stadträtin), Attila Jaszter (Medizintechniker und Rolliexperte), mein Mitarbeiter Marcel Gürnth und meine persönliche Assistenz Katrin Pritscha.

Von der August-Bebel-Straße ging es durch den sich gerade noch im Bau befindlichen Tunnel unter der Bahnstrecke zum Bahnhof. Dieser ist vollumfänglich barrierefrei ausgestattet, sowohl mit Aufzügen als auch mit Markierungen und Riffelplatten für Blinde und Sehbehinderte.

barrierefreier Zugang zu den Bahnsteigen

Herr Kluge zeigte sich dankbar für jede Erläuterung und sicherte zu, den Fragen der Barrierefreiheit künftig noch mehr Beachtung zu schenken.

Stadtrundgang mit Herrn Kluge (CDU), Barbara Müller (LINKE) und Karin Kämpf (LINKE)

Vom Bahnhof aus ging es schon recht steil bergan, erst zu einem Ärztehaus (barrierefrei) danach zum Amtsgericht. Der Zugang durch die Hintertür ist problemlos möglich, nachdem man geklingelt hat. Später haben wir auch gesehen, dass am Haupteingang ein deutlicher Hinweis zum rückwärtigen Zugang angebracht ist.

keine abgesenkten Bordsteine an der Straße am Arbeitsamt

Ganz anders verhält es sich beim Arbeitsamt. Keine abgesenkten Bordsteine, holpriges Straßenpflaster und kein Hinweis auf den barrierefreien Hofeingang an der Rückseite des Gebäudes. Zudem ist der dort befindliche Behindertenparkplatz nur durch Aufzeichnung auf das Pflaster gekennzeichnet – sobald Laub darauf liegt, ist er kaum noch zu erkennen. Auch sonst sind einige Abteilungen des Jobcenters nicht barrierefrei zu erreichen und ein geplanter Umzug in nicht barrierefreie Räumlichkeiten wird der selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen den Gang “zum Amt” noch viel schwerer machen, als er ohnehin schon ist, oder ihn gleich ganz unmöglich machen.

einen Hinweis auf den Behindertenparkplatz im Hof sucht man am Arbeitsamt vergeblich

“Das”, so Herr Kluge “darf so nicht sein, da frage ich nach.”

Ein ähnliches Bild bot sich bei der Wohnungsgesellschaft, die nur über eine kleine, aber für Rollifahrer dennoch ohne Hilfe nicht überwindbare Stufe zu erreichen ist. Herr Kluge stellte fest: “Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf.”

ohne Hilfe kommt kein Rollifahrer zur Wohnungsgesellschaft

Dass Hohenstein-Ernstthal eine Bergstadt ist, bekamen wir spätestens auf dem Weg zum Rathaus zu spüren. Und das Bürgerbüro erwies sich durch Pflasterbelag und starkes Gefälle nach drei Seiten als nahezu unerreichbar für Rollifahrer ohne Hilfe, aber auch für Menschen mit Kinderwagen, Gehhilfen und Rollatoren. Drinnen gingen die Schwierigkeiten weiter: eine vorhandene Rampe passt nicht und wird daher eher zur Unfallgefahr als zu Hilfe.

solche Steigungen bereiten auch Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren u.ä. Schwierigkeiten

Anders das Rathaus: zwar wäre hier ein elektrischer Türöffner wünschenswert, aber man kommt überall hin, es ist hell und freundlich und gut beschildert.

Im anschließenden Auswertungsgespräch zeigte sich Herr Kluge sehr aufgeschlossen. Leider gibt es noch einige, vor allem kulturelle Einrichtungen in der Stadt, die noch nicht von jedermann genutzt werden können. Jedoch werde sich um einen barrierefreien Ausbau auch dieser bemüht. Gerade Geld aus dem Konjunkturpakt II fließe in solche Projekte sowie in den barrierefreien Ausbau von Kindergärten und Schulen. Der Grundstein für die neue Mittelschule werde demnächst gelegt.

Ich habe Hohenstein mit einem sehr positiven Gefühl verlassen. Und ich werde wiederkommen.

„Oma!“, schreit der Frieder…

22. November 2011  |  Abgelegt in Allgemein

So begannen die Geschichten, die ich letzten Freitag, am Vorlesetag, in der Kita „Geschwister Scholl“ in Hohenstein-Ernstthal vorlas. Neun Kinder aus der Vorschulgruppe waren gekommen und sie lauschten gespannt.

Frau Feuereisen, die Leiterin des Kindergartens, hatte extra den Turnraum mit Matten ausgelegt, damit wir es richtig gemütlich hatten.

Nach der Lesung zeigte sie uns die Einrichtung, in der überall zu spüren war, wie liebevoll sich darum bemüht wird, aus den Kindern kleine, selbständige Persönlichkeiten zu machen. Gar keine so leichte Aufgabe bei 103 Kindern, von denen 20 einen besonderen Betreuungs- und Förderungsbedarf haben. „Natürlich sind bei uns alle zusammen, so muss das doch sein“, bekräftigte Frau Feuereisen und beweist damit einmal mehr, dass Inklusion in dieser Einrichtung schon seit Jahren gelebt wird.

Vielen Dank an Frau Feuereisen für den informativen Rundgang

Sehr viel Unterstützung erhalte die Kita dabei von der Stadt, die Mittel aus dem Konjunkturpaket II für einen Aufzuges bereitgestellt hat. „Jetzt müssen wir die körperlich behinderten Kinder nicht mehr tragen. Das macht es für uns einfacher.“

Als wir den Kindergarten verließen, kamen die Vorschulkinder gerade aus dem Garten zurück. „Wann liest Du uns mal wieder vor?“, fragten sie. Ich denke mal, im nächsten Jahr. Dann vielleicht in der Grundschule.

AD(H)S-Fachtagung in Frankenberg

13. November 2011  |  Abgelegt in Allgemein

Am 8. November 2011 nahm ich in Vertretung für den Präsidenten des Sächsischen Landtages an einer Fachtagung AD(H)S* teil. Das passiert auch nicht alle Tage, dass eine Veranstaltung mit Verzögerung beginnt, weil noch sehr viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihre Einschreibung warten, so viele Gäste waren gekommen. Und wie groß der Leidensdruck von Betroffenen, aber auch ihren Angehörigen, Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern ist, wurde schnell deutlich.

Thomas Nitsche, Vorsitzender des Landesverbandes AD(H)S, warb vor allem um Akzeptanz. „Die Betroffenen sollen nicht ausgegrenzt werden.“, bat er eindringlich in seiner Begrüßung.

Ramona Wiedemann, Mutter eines von AD(H)S betroffenen Sohnes, las aus ihrem Buch „Chaos oder Chance“, in dem sie die Entwicklung ihres Kindes von den ersten Auffälligkeiten bis zur Lehrausbildung nicht ohne Humor schildert. Nicht wenige nickten an der einen oder anderen Stelle.

Lesung von Ramona Wiedemann aus "Chaos oder Chance"

Stephan Pöhler, Behindertenbeauftragter der Staatsregierung, wies darauf hin, dass AD(H)S insgesamt noch zu wenig wahrgenommen wird. AD(H)S im Kinder- und Jugendalter sei schon recht gut erforscht, was aber ist mit betroffenen Erwachsenen? AD(H)S sei keine separate Angelegenheit der Behinderten, sondern eine Angelegenheit der Gesellschaft. Den Weg in deren Bewusstsein habe das Krankheitsbild inzwischen gefunden, um aber auch zu Akzeptanz zu gelangen, muss die Arbeit der Selbsthilfegruppen und Betroffenen weiterhin konsequent erfolgen.

AD(H)S tritt bereits im frühen Kindesalter auf und ist nicht heilbar. Sie äußert sich u. a. in leichter Ablenkbarkeit, mangelndem Durchhaltevermögen, Problemen in der Selbststeuerung, niedriger Frustrationstoleranz, impulsivem Verhalten, Zappeligkeit und Ungeschicklichkeit. Hinzu kommen oftmals eine seelische Entwicklungsverzögerung, aber auch ein extrem ausgeprägter Gerechtigkeitssinn.

Wie schwer es ist, eine AD(H)S zu diagnostizieren, kam im Vortrag von Prof. Dr. Manfred Döpfner, Professor für Psychotherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum der Universität zu Köln, zum Ausdruck. Er stellte nicht nur den Stand der Forschung dar, sondern erklärte auch Diagnoseverfahren und wies auf den Aspekt der Behinderung durch AD(H)S hin. Diese entstünde durch die Beeinträchtigung von Alltagsfunktionen. Deshalb sei es auch so wichtig, gemeinsam mit den Betroffenen herauszufinden, worin ihre Probleme bestehen, was sie ganz persönlich an ihrer Teilhabe an der Gesellschaft behindert. Gleichermaßen müssten vor allem die Lehrer und Erzieher in den Diagnoseprozess einbezogen werden, da sich die Symptome in fremdbestimmten Situationen (zu denen die Schule nun einmal gehört) in der Regel verstärken. Wichtig sei es, so Dr. Döpfner, für jedes Kind das Niveau zu finden, auf dem es gut arbeiten kann.

Dr. Döpfner bei seinem Vortrag über leitliniengerechte Diagnostik und Therapie

Damit hat er ein Problem angesprochen, das wir mit Hilfe der „Inkusiven Schule“ lösen wollen. Denn „Begabungen gehen durch AD(H)S nicht automatisch verloren.“

Das Buch von Frau Wiedemann heißt „Chaos oder Chance“. Ich finde: jeder hat seine Chance verdient.

*AD(H)S = Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, nähere Informationen zu AD(H)S finden Sie hier.

Landesparteitag der LINKEN in Bautzen – mein Redebeitrag

11. November 2011  |  Abgelegt in Allgemein

Liebe Genossinnen und Genossen! Verehrte Gäste!

Seit etwas mehr als einem Jahr ist „Inklusion“ zu einem regelrechten Schlagwort geworden.  „Inklusive Bildung“, „Inklusives Zusammenleben“, „Inklusive Gesellschaft“. Warum aber in dem Abschnitt der sozialpolitischen Leitlinien „Behindertenpolitik ist Menschenrechtspolitik“ das Wort Inklusion überhaupt nicht auftaucht ist, vermag ich gar nicht zu sagen. Das ist ganz klar ein Versehen. Hier muss nachgebessert werden, denn zu einem demokratischen Sozialstaat gehört Inklusion selbstverständlich dazu.

„Behindertenpolitik geht uns alle an!“

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, sicher stimmt ihr mit mir überein, wenn ich sage „Die Forderung an andere ist leicht. Schwerer ist die Forderung an sich selbst.“ Wir als LINKE haben den Anspruch, die Welt zu verändern – oder zumindest lebenswerter und gerechter zu gestalten. Aber dafür müssen wir auch vorleben, wie wir diese Welt gestalten wollen.

Ganz selbstverständlich fordern wir Barrierefreiheit in allen Belangen, so zum Beispiel für gehörlose oder schwerhörige Menschen, Gebärdensprachdolmetscher und deren Finanzierung oder Induktionsschleifen – auf dem heutigen Parteitag finden wir diese nicht.

Wir fordern rollstuhlgerechte Gebäude – zahlreiche unserer Geschäftsstellen oder Bürgerbüros, wie übrigens auch der heutige Veranstaltungsort, sind jedoch nur über viele Stufen erreichbar.

Wir fordern die barrierefreie Gestaltung von Internetseiten der Verwaltung – aber unsere eigene Homepage ist nicht annähernd barrierefrei. Leichte Sprache gibt es überhaupt nicht. Wie wollen wir aber alle erreichen?

Also ich finde, hier haben wir selbst noch einiges zu tun.

Ich möchte euch daher vorschlagen, die Beschlussfassung zu unseren sozialpolitischen Leitlinien mit der Verabschiedung eines behindertenpolitischen Landesaktionsplanes zu verbinden.

Wenn wir es mit der Behindertenpolitik wirklich ernst meinen, müssen wir Behinderungen, die sich aus den Barrieren um uns ergeben,  zu allererst auch bei uns selbst beseitigen! Wir dürfen nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen, sondern müssen Vorbilder sein! Wir müssen leben was wir fordern.

Wenn wir soweit sind, dass Behindertenpolitik ein ebenso normaler Arbeitsbereich ist wie Außen-, Kultur- oder Jugendpolitik, dann sind wir dem, was mit „Inklusion“ beschrieben wird, ein gutes Stück näher gekommen. Dann brauchen wir populäre Schlüsselwörter wie „Inklusion“ nicht mehr aufzuschreiben. Dann leben wir inklusiv.

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, ich bitte euch mitzutun; auf meine Unterstützung könnt ihr bauen.

Vielen Dank.

(alle Bildrechte bei Sabine Pester)