Horst Wehner

Archiv für März 2015

Zukunft braucht Menschlichkeit!

25. März 2015  |  Abgelegt in Allgemein

Als Christen mit der Politik im Gespräch

So heißt eine neue Veranstaltungsreihe in der  St. Margarethenkirche in Kirchberg. Zum Auftakt der Reihe ging es um “Die Behindertenpolitik allgemein und Leben und Umgang mit Behinderung”, ein Thema das mir bekanntermaßen sehr am Herzen liegt. Und so freute es mich sehr, dass unter den rund 60 Gästen auch zahlreiche Kommunalpolitiker waren. Gerade sie sind bei jedem Bauprojekt – ganz gleich ob es ein Um- oder Neubau wird – gefordert, Barrierefreiheit für alle mitzudenken und in der Umsetzung einzufordern. Dabei bedeutet Barrierefreiheit nicht nur den rollstuhlgerechten Zugang zu Gebäuden. Nein es geht um umfassende Barrierefreiheit – auffindbar, nutzbar, zugänglich – für alle Menschen, eben auch für Menschen mit körperlichen, geistigen, seelischen oder/und Sinnesbeeinträchtigungen, aber genauso auch für in der Mobilität eingeschränkte Personen,  etwa wegen Krankheit oder nach einem Unfall, aber auch Eltern mit Kinderwagen.

Fakt ist, für den Einen ist Barrierefreiheit elementar und für manch anderen willkommene Bequemlichkeit.

In der Diskussion wurde deutlich, dass auch heute noch Menschen mit Behinderungen oft, viel zu oft unsichtbar sind. Förderschulen, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Wohnstätten usw. bieten einerseits geschützte Räume und gute Betreuung. Sie verhindern aber gleichzeitig den Kontakt zu Menschen ohne Beeinträchtigungen. Es droht Isolation. Doch Inklusion lebt von gegenseitigem Kennenlernen und Respekt.

Deutlich wurde aber auch, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. So berichtete ein Mitarbeiter der Stadtmission über ein Netz von Schulassistenten und Schulassistentinnen, das in einem Zeitraum von 6 Jahren geknüpft wurde. Über SchulassistentInnen kann es möglich werden, dass Menschen mit Beeinträchtigungen die Regelschule besuchen. Wichtig hierbei ist das vom Bundesgesetzgeber im Jahre 2008 geschaffene Instrument des persönlichen Budgets. Leider wissen zu wenige darüber, leider sind die bürokratischen Hürden oftmals sehr hoch.

Ein anderes Beispiel zeigte jedoch auch, wie Bürokratie und aktuelle Gesetzeslage die Entstehung guter Projekte erschweren können. So arbeitet die Stadtmission seit 10 Jahren daran, eine Wohngemeinschaft für Schwerbehinderte zu gründen. Nun ist ein geeignetes Projekt gefunden, doch der Antrag für die Betreuungskosten ist noch immer nicht bewilligt.

Bürokratische Hürden spielen auch an anderer Stelle immer wieder eine Rolle, etwa wenn der Führerschein erworben werden will oder andere Hilfsmittel benötigt werden. Nicht hinzunehmen ist auch, wenn die noch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Aussicht gestellte Bereitstellung von fünf Milliarden Euro, die die Kommunen für die Eingliederungshilfe dringend benötigen, kurzerhand durch den Finanzminister am Bundeskabinettstisch gestrichen wurden. So verhindert man Teilhabe.

Ein Teilnehmer sagte, „…je mehr die Behinderung an mich herankam, desto mehr habe ich gelernt mit dem Herzen zu hören“. Wir sollten mehr mit dem Herzen hören und auch sehen! Die Gesellschaft würde das menschlicher und ein Stück wärmer machen. Also sehen und hören wir mit dem Herzen!