Horst Wehner

Archiv für Juli 2015

Ausstellung jüdischer Migrant_innen im Sächsischen Kultusministerium

21. Juli 2015  |  Abgelegt in Allgemein

Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Warum verlassen sie den Ort, wo sie geboren und aufgewachsen sind, ihre Familien und Freunde leben? – Fragen, die sich bei den aktuellen Flüchtlingsbildern in den Medien wohl viele stellen. Angesichts von Terror und Bürgerkrieg in Syrien und anderen Ländern scheint die Antwort klar, obgleich das nicht unbedingt zu mehr Verständnis in der Bevölkerung führt.
Die aktuelle Ausstellung im Dresdner Kultusministerium gewährt hierzu einen kleinen Einblick. Auf zehn Acryl-Säulen erzählen 12 jüdische Migranten und Spätaussiedler in Interviews, warum sie nach der Wende ihre Heimat verlassen haben. Sie berichten, wie das Leben in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist, in denen es keinen staatlichen Schutz vor antisemitischer und nationalsozialistischer Volksverhetzung gibt. Die meisten von ihnen kommen aus der Ukraine, wo derzeit ein Bürgerkrieg tobt und nationalistische Kräfte nicht unerheblichen Einfluss haben.
12 Interviews. Das sind 12 Menschenschicksale die durch die Ausstellung in den Mittelpunkt rücken und für viele andere stehen. Sie stehen stellvertretend für Menschen, die hier in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben – oder hoffen zu finden – und trotzdem immer wieder auf Ablehnung stoßen. Sie zeigen: niemand verlässt leichtfertig seine Heimat.
Während des Besuches der Ausstellung hatte ich Gelegenheit, Gespräche mit den Migrantinnen und Migranten zu führen, die mir dabei einen noch intensiveren und persönlicheren Einblick in ihre Lebensgeschichte gewährten. Für diese Gelegenheit bin ich sehr dankbar und finde es schade, dass diese Möglichkeit des persönlichen Gesprächs von den Besucherinnen und Besuchern bisher sehr unterschiedlich wahrgenommen wurde.


Organisiert wurde die Ausstellung durch Jüdischer FrauenVerein Dresden. Anlässlich des 20. Jahrestages des Beginns jüdischer Zuwanderung nach Dresden aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion möchte der Verein zeigen was es bedeutet, wenn Nationalismus und Antisemitismus keine staatlichen Einschränkungen erfahren. Bis 23. Juli 2015 ist die Ausstellung noch zu sehen, die dann auch den Geschichts- und Gemeinschaftsunterricht an Schulen ergänzen kann und soll.