Horst Wehner

Archiv für November 2015

„Soll der Mensch…

29. November 2015  |  Abgelegt in Allgemein

…den Menschen nie mehr
nach der Schlacht betrauern
muss auf dieser Erde eben
Frieden wie das eigene Leben
kostbar sein und dauern…

nach der Schlacht betrauern, muss auf dieser Erde eben, Frieden wie das eigene Leben, kostbar sein und dauern…“. Diese Zeilen eines Gedichts von Gisela Steineckert fielen mir ein, als ich von den Terrorattentaten in Paris am 13. November hörte. Und es brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten um zu erahnen, wie lange es wohl dauern würde, bis die ersten Politiker von „Krieg gegen den Terror“, mehr Bombenangriffe auf den IS usw. reden würden.

Zwei Tage später wurde der Volkstrauertag begangen, ein so genannter stiller Gedenktag, der den Opfern des ersten und zweiten Weltkriegs und von Gewaltherrschaft gewidmet ist. Vielerorts, so auch im Deutschen Bundestag und im Sächsischen Landtag wurde er mit einer Gedenkveranstaltung begangen und natürlich spielten die Opfer der Terroranschläge in Paris eine nicht unwesentliche Rolle, deren Opfer zu diesem Anlass aber auch in den kommenden Plenarsitzungen gedacht wurden.

Ebenso schnell wie von Krieg und Waffen gegen den IS gesprochen wurde, gerieten die Geflüchteten aus Syrien, Irak usw. unter Generalverdacht. Dabei fliehen diese Menschen gerade vor diesem Terror des IS. Erinnert sei auch daran, dass in anderen Teilen der Welt, etwa in Israel, in Beirut und anderen Orten, Terroranschläge wie diese von Paris seit Jahren an der Tagesordnung sind.

Egal wo, egal wie nah oder fern solche Anschläge passieren, die Angst und die Trauer der Menschen sind überall gleich. Und wir wissen, Gewalt erzeugt immer neue Gewalt, Hass verursacht neuen Hass und alle Bomben, die weltweit in den Waffenarsenalen auf ihren todbringenden Einsatz warten, werden nicht zu mehr Frieden in der Welt beitragen.

Es ist schmerzlich zu erfahren, wie verletzbar Demokratie und Freiheit sind. Aber Freiheit und Demokratie sind ein hohes Gut. Und es bleibt dabei, dass wir den Geflüchteten mit Solidarität, mit Menschlichkeit begegnen und ihnen auch helfen, sich hier zurecht zu finden und die traumatischen Erlebnisse in  ihrer von Terror und Bürgerkrieg zerstörten Heimat zu verarbeiten. Bereiten wir ihnen eine gute Ankunft in unserem Land.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine besinnliche, eine gute, wärmende Adventszeit!

Besuch der Bäckerei Ermer

4. November 2015  |  Abgelegt in Allgemein

Schon lang vorgenommen und am 29. Oktober 2015 in die Tat umgesetzt – der Besuch der Bäckerei von Herrn Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, in Bernsdorf bei Hoyerswerda.


Mit Roland Ermer

Zu Beginn des Besuches erhielten wir einen Einblick in die Geschichte der Bäckerei. Ursprünglich wurde diese am 1. Januar 1935 von Großvater Rudolf Ermer in Lubin/Schlesien gegründet. Nach der Vertreibung aus der Heimat begann 1947 in Groß Särchen der Neuaufbau, 1950 zog die Bäckerei Ermer dann nach Wittichenau um. Nachdem sich Vater Jochen Ermer 1960 in Wittichenau selbstständig gemacht hatte, wurde 1961 die Bäckerei in Bernsdorf eröffnet. 1988 übernahm Roland Ermer das Geschäft und betreibt heute zusätzlich zur Bäckerei in Bernsdorf noch 2 weitere Filialen.

Philosophie der Bäckerei Ermer ist meiner Auffassung nach: Tradition bewahren. Vor allem bei handwerklicher Herstellung. Gut Ding will Weile haben. Mit Zeit für gute Backwaren. Damit sie ihr volles Aroma entfalten können. Zeit als Qualitätsmerkmal, mit dem kein Fertigbackmittel mithalten kann. Dem Teig Zeit geben zu reifen. Zeit für gesunde Ernährung und mehr Lebensqualität.


Verkaufsraum der Bäckerei

Beim anschließenden Rundgang durch die Backstube konnten wir uns von der gelebten Leidenschaft für die Herstellung und Verarbeitung der Backwaren überzeugen. Sehr interessant waren u. a. die Ausführungen zur speziellen „Cool Rising“-Anlage, die die Teiglinge über einen elektronischen Steuerungsprozess langsam und vor allem in der Kühle gären lässt. „Eigentlich schließen Kälte und Gären einander aus – jedoch nur auf den ersten Blick“, erläutert Bäckermeister Ermer. „Doch in der heutigen Zeit, in der wir Handwerker uns bewusst von industriellen Produktionsmethoden abheben wollen, können uns solche Methoden helfen, unseren Kunden Produkte anzubieten, die es nur in unserem Fachgeschäft und eben nicht beim Discounter geben kann.”


Beim Rundgang durch die Backstube der Bäckerei Ermer

Im Übrigen ist es sehr bemerkenswert, wie der Bäckermeister und Präsident des Sächsischen Handwerkstages unsere aktuelle Zeit reflektiert hat. Wir haben uns u. a. über die duale Ausbildung, Armut, sozialrechtliche Themen wie die Entrichtung von Beiträgen in die Sozialversicherung, über die Solidarität mit Flüchtlingen und auch über kulturelle Angebote im ländlichen Raum unterhalten. Und nicht zuletzt über sein Hobby als leidenschaftlicher Motorradfahrer gesprochen.

Ein herzliches Dankeschön geht an Herrn Roland Ermer und sein Team für die Gastfreundschaft und den sehr interessanten und lehrreichen Tag. Ihnen allen alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Wenn Sie in der Nähe von Bernsdorf sind, sollten Sie unbedingt einen Besuch der Bäckerei Ermer am Schmelzteich einplanen und die Köstlichkeiten aus der Backstube genießen.