Monat: Dezember 2015

Besuch im BSZ Oelsnitz zur musikalisch-literarischen Lesung

Am 14. Dezember besuchte ich das Berufliche Schulzentrum für Gesundheit, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises „Erdmann Kircheis“ Standort Oelsnitz im Erzgebirge. Ich folgte dabei der Einladung der Klassenstufe 12 – 13 des Beruflichen Gymnasium, die ich Mitte Oktober im Sächsischen Landtag mit dem 1. Preis „Jugend Aktiv für Frieden und Toleranz“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. für ihr „Zeitzeugenprojekt 2015“ auszeichnen durfte.

Bei der Auszeichnung im Sächsischen Landtag

Begrüßt wurde ich von einigen Schülerinnen und Schülern sowie der projektbegleitenden Lehrerin Frau Reinhild Becher und dem Schulleiter Herr Frank Helzig. Ich bekam eine kurze Vorstellung der Schule, die ihren Ursprung in einer Bergmannschule hat. Das BSZ Oelsnitz fusionierte vor drei Jahren mit dem BSZ Aue und bildet seit mehr als 20 Jahren Schülerinnen und Schüler und Lehrlinge aus. Das BSZ bietet ein breites Spektrum an Bildungsmöglichkeiten in den Bereichen Gesundheit, Technik und Wirtschaft. Die zehn Schulgebäude, dazu zählen unter anderem auch Internatsgebäude, wurden aufwendig saniert, wobei auch ein Augenmerk auf die Barrierefreiheit gelegt wurde. Die Gestaltung und Einrichtung der Werkstätten, Labore und Fachunterrichtsräume werden den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe im hohen Maße gerecht, wovon ich mir bei einem kleinen Rundgang übers Gelände einen Überblick verschaffen konnte. Nach unserem Rundgang fanden wir uns in der mit Schülern gut gefüllten Aula zur literarisch-musikalischen Lesung des „Zeitzeugenprojekt 2015“ ein, über die selbst die Freie Presse berichtete.

In der Aula

Umrahmt von Bildern und kurzen, von einer Schülerin gespielten Klavierstücken, lasen verschiedene Schüler Zeitzeugenberichte vor. Das in Eigenregie inszenierte Programm verdeutlicht sehr klar die Verbrechen des Dritten Reiches und die damalige Judenverfolgung. Es ist schon sehr bemerkenswert, mit welchem Interesse die Schülerinnen und Schüler dieses wirklich nicht einfache Thema behandelten und sich damit auseinandersetzen. Was sich dabei für eine gespannte Atmosphäre im Raum befand war sehr beindruckend. Und damit so ein interessantes Projekt nicht im Sande verläuft, wurde das Projekt der Klassenstufe 11 zur Weiterführung übergeben. Man darf also weiterhin gespannt sein.

Weihnachtlicher Betriebsausflug mit Hindernissen

Weihnachtszeit – besinnliche Zeit, so sollte es eigentlich sein. Doch in der Realität sieht es meist anders aus. Hektische Geschäftigkeit ist an der Tagesordnung, es scheint mehr Termine als sonst im Jahr zu geben und dann sind da noch all die Dinge, die unbedingt noch vor den Feiertagen erledigt werden müssen…. Das ist bei mir und meinem Team nicht anders. Dennoch oder eigentlich gerade darum lud ich kurz vor dem 3. Advent mein Team aus meinen Büros in Dresden, Glauchau und Kirchberg zu einem Ausflug „Auf den Spuren der Barrierefreiheit“ ins weihnachtliche Erzgebirge ein. Meine Arbeitsthemen sollten mit neuen Eindrücken, Wissenswertem und natürlich auch gutem Essen unterhaltsam und unverkrampft verknüpft werden. Letzteres gelang nicht gänzlich, denn da ist ja immer die Sache mit der Barrierefreiheit…

im Hammerwerk

Wir starteten mit einem Besuch im Frohnauer Hammer, ein kleiner in Familienbesitz befindlicher Schmiedebetrieb, der von 1621 bis 1904 Werkzeuge für den Bergbau aber auch Münzen herstellte. Mehr zur Geschichte des Frohnauer Hammers finden sich hier. Eindrucksvoll zu sehen, unter welchen Bedingungen die Menschen damals arbeiten mussten. Neben dem Historischen Hammerwerk und der Ausstellung der Erzeugnisse gibt es auch noch den die Galerie mit Sonderausstellung mit dem alten Heimatberg zu sehen. Dieser gibt einen Einblick in die 500 Jahre alte Bergbaugeschichte.

Dritte Station ist das Hammerherrenhaus mit der Klöppelstube. Hammerwerk und Heimatberg waren sehr eindrucksvoll, wenn auch für Menschen mit Gehbehinderung nur mit Schwierigkeiten zu besichtigen. Vom Hammerherrenhaus konnte mir nur mein Team berichten, für Rollstuhlfahrer gibt es derzeit noch keine Möglichkeit und so waren wir schon bei der ersten Etappe unseres Ausflugs mitten in meinem Thema: Barrierefreiheit. Im Gespräch mit einem Museumsmitarbeiter erfuhren wir, dass ein Aufzug am Herrenhaus geplant ist, sollte es mit der „Montanregion Erzgebirge“ als Weltkulturerbe klappen. Dann sollen 2017 die Bauarbeiten beginnen und dafür sorgen, dass auch Menschen mit Gehbehinderung alle Stationen des Technischen Museums erreichen können. An dieser Stelle möchte ich auf das Projekt „Lieblingsplätze für alle“ hinweisen, mit welchem Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit mit Kosten bis 25.000 € gefördert werden.

Neinerlaa - so schauts aus, wenns serviert wird

Hungrig und durchgefroren kamen wir dann an unserer zweiten Etappe an, dem Ratskeller „Zum Neinerlaa“ in Annaberg-Buchholz. Das Essen war lecker und bei ein paar Spielen und dem Tausch von Geschenken verging die Zeit wie im Flug. Doch auch hier stellte uns die mangelnde Barrierefreiheit vor einige Herausforderungen.

Man kann Annaberg-Buchholz nicht besuchen, ohne auch einen Blick in die St. Annenkirche zu werfen. Mit 65 Metern Länge und 40 Metern Breite ist sie die größte sächsische Hallenkirche und wurde ab 1499 zunächst als Katholische und ab 1539 als evangelisch-lutherische Kirche genutzt. Beeindruckend die Architektur mit Elementen der Spätgotik und der Renaissance sowie die Altäre, die einerseits die Geschichte der Geburt Jesu und andererseits die Geschichte des Silberbergbaus der Region erzählen. Die Schutzheilige der Bergleute, die Heilige Anna, ist Namensgeberin der Kirche, die einen Besuch lohnt und gerade auch mit dem Klang ihrer Orgel zum Verweilen einlädt.

St. Annenkirche mit Blick auf Deckengestaltung und Orgel

Die letzte geplante Station, ein Besuch im Erzgebirgsmuseum musste dann leider entfallen – und wieder war die fehlende Barrierefreiheit der Grund. Es zeigte sich mal wieder, wie weit wir in Sachsen davon entfernt sind, die UN-Behindertenkonvention umzusetzen, wonach jede und jeder selbstbestimmt und ohne auf Hilfe anderer angewiesen zu sein alle Einrichtungen, Museen usw. besuchen kann. Da ist noch viel zu tun und so war dieser sehr schöne Tag mit meinem Team eben doch nicht so ganz frei von Arbeitsthemen. Doch es ist uns Ansporn, weiter für Barrierefreiheit und somit die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zu kämpfen und allen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Kultur und Integration

Wie gut beides zusammengeht, durfte ich am 31. Oktober in Langenbernsdorf erleben. Unter dem Motto „Ein Dorf singt!“ hatte sich ein großer Projektchor mit über 70 Mitwirkenden zusammengefunden, dem neben dem Männergesangsverein Langenbernsdorf e. V. auch zahlreiche weitere Bürgerinnen und Bürger aus Langenbernsdorf angehörten. Unterstützt wurden sie von zwei Profisängern sowie der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach.
Schon aus musikalischer Sicht war es ein gelungener Abend, der aber auch darüber hinaus etwas Besonderes war. Auf Einladung des Männergesangsvereins gehörten auch in Werdau lebende Geflüchtete zu den Gästen. Die Sprachbarriere war schnell überwunden, was besonders bei der kleinen Feier nach dem Konzert deutlich wurde. Obwohl in ihrem Kulturkreis (Syrien, Afghanistan, Pakistan) andere Klänge gewohnt, waren sie vom Konzert sehr angetan. Höhepunkt der kleinen Feier waren dann auch ohne Zweifel die von den Geflüchteten dargebotenen Lieder aus ihrer Heimat. Hier zeigte sich, wie viel Musik vermag. Überall in der Welt und schon immer ist Musik mit dem religiösen, politischen und sozialen Leben verknüpft. Sie unterhält, sie gibt Kraft, sie verbindet Menschen. Es ist also ein richtiger Ansatz über gemeinsames Musizieren die neuen Nachbarn einzubeziehen.

Ich freue mich sehr, dass es auch in Langenbernsdorf, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden auch, ein breites Bündnis der Willkommenskultur gibt. Gemeinsam werden wir in der Lage sein, die Herausforderung, die mit den vielen neuen Nachbarn verbunden sind, zu meistern. Musik und Sport werden dabei helfen Brücken zu bauen.
Gleichzeitig ärgert es mich immer wieder, wenn ich von fremdenfeindlichen Übergriffen und rassistischer Hetze gegen Geflüchtete und Asylbewerber sowie gegen Helfende lese oder höre, wie nun leider auch aus Langenbernsdorf. Keine Region scheint derzeit dagegen immun zu sein. Wird diese Hetze gegen und Verleumdung der Geflüchteten noch dazu anonym verbreitet, ist auch ein Diskurs zu Fragen und Unsicherheiten nicht führbar. Die aktuellen Bestrebungen Langenbernsdorfer Institutionen, Vereine und Initiativen anonymer Hetze ein Zeichen der Menschenachtung entgegenzusetzen, begrüße ich ausdrücklich. Keiner muss befürchten, dass ihm etwas weggenommen wird, wenn in der Nachbarschaft Geflüchtete eine warme Unterkunft bekommen und wir ihnen helfen, sich hier zurecht zu finden und die traumatischen Erlebnisse in ihrer von Terror und Bürgerkrieg zerstörten Heimat zu verarbeiten. Bereiten wir ihnen eine gute Ankunft in unserem Land. Denn das Leben mit den neuen Nachbarn wird uns reicher und nicht ärmer machen. Wir werden voneinander und miteinander leben und lernen und unsere Gesellschaft bunter machen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Kraft und Mut bei der Bewältigung der Herausforderungen und eine besinnliche, gute, wärmende Adventszeit!

Schwerbehindertenvertretungen stärken!

Unter diesem Thema fand auf Einladung des DGB Bezirk Sachsen in Kooperation mit ARBEIT UND LEBEN Sachsen am Mittwoch (2. 12.) eine Fachkonferenz in Dresden statt.

Blick in die Veranstaltung

Trotz der allgemein guten Beschäftigungslage zählen Schwerbehinderte nach wie vor zu den Verlierern am Arbeitsmarkt. Und das obwohl mit der UN-Behindertenrechtskonvention verbindlich festgelegt ist, dass alle Menschen gleiches Recht auf Arbeit haben.

Während 2014 die allgemeine Arbeitslosenquote bundesweit bei 8,6 % lag betrug  die Arbeitslosenquote für schwerbehinderte Menschen 13,9%. Auch der Abstand zwischen allgemeiner Arbeitslosenquote und der Arbeitslosenquote für schwerbehinderte Menschen hat sich in den letzten Jahren immer mehr vergrößert. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind schwerbehinderte Menschen älter als 55.

Im öffentlichen Sektor sind von den Beschäftigten ca. 6,6 % Menschen schwerbehindert, im privaten liegt die Quote nur bei 4,1 %. 38.500 Betriebe beschäftigen keine Schwerbehinderten, obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet wären.

Insofern erscheint die Forderung nachvollziehbar, dass die Ausgleichsabgabe für jene Betriebe, die ihrer gesetzlichen Pflicht zur Beschäftigung von Schwerbehinderten nicht nachkommen, deutlich angehoben werden müsse! Ob Sanktionen tatsächlich zur Verbesserung der Beschäftigungssituation führen, blieb dennoch fraglich.

Einigkeit bestand aber darin, dass die Schwerbehindertenvertretungen in ihren Rechten deutlich gestärkt werden müssen. Sind sie es doch, die in den Unternehmen für die Interessen von Menschen mit Behinderungen eintreten und die Experten zu Fragen der Ausbildung und Beschäftigung von schwerbehinderten und von Behinderung bedrohten Menschen sind. Das dies in der Realität leider nicht immer so gesehen wird, machte Katrin Röhrig von der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen am eigenen Wirken deutlich.

Rolf Brahms, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schwerbehindertenvertretungen bei den obersten Landesbehörden im Freistaat Sachsen forderte eine Selbstverpflichtung des Freistaates Sachsen, dass mindestens 5% der Neueinstellungen schwerbehinderte Menschen sein müssen. Ebenso müsse es eine Selbstverpflichtung zur Schaffung einer umfassenden Barrierefreiheit in allen Behörden des Freistaates Sachsen geben.

Die anschließende Podiumsdiskussion war von einem regen Gesprächs- und Fragebedarf der anwesenden Teilnehmer, vorwiegend selbst Schwerbehindertenvertreter_innen in den unterschiedlichsten Einrichtungen und Unternehmen tätig, geprägt. Zentrale Frage war, wie kann es gelingen, die Rechte der Schwerbehindertenvertretungen, deren Arbeitsumfang unter Beachtung der modifizierten gesetzlichen Regelungen immer mehr anwächst,zu stärken. Eine große Rolle spielte die Frage der Freistellungsregelungen. Praktische Beispiele aus den Unternehmen und Einrichtungen machten deutlich welchen enormen Herausforderungen sich die Schwerbehindertenvertretungen gegenüber sehen.

In der Podiumsdiskussion von links nach rechts: Katrin Röhrig, Rolf Brahms, Horst Wehner, Matthias Schubert und Dr. Heidi Becherer

Ebenso kamen immer wieder Fragen wie man die Unternehmungen noch stärker in die Pflicht nehmen könne, um die gesetzliche Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen einzuhalten. Wie kann es gelingen, die Mitwirkungsrechte durchzusetzen.

Am Ende der Veranstaltung verlas Werner Schuh, 1. stellvertretender Vorsitzender der DGB-Gesamtschwerbehindertenvertretung eine Resolution „Schwerbehindertenvertretungen stärken!“ des DGB- Bezirk Sachsen, der sich alle Teilnehmer einheitlich anschlossen.

Es war für mich eine interessante und inhaltsreiche Veranstaltung, die unbedingt wiederholt werden sollte. Mein Dank gilt den Moderatorinnen Dr. Heidi Becherer, DGB-Bezirk Sachsen und Ulrike Stansch ARBEIT UND LEBEN Sachsen sowie den Referent_innen Annelie Buntenbach (Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes), Klaus Bemmann-Ender (Referat 43 des SMS), Matthias Schubert (Bereich Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit – Regionaldirektion Sachsen und selbst Schwerbehindertenvertretung), Rolf Brahms (Vorsitzender der AG Schwerbehindertenvertretungen bei den obersten Landesbehörden im Freistaat Sachsen), Katrin Röhrig (Schwerbehindertenvertretung Staatliche Manufaktur Meißen), Werner Schuh (1. stellv Vorsitzender DGB-Gesamtschwerbehindertenvertretung)  für ihre interessanten Vorträge sowie allen Teilnehmer_innen für ihre aktive Mitarbeit und ihre spannenden Fragen. Ihnen allen wünsche ich Erfolg in ihrer Arbeit. Mit den besten Wünschen für eine besinnliche, fröhliche Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start in ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2016 verabschiedeten wir uns voneinander.