Horst Wehner

Archiv für November 2016

„Stolzer Blick zurück, volle Kraft voraus“

24. November 2016  |  Abgelegt in Allgemein

So lautete das Motto der Festivitäten im Erlwein-Capitol in Dresden. Begangen wurde das 25jährige Bestehen des Landestourismusverbandes (LTV) Sachsen, der 1991 auf der Bastei als Landesfremdenverkehrsverband Sachsen e. V. gegründet wurde. Er versteht sich als Dachverband aller regionalen Tourismusorganisationen Sachsens sowie der tourismusrelevanten Vereine und Verbände.

Anders als in Tourismushochburgen am Mittelmeer, wo große Anlagen das Bild bestimmen, ist die sächsische Tourismuswirtschaft geprägt durch viele kleine und mittelständische Betriebe. Sachsen für Touristen attraktiv zu machen, diese Attraktivität zu erhalten und weiter auszubauen ist für jeden einzelnen dieser Betriebe allein kaum möglich. Damit Menschen ihren Urlaub bspw. im herrlichen Erzgebirge verbringen oder die historischen Altstädte und Museen von Dresden oder Görlitz besuchen können, braucht es mehr als nur schicke und bezahlbare Hotels. Es braucht die Verkehrsanbindungen, den ÖPNV, Internetanbindung und ganz wichtig auch eine Möglichkeit, die eigenen Leistungen bekannt zu machen. Das kann ein kleines familienbetriebenes Hotel kaum leisten. Hierzu braucht es das Miteinander vieler Akteure, beginnend von den Städten und Gemeinden über die Hotelwirtschaft bis hin zu Museen und anderen Einrichtungen. Hier hilft der Tourismusverband die Nachteile der Kleinteiligkeit auszugleichen, gemeinsame Interessen zu bündeln und die Angebote der einzelnen Anbieter zu bündeln und durch Kooperationen und kooperatives Handeln die Regionen gemeinsam touristisch zu stärken.

Heute sind rund 200.000 Menschen im Tourismusbereich beschäftigt. Es werden hier jährlich 7,4 Milliarden Bruttoumsatz erwirtschaftet. Das sind schon beeindruckende Zahlen, die sich in den nächsten Jahren sicher auch weiter positiv entwickeln können. Hierzu leistet der LTV einen wichtigen Beitrag als neutrale, unabhängige Plattform, die Erkenntnisse und Erfahrungen bündelt und auf konkrete Problemstellungen und Hindernisse hinweist, um Sachsen und seine Regionen für Urlauberinnen und Urlauber aus dem In- und Ausland noch attraktiver zu machen.
Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahre erfolgreicher Arbeit und weiterhin gutes Gelingen!

Tag der offenen Tür in der Sozialtherapeutischen Wohnstätte in Zwickau

9. November 2016  |  Abgelegt in Allgemein

Wer hierzulande unter psychischen Störungen leidet, hat es meist nicht leicht mit seinen lieben Mitmenschen. All zu oft sind Betroffene ebenso wie ihr Umfeld mit Vorurteilen konfrontiert. Und diese reichen von Angst vor scheinbarer Gefährlichkeit bis hin zur Meinung, die wollen sich nur drücken. Doch ganz gleich welcher Art von Vorurteil im konkreten Fall vorliegt, es führt in jedem Fall zu noch mehr Isolation der betroffenen Person selbst.
Psychische Erkrankungen sind nicht ansteckend und sie werden auch nicht vererbt, obgleich die Veranlagung dazu schon auch genetische Ursachen haben kann. Nicht jeder hat ein dickes Fell und jeder Mensch geht mit traumatischen Ereignissen in seinem Leben anders um. Diese zu bewältigen gelingt dem einen besser als dem anderen und manche benötigen intensive Unterstützung. Die Ursachen sind so vielfältig wie die möglichen Störungen selbst, können dramatische Ereignisse wie ein Unfall oder der Verlust eines nahen Angehörigen, aber auch Erkrankungen sein. Eines haben die Betroffen jedoch alle gemeinsam, sie benötigen Hilfe zur Bewältigung des Alltags in unterschiedlicher Intensität.

Wohnraum einer Wohngruppe der Wohnstätte

Die seit 1998 bestehende Sozialtherapeutische Wohnstätte bietet hierzu umfassende Möglichkeiten in einem Stufenprogramm. Hier erhalten bis zu 32 Erkrankte eine 24-stündige Betreuung, in der sie an normale Alltagsaufgaben und Abläufe wieder herangeführt werden. Sie lernen wieder in festen Tagesstrukturen zu leben, Aufgaben zu übernehmen und sich über zunehmend längere Zeiträume zu konzentrieren. Ergotherapie und die kleine Werkstatt in der Wohnstätte bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten. Die hier gefertigten Arbeiten verdienen Anerkennung und können gegen ein kleines Entgelt käuflich erworben werden.

Küche und Essbereich einer Wohngruppe

Sozialtherapeutische Wohnstätte und Außenwohngruppen

Ziel der Sozialtherapeutischen Wohnstätte ist es, ihre Bewohner fit zu machen für ein eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung. Wem das nicht möglich ist zu erreichen, der kann dauerhaft hier bleiben. Alle anderen werden aber nicht aus der 24-Stunden-Betreuung ins kalte Wasser geworfen. Stufenweise werden sie an ein immer selbständigeres Leben herangeführt mit immer weniger Unterstützung und der Option, wieder in die vorherige Stufe zurückkehren zu können. Aus der Wohnstätte geht es zunächst in die Außenwohngruppe 1, die sich auf dem Gelände der Wohnstätte befindet. Diese räumliche Nähe bietet gerade durch den ständig möglichen Kontakt zu den BetreuerInnen der Wohnstätte große Sicherheit. Wer diese Stufe erfolgreich schafft, zieht um in die zweite Außenwohngruppe. Hier ist schon eine recht große Selbständigkeit erforderlich. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen selbständig ihren Alltag meistern und zur Arbeit in der Behindertenwerkstatt oder auf dem ersten Arbeitsmarkt gehen. Die meisten arbeiten in der Mauritiuswerkstatt, einige auch in der Lukaswerkstatt. Die Betreuung erfolgt hier stundenweise, richtet sich aber auch hier nach den Bedürfnissen und Erfordernissen der BewohnerInnen. Wohnlich eingerichtet ist hier auf den ersten Blick nicht zu sehen, dass es sich um eine betreute Wohngruppe handelt. Sehr positiv ist der gute Kontakt der BewohnerInnen der Außenwohngruppe zur übrigen Hausgemeinschaft, was sicher nicht überall selbstverständlich ist.

in der Ergotherapie entstandene Arbeiten

Wer auch diese Etappe erfolgreich absolviert hat, wobei jede Etappe von Mensch zu Mensch unterschiedlich lang sein kann, zieht in seine eigene Wohnung und bekommt 1.400 Euro Starthilfe zur Erstausstattung. Wer sich schon mal eine eigene Wohnung eingerichtet hat, weiß, dass das nicht viel ist selbst dann, wenn man vorwiegend auf Möbel aus Sozialkaufhäusern zurückgreift. In der eigenen Wohnung sind die Erkrankten weitestgehend auf sich allein gestellt, bekommen aber auch hier über einen gewissen Zeitraum Unterstützung, wenn fragen oder Probleme auftauchen. Wichtig ist: wer es in der eigenen Wohnung nicht schafft, kann zurück in die Wohnstätte.

Werkstatt innerhalb der Wohnstätte

Soweit zu den groben Abläufen. Zum Tag der offenen Tür gab es noch weit mehr Informationen. Beispielsweise dass für die Erkrankten eine Verpflegungspauschale von 4,15 Euro pro Person und Tag zur Verfügung steht. Davon gehen allein schon (ab Januar 2017) 2,50 Euro fürs Mittagessen weg, welches in einer der beiden Großküchen der Betreuungsgesellschaft frisch zubereitet wird. Von dieser Verpflegungspauschale müssen aber auch Kochkurse, Grillabende oder Feste mitfinanziert werden. Da ist eine ganze Menge logistischen Geschicks und Aufwands erforderlich, um das mit diesem Budget hinzubekommen. Die Kosten für das Personal werden vom Kommunalen Sozialverband Sachsen übernommen. So steht täglich für vier Stunden eine Ergotherapeutin zur Verfügung. Das Material für die Ergotherapie hingegen muss die Wohnstätte aus anderen Mitteln bestreiten. Hierfür aber auch für Ausflüge und den jährlichen Urlaub werden Fördermittel beantragt, etwa bei der Aktion Mensch. Es hat mich unglaublich beeindruckt, mit welchen Engagement die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung hier agieren und versuchen, auch mit geringen Mitteln den BewohnerInnen im Tages- und Jahreslauf immer wieder kleine und große Höhepunkte zu schaffen und dabei selber immer ein Lächeln auf den Lippen und Strahlen in den Augen haben.

Entspannungsraum in der Wohnstätte. Die Bewohner halfen beim renovieren

Die Senioren – Außenwohngruppe

Nach der Wohnstätte und dem Besuch in der Außenwohngruppe II ging es noch in die Senioren-Außenwohngruppe. Diese war vor zwei Jahren innerhalb von nur zwei Monaten praktisch aus dem Boden gestampft worden, weil ein anderer Träger seine Wohnstätte kurzfristig geschlossen hat. Neun Bewohnerinnen und Bewohner fanden in der Wohngruppe in der Werdauer Straße ein neues zu Hause. Wie wir von der Leiterin der Wohngruppe erfuhren, waren die Möglichkeiten aller bei Einzug sehr begrenzt und mit der jetzigen Situation nicht vergleichbar. Alle konnten erfolgreich aktiviert werden und haben eine ganze Reihe von Fähigkeiten zurückerlangt. Ein Bewohner konnte inzwischen sogar in eine eigene Wohnung ziehen, obgleich das nicht das vornehmliche Ziel der Seniorenwohngruppe ist. Gemütlich eingerichtet vermittelt sie den Eindruck einer Wohngemeinschaft. Der im Haus befindliche Fahrstuhl ist allerdings nicht wirklich sinnvoll, muss man doch dennoch mehrere Stufen allein bewältigen. Barrierefrei sieht anders aus und ist sicher mit Blick auf die (zunehmende) körperliche Verfassung der SeniorInnen kritisch zu sehen. Dass dies so ist, war der Kurzfristigkeit geschuldet, mit der die Wohngruppe entstand und Abhilfe ist bereits auf dem Weg. Im Wohnblock der Außenwohngruppe II wird die gesamte untere Etage barrierefrei aus- und umgebaut und nach Ende der Baumaßnahme zieht die Seniorenwohngruppe um. Auch hier zeigt sich das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit sehr viel Wärme und Herzlichkeit agieren.

Wohnbereich in der Außen-Seniorenwohngruppe.

Ich bedanke mich ganz herzlich für die gewährten Einblicke und wünsche allen – Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichermaßen – viel Erfolg, Glück, natürlich Gesundheit und viel Freude im gemeinsamen Miteinander!

Behindern verhindern!

9. November 2016  |  Abgelegt in Allgemein

So lautet die aktuelle Kampagne der Staatsregierung um die Öffentlichkeit für Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren, deren Startschuss am 18. August 2016 fiel. Sie ist dabei Teil des Aktionsplans der Staatsregierung um in Sachsen die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und so allen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben zu gewährleisten. Über 400 000 Menschen mit Beeinträchtigungen leben in Sachsen und sind täglich damit konfrontiert, Barrieren verschiedenster Art überwinden zu müssen. Das soll, das muss sich ändern. Dabei ist meine Sicht geprägt durch die Erfahrung, plötzlich auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. Das Motiv, das mich antreibt, ist die selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben. Geht nicht gibt es nicht!

die Botschafter der Kampagne "Behindern verhindern!!

Nun hat sich die Sächsische Staatsregierung endlich auf den Weg gemacht und einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Nun wir es Zeit, dass auch die Städte und Gemeinden sowie Handel, Gewerbe, Tourismus, Hotelerie und Gastronomie sowie die Verkehrsunternehmen und Kulturbetriebe ihren Beitrag zur konsequenten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention leisten, nur so wird die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft möglich sein. Zentrale Aufgabe wird es hierbei sein, noch bestehende Barrieren zu beseitigen. Denn es geht nicht an, dass es beispielsweise immer zahlreiche noch Geschäfte gibt, wo Menschen mit Beeinträchtigungen draußen warten müssen, weil sie nicht hineinkönnen; dass Busse unterwegs sind, die nicht barrierefrei nutzbar sind oder Haltestellen den Anforderungen der Barrierefreiheit nicht entsprechen – um nur drei Beispiele zu nennen. Sicher wird das nicht von heute auf morgen zu realisieren sein, aber es muss in Angriff genommen werden. Ebenso schaut es aus, wenn mit Arbeitsplätzen für Menschen mit Beeinträchtigungen auf dem ersten Arbeitsmarkt aus. Sie sind rar und noch immer sind die erste Wahl die Behindertenwerkstätten. Es wird Zeit, dass in den Unternehmen Menschen mit Beeinträchtigungen ihren Platz finden und so inmitten der Gesellschaft leben und ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

nicht barrierefreier Zugang zu einer Haltestelle

Von der Sächsischen Staatsregierung erwarte ich insoweit eine Gesetzesinitiative für ein sächsisches Inklusionsgesetz, denn das bisherige Gesetz zur Verbesserung der Integration von Menschen mit Behinderungen im Freistaat Sachsen ist allein in seinem Wortlaut von dem Zweck der UN-Behindertenrechtskonvention , den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern, noch weit entfernt.

Zugang zur Sparkasse in Kirchberg: ebenfalls nicht barrierefrei

Insoweit erwarte ich auch von der Sächsischen Staatsregierung, sich auf  Bundesebene für ein Gesetz einzusetzen, das den Menschen mit körperlichen, geistigen, seelischen oder/und Sinnesbeeinträchtigungen eine volle, umfassende Verwirklichung ihres Rechts auf Teilhabe auch tatsächlich ermöglicht.

Viva La Musica

9. November 2016  |  Abgelegt in Allgemein

Es lebe die Musik, hieß es am 1. Novemberwochenende im Chemnitzer Opernhaus.

Viva la Musica ist ein Konzertprojekt der Robert- Schumann-Philharmonie und der Städtischen Musikschule Chemnitz und fand in diesem Jahr bereits zum 7. Mal statt. Gemeinsam brachten die Künstlerinnen und Künstler anspruchsvolle Stücke zu Gehör von Wolfgang Amadeus Mozart, Jean Sibelius, Franz Schubert, Dmitri Schostakowitsch und weiteren Komponisten.

Einmal mehr bewiesen die jungen Künstlerinnen und Künstler der Städtischen Musikschule Chemnitz, dass sie sich hinter den gestandenen Musikern der Philharmonie nicht verstecken müssen. Beeindruckend, welches Können sie in ihren jungen Jahren bereits haben. Das lässt hoffen, dass es für die Philharmonie aber auch andere Orchester der Region auch zukünftig nicht an begabtem Nachwuchs fehlen wird. Großartig fand ich aber wie kollegial die Berufsmusiker die jungen Talente betreut haben. Allen voran der Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz Dr. Christoph Dittrich, höchst persönlich – selbst Musiker. Das Gemeinsame ist das Besondere. Welch eine Botschaft in die Gesellschaft.

Einmal mehr bescherte das Konzertprojekt den Zuhörerinnen und Zuhörern im Chemnitzer Opernhaus einen musikalischen Höhepunkt. Ich habe mich gefreut dabei sein zu dürfen und bin gespannt auf nächstes Jahr, wenn es dann zum 8. Mal heißen wird: Viva la Musica – Es lebe die Musik!

SGB II – Rechtsvereinfachung – Was steckt dahinter?

8. November 2016  |  Abgelegt in Allgemein

Seit dem 1. August 2016 ist es in Kraft, dieses Rechtsvereinfachungsgesetz zu Hartz IV, wie es allgemein heißt. Verschiedenes wurde bereits in den Medien dazu veröffentlich. Doch wir wollten es genau wissen und hatten zum poliTTisch Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, eingeladen.
Und tatsächlich, es gibt ein paar positive Aspekte dieser Rechtsvereinfachung. Zu nennen sind hier der verlängerte Bewilligungszeitraum auf zwölf Monate – was mit Einführung der neuen Software allerdings schon einige Zeit so gehandhabt wird; für Menschen ohne Berufsausbildung hat nun die Vermittlung in eine Ausbildung Vorrang gegenüber der Vermittlung in einen Job und ALG II steht nun auch Auszubildenden offen. Das war es dann aber auch schon mit den positiven Punkten. Dagegen steht beispielweise die Regelung, dass es keine Mehrbedarfe für „temporäre Bedarfsgemeinschaften“ gibt. Gemeint sind getrennt lebende Familien, in denen das Kind abwechselnd bei den Elternteilen lebt. Der umgangsberechtigte Elternteil bekommt keinen Mehrbedarf zugestanden, die getrenntlebenden Eltern sollen sich mit dem Geld einigen. Zu befürchten ist nur, dass das in der Praxis nicht funktioniert. Denn Eltern trennen sich ja gerade, weil sie sich nicht mehr verstehen, sich nicht auf wesentliche Punkte einigen können. Darunter leiden werden die Kinder, die nicht selten beim umgangsberechtigten Elternteil kein eigenes Zimmer oder Spielzeug haben werden. Sie sind „nur“ Gast – für die Kind-Elter-Beziehung sicher nicht gerade entlastend.

Zukünftig werden bei einem nicht genehmigten Umzug nur noch die Kosten der Unterkunft erstattet, die in der alten Wohnung angefallen sind. Ist die Miete in der neuen Wohnung höher, so muss die Differenz vom Leistungsbezieher selbst getragen werden selbst dann, wenn die Miete eigentlich angemessen ist. Darüber hinaus werden rückwirkende Korrekturen rechtswidriger Verwaltungsakte erschwert und es wird eine verschärfte Erstattungspflicht bei „sozialwidrigem Verhalten“ eingeführt. Letztlich wird damit ein zweites Repressionssystem geschaffen wobei „sozialwidriges Verhalten“ ein unbestimmter Rechtsbegriff ist. Darunter fallen etwa die Aufgabe einer bedarfsdeckenden Beschäftigung, die Ablehnung einer Beschäftigung ohne wichtigen Grund oder die Verweigerung in eine günstigere Steuerklasse zu wechseln. Allen, die mit Rückerstattungsforderungen wegen „sozialwidrigem Verhalten“ konfrontiert sind, ist zu raten umgehend Widerspruch einzulegen. Ebenfalls gefordert sind all jene, die ergänzende ALG II-Leistungen erhalten und über schwankende Arbeitsentgelte verfügen. Sie sollten die monatlichen Einkommensbescheide vorlegen und entsprechende Nachberechnungen verlangen, um eine Bedarfsunterdeckung zu vermeiden.
Letztlich ist davon auszugehen, dass diese Rechtvereinfachung zu weitaus mehr Überprüfungen von Bescheiden führt. Bereits jetzt sind über ein Drittel der Widersprüche gegen ALG II Bescheide erfolgreich. Diese Zahl dürfte mit den neuen Regelungen noch steigen. Es ist also wichtig, sich gegen Bescheide zu wehren und sie überprüfen zu lassen, wenn man unsicher ist oder mit Rückforderungen / Sanktionen nicht einverstanden ist.