Horst Wehner

Archiv für Januar 2017

Wider das Vergessen – Gedenkveranstaltung an die Opfer des Faschismus im August-Horch-Museum in Zwickau

28. Januar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das größte Vernichtungslager des faschistischen Dritten Reiches Auschwitz-Birkenau. Hier wurde die Vernichtung von Menschen, insbesondere der europäischen Juden industriell betrieben. Bei Eintreffen der Roten Armee waren nur noch wenige Häftlinge im Lager, die meisten waren ermordet oder auf Todesmärschen durch Deutschland ums Leben gekommen. Die wenigen noch im Lager befindlichen Häftlinge waren ausgemergelt, halb verhungert – ein Bild des Grauens. 1996 erhob der damalige Bundespräsiden Roman Herzog den 27. Januar anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum offiziellen Gedenktag. Er sagte damals: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Häftlingskleidung

2005 erhoben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Und ja, auch 72 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und der Nazidiktatur auf Deutschem Boden ist es wichtig, die Erinnerung an Opfer des Faschismus, an die industrielle Tötung von rund 6 Millionen Jüdinnen und Juden und vielen anderen Menschen wach zu halten. Denn nur wer die Geschichte kennt, kann dafür Sorge tragen, dass sich vergleichbares auch in der Zukunft nicht wiederholt. Angesichts dessen, dass rassistisches, antisemitisches und nationalistisches Gedankengut in Deutschland und Europa ja sogar weltweit wieder salonfähig zu sein scheint, gilt es den Millionen Opfern ein Gesicht zu geben und ihrer in geeigneter Form zu gedenken.

Gedenkveranstaltung im Saal des Horchmuseum Zwickau

Dies geschah im Deutschen Bundestag, im Sächsischen Landtag und den anderen Landtagen und an vielen Gedenkstätten und Gedenkorten überall im Land. In Zwickau fand die diesjährige Gedenkveranstaltung im August-Horch-Museum statt, welches auf den ersten Blick keinen Bezug zu diesem traurigen Kapitel deutscher Geschichte hat. Audi Union waren in Sachsen und auch am Standort Zwickau ein starkes Unternehmen, dessen Produktion mit Kriegsbeginn nicht mehr nur auf die Herstellung von zivilen PKW beschränkt blieb. Wie die anderen deutschen Firmen auch war die Audi-Union mit der Kriegswirtschaft verwoben. Infolge des Krieges wurden männliche Arbeitskräfte immer rarer und so kamen zunächst Frauen und später Fremdarbeiter zum Einsatz. Als auch das nicht mehr ausreichte, griff man auf KZ-Häftlinge zurück. In seinem Vortrag machte Professor Boch von der TU Chemnitz auf die Situation der Häftlinge aufmerksam und merkte an, dass die Beteiligung an der Kriegswirtschaft allein noch keine Verbrechen der Unternehmensleitung war, sie jedoch mit dem Einsatz der KZ-Häftlingen ihre Unschuld verlor. Die Sterberate unter den 900 bis 1.000 Häftlingen im Zwickauer Standort war so hoch, wie sonst selten. Es gab gezielte Tötungen und immer wieder gezielte Rückführungen ins KZ Flossenbürg, was den Tot der betroffenen Häftlinge zur Folge hatte. Detaillierte Informationen hierzu gibt es in der Studie „Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“ von Professor Boch und Dr. Martin Kukowski, erschienen im Franz Steiner Verlag.

Essgeschierr von Fremdarbeiter Bertrand, der dies dem Museum stifftete

Im Anschluss an die Feierstunde gab es die Möglichkeit, den neuen Teil der Dauerausstellung im Museum zur Kriegswirtschaft der Audi Union AG zu besuchen, die u. a. Exponate des ehemaligen Fremdarbeiters Bertrand aus Frankreich enthält. Diese hatte der jetzt 96jährige 2016 an das Museum übergeben und für ein ausführliches Interview zur Verfügung gestanden. Dieses kann in der Ausstellung im Medienblock angesehen werden. Seine Schilderungen geben einen Einblick in den Alltag dieser Zeit.

Schautafel in der Ausstellung

Das Gedenken an die Grausamkeiten der Nazizeit mit der Geschichte direkt vor Ort zu verbinden und so sichtbar zu machen, ist in meinen Augen eine geeignete Möglichkeit, um diesem das Abstrakte zu nehmen. KZ-Häftlinge waren Teil der Belegschaft, ihre Situation nicht zu übersehen, die Tötungen und Todesfälle sichtbar für die anderen Arbeiter. Nichts gewusst? Wohl kaum. Und so wird deutlich, dass die Automobilgeschichte in Zwickau eben nicht nur Blütezeit war und ist, sondern eng mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte verwoben ist. Die Geschichte ist Mahnung und im hier und heute dafür zu streiten, dass Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sich nicht weiter ausbreiten. Ihrer Opfer zu gedenken bedeutet dabei nicht uns heute in persönlicher Schuldanerkennung zu beugen sondern viel mehr die Verantwortung für unsere Gegenwart uns Zukunft zu übernehmen, damit sich dererlei nicht wiederholt, bedeutet, dass wir im hier und heute alles tun, um unsere demokratischen Grundwerte zu schützen.
Eine gelungene Veranstaltung, die mit einem vollen Haus entsprechende Anerkennung fand. Ein Besuch im August-Horch-Museum Zwickau auch mit diesem neuen Ausstellungsteil ist auch sehr zu empfehlen. Und noch eines möchte ich ausdrücklich hervorheben: Die gesamte Gedenkveranstaltung inklusive der anschließenden Führung durch die Ausstellung „Kriegswirtschaft“ war durch Gebärdendolmetscherinnen begleitet. Damit war nicht nur der Veranstaltungsort barrierefrei sondern auch die Veranstaltung selbst. Hierfür mein ausdrücklicher Dank an die Organisatoren, denn leider ist das auch heute noch nicht selbstverständlich!

Zu Gast bei der Elterninitiative – Hilfe für Behinderte und ihre Familien – Vogtland e. V. in Plauen

18. Januar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Vielerorts haben sich irgendwann aus unterschiedlichen Gründen Menschen zusammen gefunden und Initiativen und Vereine gegründet, um anderen Menschen zu helfen. Die Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen nimmt dabei eine besondere Rolle ein, denn die benötigten Unterstützungen sind ebenso vielfältig und individuell wie es die Beeinträchtigungen sind. All diese Initiativen und Vereine leben vom Engagement ihrer Mitglieder, von ihrer Leidenschaft für die Herausforderungen und die Liebe zu den Menschen.

mit MdL Janina Pfau und Frau Roth

Einen dieser Vereine durfte ich heute gemeinsam mit meiner Fraktionskollegin Janina Pfau persönlich kennenlernen, die Elterninitiative – Hilfe für Behinderte und ihre Familien – Vogtland e. V. in Plauen, deren Leiterin Frau Petra Roth uns einen Einblick in ihre Arbeit und ihre Einrichtung gab.
Die Elterninitiative – Hilfe für Behinderte und ihre Familien – Vogtland e. V. wurde 1991 von Müttern mit behinderten Kindern gegründet als ein Verein, der unparteiisch und konfessionell unabhängig agiert. Ziel ist dabei, Menschen mit Beeinträchtigungen und ihren Familien die benötigte Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen zu geben. Gleichzeitig sollen die Belange und Herausforderungen von und für Menschen mit Beeinträchtigungen mehr öffentliche Beachtung erfahren, weshalb der Verein mit Fachleuten, Schulen, Behörden und weiteren Institutionen des öffentlichen Lebens eng zusammenarbeitet. Als Mitglied im Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V. und im Paritätischen Wohlfahrtsverband kann der Verein dabei auf die Unterstützung anderer bauen.

Das Angebot des Vereins ist vielfältig und reicht von Beratung sowohl zu rechtlichen Themen als auch zu Fragen der finanziellen Unterstützung bis hin zu Betreuungsangeboten. Wer schon mal Angehörige zu Hause gepflegt hat, weiß, dass das mit der Zeit sehr kräftezehrend ist. Hier ist es auch für die Pflegenden wichtig, sich regelmäßig Freiräume zu schaffen, um neue Kraft zu tanken. Hier unterstützt der Verein durch das Angebot der stunden-, tage- oder auch wochenweisen Betreuungsmöglichkeit in einer angemieteten Wohnung. Neben diesen kurzeitigen Betreuungsangeboten unterhält der Verein fünf Wohngemeinschaften, die eine gute Alternative sowohl zur stationären Unterbringung in einem Wohnheim als auch zum Wohnen bei den Eltern darstellen. Zweckmäßige Ausstattung, ein eigenes Zimmer für jeden Bewohner und individuelle Betreuungsleistungen, die sich nach dem tatsächlichen Bedarf des Einzelnen richtet, sind Kern dieser Wohngemeinschaften.

Dazu gibt es ein umfangreiches Angebot zur Freizeitgestaltung. Angefangen von täglichen Nachmittagsangeboten, Tanzcaffee, Disco über Tagesauflügen und Konzertbesuchen bis hin zu Familienfesten und Urlaubsreisen ist alles dabei. Es ist wirklich beeindruckend, was Frau Roth und ihr Team hier alles auf die Beine stellen. Wer sich engagieren möchte oder eine neue berufliche Herausforderung sucht, sollte hier einfach mal vorbeischauen.
Ich kann mich nur ganz herzlich für dieses großartige Engagement bedanken und wünsche weiterhin gutes Gelingen bei den zahlreichen Projekten. Vielen Dank auch an meine Kollegin Janina Pfau, die mir diese Initiative vorgestellt hat.

Jahresauftakt im politiKKontor in Kirchberg

13. Januar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Traditionell ist der Januar jener Monat im Jahr, in dem es allerorts Neujahrsempfänge zu besuchen gilt. Neujahrsempfänge und Jahresauftaktveranstaltungen bilden sozusagen den Start ins politische Kalenderjahr. Dieser Tradition wollten wir uns in unserem politiKKontor natürlich nicht verschließen, zumal es gleichzeitig unser einjähriges Bürojubiläum in Kirchberg gebührend zu würdigen galt.

Eines vorweg. In den zurückliegenden zwölf Monaten gab es viele Veranstaltungen in Kirchberg, Wilkau-Haßlau und auch in Zwickau und viele weitere große und kleinere Aktionen, mit denen wir in der Region unterwegs waren. Ohne die große Unterstützung des Ortsverbandes, aber auch der Aufgeschlossenheit von Kommunalpolitik, dem Familienzentrum und der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde wären viele dieser Aktionen und Veranstaltungen zumindest nicht so möglich gewesen. Hierfür herzlichen Dank und ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit.

Mit einem via Diashow visualisierten Jahresrückblick starteten wir in unseren Jahresauftakt. Höhepunkte des vergangenen Jahres waren zweifelsohne der Rundgang in Kirchberg auf den Spuren der Barrierefreiheit. Und noch immer bin ich begeistert von der Aufgeschlossenheit von Frau Bürgermeisterin Dorothee Obst, der Verwaltung und den Vertretern der Kommunalpolitik. Das ist nicht überall so. Und dann natürlich die Ausstellungstour „Häusliche Gewalt – hinter verschlossenen Türen“, die uns von Kirchberg nach Wildenfels, auf den Robert-Schumann-Platz in Zwickau, nach Limbach-Oberfrohna und Lichtenstein, nach Wilkau-Haßlau, ins Zwickauer Rathaus und zurück nach Kirchberg führte, wo die Abschlussveranstaltung der Tour in der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde stattfand. Diese Erfahrungen unseres ersten Jahres in Kirchberg motiviert für das vor uns liegende Jahr, in dem wir ebenfalls eine ganze Menge vorhaben. Dazu gehören etwa die Diskussion zum Thema „Das muss drin sein: bezahlbares und gutes Wohnen!“ am 3. Februar im politiKKontor in Kirchberg, der drogenpolitische Tag am 7. Februar in Zwickau, der 4. Mai mit einem Rundgang in Wilkau-Haßlau zum Thema Barrierefreiheit mit Auswertung und abschließender Abendveranstaltung zum Thema sowie dem Kinderfest in Wilkau-Haßlau am 20. Mai. Und natürlich gibt es weitere Themen, an deren Terminierung wir gerade arbeiten, etwa zu den Themen Rentenpolitik und Gesundheitspolitik.

Im Anschluss gab es einen interessanten und regen Gedankenaustausch zu aktuellen Themen und Problemen. Dabei ging es um Fragen wie: Warum gibt es in Deutschland keine Untersuchung auf resistente Keime, wenn man ins Krankenhaus kommt, wie in anderen europäischen Ländern? Gibt es überhaupt noch Demokratie, wenn Mitsprache nicht gewollt ist? DIE LINKE – was denn nun Opposition oder Regierung? Warum braucht es so viele Krankenkassen und warum sind in Deutschland Medikamente und Leistungen oft teurer als im Ausland? Welchen Themen und wie sollten wir uns im bevorstehenden Bundestagswahlkampf stellen? – Die Aufzählung könnte noch fortgeführt werden. Für unsere Arbeit ergeben sich aus der Diskussion Anregungen für Themen, die wir mit Veranstaltungen untersetzen wollen und werden, auch wenn wir vielleicht nicht alles in diesem Jahr schaffen werden. Wir waren uns einig, wir müssen mehr miteinander reden und uns treffen, nicht nur organisiert zu bestimmten Themen, sondern weil wir uns sehen und einfach miteinander reden wollen. Klasse! Das machen wir!

Es war ein gelungener Auftakt in das schon mehrere Tage alte, politisch spannende 2017. Mein Team und ich freuen sich auf das Miteinander, auf die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen und die Gespräche, die dabei entstehen. Auf geht’s! Glück Auf!

„…alle Menschen werden Brüder…“

2. Januar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

So heißt es in der Ode an die Freude, Schlusschoral der 9. Sinfonie von Beethoven, die traditionell vielerorts zum Jahreswechsel gespielt wird. In Gedanken füge ich „… und Schwestern“ an und hoffe, wie jedes Jahr, auf eine friedlichere Welt. Doch noch in der Silvesternacht wird dieser Wunsch, diese Hoffnung zerstört mit dem Anschlag in Ankara, der über 35 Todesopfer forderte. Es macht mich traurig und auch wütend, dass das neue Jahr erneut mit Gewalt und mit Opfern beginnt.

Was ich mir für 2017 wünsche? Ich wünsche mir, dass wir einander eine Chance geben uns kennenzulernen. Ich wünsche mir mehr Respekt vor- und Verständnis füreinander gleich ob mit oder ohne Beeinträchtigungen, gleich welcher Religion oder nationaler Herkunft, gleich ob arm oder reich. Ich wünsche mir, dass wir Meinungsverschiedenheiten auf der Sachebene austragen und nicht beleidigend, ja verletzend werden. Ich wünsche, dass wir Vorurteile abbauen und lernen, einander offen und  unvoreingenommen zu begegnen.

Wenn das gelingt, bleiben die Zeilen aus Schillers „Ode an die Freude“ vielleicht nicht nur ein Wunsch: „… alle Menschen werden Brüder…“. In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Freude als Verdruss und Ängste in diesem Jahr 2017!

Ja, das geschieht nicht im Selbstlauf! Wir müssen uns kümmern!