Horst Wehner

Archiv für Februar 2017

Rettungskräfte selber in Not

22. Februar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

So in etwa kann man die Situation beschreiben, in der sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK Glauchau befinden. Wochenarbeitszeiten von 48 bis 72 Stunden, Tricks bei der Umsetzung von Tarifverträgen und Drohungen gegen die Beschäftigten, wenn sie ihre Rechte einfordern, sind an der Tagesordnung. So haben etwa die elf Betriebsräte Abmahnungen erhalten, weil sie sich im Arbeitskampf befinden und mit Warnstreiks den berechtigten Forderungen der Belegschaft Nachdruck verleihen. Allein im vergangenen Jahr haben 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere aus dem Rettungsdienst den DRK Glauchau verlassen und sich beispielsweise in die Kreisverbände Zwickau und Hohenstein-Ernstthal umorientiert. Dort hat man verstanden, dass man Fachkräfte nur mit gutem Lohn und guten Arbeitsbedingungen halten kann. Mein Kollege Mirko Schultze, Sprecher für Rettungswesen, bemerkte zu recht: „Die Zeit, wo Arbeitgeber drohen konnten sich beim Arbeitsamt einfach neue Leute zu holen, ist vorbei. Fachkräfte sind Mangelware, das müssen nun auch die Arbeitgeber begreifen.“ Nun, in den Chefetagen einiger Kreisverbände des DRK ist diese Botschaft noch nicht angekommen.

Mirko Schultze mit den Streikenden

In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass jeder einzelne Kreisverband des DRK Arbeitgeber ist und Tarifverträge aushandelt. Viel besser wäre es, wenn der Landesverband Sachsen als ein Arbeitgeber fungieren würde. Das hätte nicht nur einheitliche Arbeitsbedingungen für alle DRK-Mitarbeiter zur Folge. Es wäre auch eine viel bessere Ausgangssituation im Arbeitskampf. Aktuell müssen die Belegschaften der Kreisverbände jede einzeln für ihre Rechte streiten. Das schwächt und auch die öffentliche Aufmerksamkeit beschränkt sich auf die jeweilige Region.

Wenn ich höre, dass die Kolleginnen und Kollegen bis über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten, dass die Zeiten fürs Anlegen der Arbeitskleidung nicht als Arbeitszeit akzeptiert wird und dass es auch bei der Ausstattung mit Arbeitsschutzkleidung hapert, werde ich richtig sauer. Gerade für die Rettungskräfte ist es geradezu existentiell, dass sie über funktionierende Sicherheitswesten verfügen. Diese dürfen aber höchstens 20 Mal gewaschen werden, weil sonst der Reflexionseffekt verloren gehen. Doch gerade dieser macht die Rettungskräfte am Unfallort sichtbar und schützt ihr Leben. Von den Streikenden erfuhren wir, dass in über 20 Jahren gerade mal zwei Westen ausgegeben wurden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mitarbeiter eben keine funktionierenden Westen haben oder aber sich privat um neue Westen kümmern. Ein Unding. Und betroffen sind nicht nur Rettungsassistenten usw. Betroffen von den schlechten Bedingungen sind auch die Pflegerinnen und Pfleger.

Ein Tarifvertrag, der auf den letzten Seiten so ziemlich alle Vereinbarungen zu Kann-Leistungen deklariert oder unzählige Ausschlussklauseln formuliert, ist das Papier nicht wert auf dem er steht. Gut, dass die Kolleginnen nun die Unterstützung von ver.di haben. Die Dienstleistungsgewerkschaft wird sich auch um die Abmahnungen gegen die Betriebsräte kümmern. Und wir werden schauen, welche Unterstützung wir aus Dresden heraus geben können. Denn eines ist klar: Jene, die unser Leben schützen, retten und versorgen, wenn wir Pflege brauchen, haben eine gute Bezahlung und anständige Arbeitsbedingungen verdient!

Drogenpolitik – unterwegs mit Frank Tempel in Zwickau

22. Februar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Drogenpolitik, so mag manch einer denken, bedeutet Verbote und Repressionen, wenn man mit Substanzen wie beispielsweise Cannabis erwischt wird. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie der Tag rund um das Thema Drogenpolitik mit dem drogenpolitischen Sprecher unserer Bundestagsfraktion, Frank Tempel, zeigte. Als ehemaliger Kriminalbeamter der Drogenfandung weiß er um die großen und kleinen Herausforderungen der Drogenbekämpfung auf der Straße und auch, dass die meisten Anzeigen wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Er weiß aber auch, dass selbst der Besitz einer geringen Menge Cannabis den beruflichen Werdegang eines jungen Menschen verbauen kann, noch eher er richtig begann. Wer einmal mit einer wenn auch geringen Menge Cannabis erwischt wurde, wird zukünftig in Berufen, die ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis einfordern – etwa Polizeidienst oder die Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen (mehr) – Probleme haben, überhaupt eine Chance zu bekommen.

Lageplan des Städtischen Klinikums Heinrich Braun in Zwickau

Fachgespräch im Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau – Klinik für Neurologie

Verschiedene Substanzen finden in der Medizin Anwendung. Opiate etwa sind aus der Schmerzbehandlung beispielsweise bei schweren Krebserkrankungen kaum wegzudenken. Allerdings ist ihr Einsatz in anderen Fällen der Schmerztherapie nicht ganz unbedenklich, wie wir bei unserem Fachgespräch in der Neurologie erfuhren. So gibt es in den USA erste Klagen, weil sich unter der Schmerztherapie mit Opiaten – der Bereich der Onkologie ist davon nicht betroffen – Abhängigkeiten entwickelt haben. Wir erfuhren auch, dass Cannabinoide, also Medikamente mit Wirkstoffen der Cannabispflanze, vor allem in der MS-Ambulanz (MS – Multiple Sklerose) eine große Rolle spielen. Ansonsten, gerade in der Schmerztherapie oder der Behandlung von Spastiken sehen sich unsere Gesprächspartner, Chefarzt der Neurologie, Dr. Merkelbach und Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Koch, gut mit herkömmlichen Medikamenten oder den bereits vorhandenen Cannabinoiden versorgt und sehen keinen Bedarf für den Einsatz von Cannabis als Rohprodukt. Insgesamt eine große Skepsis gegenüber Cannabis und Cannabisprodukten deutlich. Nun hat der Bundestag kürzlich wesentliche Erleichterungen für die Abgabe von Cannabis aus medizinischen Zwecken beschlossen. Hierzu gab es wichtige Hinweise, wie Ergebnisse der Behandlung mit Cannabis dokumentiert werden sollten, damit sie für wissenschaftliche Studien herangezogen werden können.

Beim Fachgespräch in der Suchtberatung der Stadtmission

Fachgespräch mit Suchtberatern und Sozialarbeitern

Station zwei führte uns in die Suchtberatung der Caritas, wo uns neben dem Leiter der Suchtberatungsstelle Wolfgang Wetzel und seiner Mitarbeiterin auch Schulsozialarbeiter Jörg Banitz (Gemeinsam Ziele erreichen e. V.) und Streetworkerin Kathrin Hannak erwarteten. In einem sehr offenen Gespräch ging es um die regionalen Herausforderungen um Christal Meth, um Formen der legalisierten aber kontrollierten Abgabe von Cannabis und die verschiedenen Modelle im internationalen Vergleich. Deutlich wurde dabei Einigkeit in zwei Thesen: Je gefährlicher eine Droge an sich ist, desto gefährlicher ist ein Verbot. Und: Drogen sind zu gefährlich, um sie einem Schwarzmarkt zu überlassen. Denn gerade dieser nur am Profit interessierte Schwarzmarkt wird alle möglichen Stoffe als Streckmittel verwenden, Hauptsache billig, ungeachtet welche Folgen allein diese Streckmittel haben können. Damit potenziert sich die Gefährlichkeit der eigentlichen Droge noch um ein Vielfaches. Außerdem weiß der Konsument nie, in welcher Dosis die eigentliche Substanz nun gerade vorliegt, was schnell zu unbeabsichtigten Überdosierungen führen kann. Mehr Personal wäre schon, sowohl in der Suchtberatung, die meist an letzter Stelle der Kette steht und die Menschen betreut, die bereits ein Suchtproblem haben, ebenso, wie die Sozialarbeiter – gleich ob sie in den Schulen oder auf der Straße unterwegs sind. Gerade Streetworker und Schulsozialarbeiter haben die Chance, mit vielfältigen Präventionsangeboten junge Menschen stark zu machen und so vor einem Abgleiten in eine Sucht zu schützen. Und manchmal wäre es gut, Kinder aus Familien mit Suchtproblemen herauszunehmen, was zunehmend daran scheitert, weil die Aufnahmekapazitäten durch die Jugendämter im Landkreis längst erschöpft sind. Am Ende des zweistündigen Gesprächs war klar, dass es rund um die Drogenpolitik viele Baustellen gerade auch um sozialen Bereich gibt, die in der Kürze der Zeit nur kurz angeschnitten werden konnten. Wir vereinbarten, wie schon beim Gespräch in der Klinik für Neurologie, uns zu einem weiteren Gespräch mit vorheriger Themeneingrenzung zu treffen. Ich freu mich schon drauf, gerade weil die Atmosphäre so offen war und ganz viele Anregungen auch für unsere parlamentarische Arbeit enthielt.

„Verbot oder Legalisierung – Wie muss eine zeitgemäße Drogenpolitik aussehen?“

So lautete der Titel der Diskussionsveranstaltung am Ende dieses interessanten und sehr informativen Tages. Und hier ging es zum Einstieg um den „lieben“ Alkohol, der beispielsweise auch in raffinierten Verpackungen lockt, verschenkt zu werden. An Alkoholmissbrauch sterben jedes Jahr über 70.000 Menschen, dennoch ist dieses Suchtmittel legal in jedem Supermarkt erhältlich. Und auch Minderjährige kommen dank älterer oder älter aussehende Gruppenmitglieder sehr leicht an Alkohol. Wie wäre also die Einrichtung von speziellen Ab-18-Bereichen in Supermärkten wie es in den Videotheken der Fall ist? Einigkeit herrschte darin, dass es eine Fehleinschätzung sei, Legalisierung brächte eine Droge in die Gesellschaft und dass die Strafverfolgung von Konsumenten nichts bringt. Es wurde auch deutlich, dass es nach einer Entzugstherapie an Anschlussbetreuung fehlt, was zu einer hohen Rückfallquote auch und gerade bei Christal Meth – Abhängigen führt.
Noch viele weitere Details über die Diskussionen und Gespräche des Tages könnte man aufführen, was dann jedoch den Rahmen hier sprengen würde. Es wird weitere Gespräche zum Thema geben und wir werden uns weiter auch im Rahmen unserer parlamentarischen Arbeit für eine vernünftige Drogenpolitik einsetzen, die sehr viel mehr beinhaltet als Suchtberatung, Entzug und Strafverfolgung.

Franz-Walter Steinmeier – vom Außenminister zum Bundespräsidenten

22. Februar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Als Außenminister hat sich der 1956 geborene Franz-Walter Steinmeier auf der internationalen Bühne einen Namen gemacht. Nun wird er in den kommenden fünf Jahren als Bundespräsident Deutschland vertreten und vor allem repräsentative Aufgaben erfüllen. Hauptaufgaben des Bundespräsidenten sind die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands sowie die Erfüllung zahlreicher formaler und protokollarisch wichtiger Aufgaben. Dazu besitzt er zwei wichtige Reservevollmachten in deren Folge er staatspolitische Aufgaben von großer Tragweite in Krisenzeiten zu übernehmen hat. Die Funktionen des Amtes sind im Grundgesetz Artikel 54 bis 61 geregelt, weitere Hintergrundinformationen zum Amt des Bundespräsidenten gibt es hier.

Sächsische Delegierte der LINKEN in der Bundesversammlung

Die Meinungen über Notwendigkeit und Wichtigkeit des Amtes des Bundespräsidenten reichen von „Wer braucht schon so einen Grüßaugust“ bis hin zu „ist wichtig und es braucht einen Menschen mit Format, Ausstrahlung und Besonnenheit, um Deutschland international angemessen zu repräsentieren“. Fakt ist, es gab nach dem zweiten Weltkrieg gute Gründe, die Funktionen von Bundeskanzler und Staatsoberhaupt zu trennen. Darüber hinaus denke ich, kann es bei den internationalen Beziehungen durchaus von Vorteil sein, wenn Gespräche auch jenseits der Tagespolitik stattfinden und Kontakte gepflegt werden.

alle Delegierte der LINKEN - Foto: Frank Schwarz

Am 12. Februar trat nun die Bundesversammlung zusammen, um einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Neben den gewählten Parlamentariern waren hierfür viele öffentliche Personen nominiert worden, darunter Sportler und Trainer wie Jogi Löw oder Künstlerinnen Olivia Jones. Sie alle stehen für die Vielfalt, für eine bunte Gesellschaft. Von vielen Anwesenden aber auch Mitarbeitern des Hauses hörte ich, dass das Erscheinen der AfD-Vertretung die sonst eher warme Atmosphäre im Bundestag verändert hat, steht doch die AfD für eine Politik der Ausgrenzung. Sehr deutliche Worte fand hierzu der Bundestagspräsident Norbert Lammert in seiner Rede. Für seine Mahnung, die Vielfalt und die Demokratie in unserem Land zu schützen und klar Position gegen jede Form von Ausgrenzung und Hetze zu beziehen, erhielt er tosenden Applaus der gesamten Bundesversammlung und der erschienenen Gäste mit Ausnahme der Vertreter der AfD. Bezeichnend, wie ich finde. Ich wünsche mir, dass die Rede von Norbert Lammert, vielen noch lange im Gedächtnis bleibt. Und ich wünsche mir vom neuen Bundespräsidenten, dem ich in seiner Aufgabe viel Erfolg wünsche, dass er öfter mal deutlich Position bezieht für Weltoffenheit und unsere demokratischen Grundwerte und gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Art von Hetze gegen Menschen, die aus den verschiedensten Gründen anders sind und nicht in das menschenverachtende Weltbild rechter Hetzer passen.

Für die einen selbstverständlich für andere unerfüllbare Hoffnung – Bezahlbares und gutes Wohnen

16. Februar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Eine Wohnung, hübsch eingerichtet, mit Küche und Bad, mit gemütlicher Couchgarnitur und einem Schlafzimmer – für die meisten ist das, in unterschiedlicher Größe und Ausführung, eine Selbstverständlichkeit. Doch immer häufiger wird es zur Herausforderung bezahlbaren Wohnraum zu finden. Nach Berlin und München wird das auch in Leipzig oder Dresden zunehmend zum Problem, während kleinere Städte und ländliche Kommunen dank Demografie und Wegzug mit Leerstand zu kämpfen haben.
Doch wie schaut das in Kirchberg und Umgebung aus? Wo liegen die Herausforderungen und für wen ist es eine besondere Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum zu finden? Um all diese Fragen drehte sich die Diskussionsveranstaltung in Kirchberg mit der wohnungspolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Caren Lay und Fraktionskollegin Sabine Zimmermann. Zuvor trafen sich die Abgeordneten zu Fachgesprächen mit der Zwickauer Wohnungsbaugesellschaft GGZ sowie Petro Richter von der Wohnungslosenhilfe der Stadtmission in Zwickau. Bei letzterem entstand dieser Beitrag in der Freien Presse.

Caren Lay und Sabine Zimmermann, beide MdB

Neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern waren auch die Vertreter der Kommunalpolitik, der kommunalen Wohnungswirtschaft, Streetworker und andere Vertreter von Vereinen und Einrichtungen eingeladen, die sich mit den Herausforderungen von Wohnraum befassen. Das führte zu interessanten Einblicken rund um das Thema Wohnungs- und Mietpolitik, die man zu Anfang so gar nicht vermutet hätte. Da sind zum Beispiel die Kommunalen Wohnungsgesellschaften. Im ländlichen Raum sind diese eher klein, die finanziellen Mittel überschaubar und Aufsichtsrat und Kommunen froh, wenn die Gesellschaft kostendeckend arbeitet und liquide ist. Große Investitionen, wie für altersgerechten oder gar barrierefreien Umbau erforderlich, sind meist nicht möglich. Und wer meint, entsprechende Förderprogramm von Bund und Land seien die Lösung, um soziale Wohnungen zu bauen, unterschätzt die Förderrichtlinien. Auch hier steckt der Teufel im Detail. Liegen die festgelegten angemessenen Kosten der Unterkunft (KdU) nämlich – wie meist – unter dem Quadratmeterpreis, der laut Förderrichtlinie als Mindestpreis festgelegt ist, taugen die so umgebauten Wohnungen nicht für den sozialen Wohnungsmarkt. Hier ist Handlungsbedarf gegeben, beispielsweise bei den Festlegungen zu den KdU. Und für den Umbau zu altersgerechten Wohnungen gibt es gar keine Zuschüsse, hierfür können lediglich Kredite beantragt werden. Die Kosten landen also letztlich beim Mieter.
Hier zeigt sich, dass der soziale Wohnungsbau in Deutschland bei weitem nicht den Stellenwert hat, der ihm gebührt. Zudem wurden in Sachsen, anders als in anderen Bundesländern, die hierfür vom Bund bereitgestellten Mittel eben nicht für den sozialen Wohnungsbau verwandt. Die Folgen werden zunehmend deutlicher und sich ab 2019 noch weiter verschärfen, wenn der soziale Wohnungsbau reine Ländersache wird.
Eine Folge der Mietenentwicklung ist die steigende Zahl derer, die ihre Wohnung verlieren und keinen neuen bezahlbaren Wohnraum finden. Wobei Wohnungslosigkeit nicht immer gleichbedeutend ist mit Obdachlosigkeit. Gerade Jugendliche kommen häufig für eine gewisse Zeit bei Freunden und Bekannten. In der Betreuung wohnungsloser Jugendlicher sieht man sich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, ließ uns etwa Streetworker Elfried Ralf Börner wissen. Bis zum 18. Lebensjahr greifen in vollem Umfang die Hilfe-Angebote der Jugendhilfe wie etwa Inobhutnahmen oder betreute Wohngruppen u.a.m. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres fallen manche Angebote weg, bzw. sind so einfach nicht mehr zu erreichen. Auch die Annahme von Hilfeleistungen durch junge Volljährige beim Amt ist mintunter gebremst. Andererseits können wohnungslose Jugendliche zwischen 18 und 21 nicht einfach in eine Obdachlosenunterkunft vermittelt werden. Hier prallen oft Welten aufeinander, für viele Jugendlichen sind diese Notunterkünfte kaum zumutbar, und werden daher immer wieder gemieden. Die Stadtmission Zwickau hat mit ihren bisherigen Wohnprojekten in Zwickau und in Werdau Nothilfen für Erwachsene ab dem 21. Lebensjahr geschaffen. Diese werden vom KSV finanziert. Bislang ist es aber schwierig gerade für die Altersklassen 18 – 21 Jahren adäquate Hilfeformen zu finden. Jetzt ist man in Einzelfällen dazu übergegangen auch diese Altersklassen ambulante Hilfen zu anbieten zu können. Es besteht allerdings ein deutlich größerer Bedarf gerade bei 18 bis 21-jährigen, sodass gerade für diese Zielgruppe ein spezifisches Hilfeangebot notwendig ist, nicht zuletzt auch, um Brüche im Ausbildungsleben zu verhindern, bzw. Neustarts zu ermöglichen. Hierzu will der Träger beim Landrats-amt einen entsprechenden Antrag stellen für ein Ambulant begleitetes Jugendwohnen für 18 – 21-jährige.

Insgesamt wurde in der Diskussion deutlich, dass drohende und bestehende Wohnungslosigkeit als eine Folge der Versäumnisse in der sozialen Wohnungsmarktpolitik in der Öffentlichkeit und ganz besonders auch in der Kommunalpolitik viel zu wenig Beachtung findet. So gab es bis vor einigen Jahren die Verpflichtung für die Kommunen, Wohnungen für Notsituationen vorzuhalten. Das wurde abgeschafft und erschwert nun die Suche nach neuen Unterkünften, um Menschen vor drohender Wohnungslosigkeit zu schützen oder sie aus der Wohnungslosigkeit herauszuführen. Den Blick gerade auch der Kommunalpolitiker zu schärfen, sei notwendig und es entstand die Idee, nicht nur in den Sozialausschüssen sondern in den Stadträten und im Kreistag jene zu hören, die sich tagtäglich mit der Problematik der Wohnungslosigkeit beschäftigen – Streetworker, Sozialarbeiter, Leiter der Wohnungslosenhilfe.
Abschließend noch ein positives Beispiel im Zusammenspiel von Kommunaler Wohnungswirtschaft und der vernünftigen Unterbringung von Menschen aus Kirchberg. In den zurückliegenden Jahren musste die kommunale Wohnungsgesellschaft regelmäßig mit Mitteln aus dem Stadthaushalt bezuschusst werden. 2016 war dies erstmals nicht nötig. Die Stadt Kirchberg hat die durch sie zu betreuenden Geflüchteten in leerstehende Wohnungen der Kommunalen Wohnungsgesellschaft untergebracht. Das fördert nicht nur die Integration der neuen Nachbarn. Es bescherte der Gesellschaft Einnahmen und entlastete den Haushalt der Kommune, die wegen diesem Zuzug keine Zuschüsse zahlen musste.

Mehr als nur ein Neujahrsempfang

6. Februar 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Für den 3. Februar 2017 hatte der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz zum Neujahrsempfang ins Rathaus eingeladen. Zu den erwarteten Gästen gehörten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kamenz, Mitglieder des Bundestages, Mitglieder des Sächsischen Landtages, Stadträte, Gewerbetreibende, Vereinsmitglieder und Kulturschaffende. Doch wer nun einen üblichen Neujahrsempfang mit den üblichen Reden und Bilanzen erwartete, wurde enttäuscht. Letztere lag als Broschüre vor. Gleichzeitig gab es für einige der Anwesenden eine besondere Überraschung.

So nutzte der Kamenzer Oberbürgermeister die Gelegenheit, das ehrenamtliche Engagement in seiner Stadt zu würdigen. Viele Aufgaben in der Stadt könnten gar nicht oder nicht in der vorhandenen Qualität erfüllt werden, gäbe es nicht vielen ehrenamtlich engagierten, die ihren unschätzbaren Beitrag dazu leisten die Stadt lebens- und liebenswert zu machen. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei so vielfältig wie das tägliche Leben. Gleich ob in Sportvereinen, in Chören, in der Senioren- und Kinderarbeit, bei der Unterstützung von Geflüchteten – überall werden ihre fleißigen Hände gebraucht. Als Dank für ihr unermüdliches Engagement wurden 20 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt für ihren besonderen Einsatz im Ehrenamt mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. Die so gewürdigten Ehrenamtlichen wirken in ihren Kirchgemeinden, in Chor oder Blasorchester, in der Suchtkrankhilfe und vielen anderen Bereichen. Ich kann mich dem Dank von Oberbürgermeister Dantz nur anschließen und allen Ehrenamtlichen auch weiter viel Freude bei ihren Aufgaben wünschen.

Persönlicher Höhepunkt für mich war die erstmalige Verleihung des Inklusionspreises in Kamenz, gestiftet vom ortsansässigen Ergotherapeuten Michael Schiewack. Den Inklusionspreis erhielten die 2. Oberschule und die Johann-Gottfried-Bönsch-Förderschule. Die Schülerinnen und Schüler organisierten in der Vergangenheit neben einem Inklusionslauf noch viele weitere inklusive Veranstaltungen immer nach dem Motto „Verschiedenheit ist normal“. Hierfür gilt ihnen Respekt und Anerkennung. Dem Stifter des Preises Michael Schiewack möchte ich auch an dieser Stelle herzlich für diese Initiative und sein Engagement danken. Möge es Schule machen!