Man muss reden, wenn man etwas erkennt, was falsch und schlecht ist!

So manch einer wird sich noch an Sätze wie „Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen! Nach all’ den Jahren der Stagnation – der geistigen, wirtschaftlichen, politischen; – den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengewäsch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit…“ und „… Macht korrumpiert und absolute Macht (…) korrumpiert absolut…“ aus seiner Rede am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexander Platz. Die Rede ist von Stefan Heym, der immer widerständig war – vor und nach dem Krieg und es auch nach der Wende blieb. „Man muss reden, wenn man etwas erkennt, das falsch und schlecht ist“, ist mehr als nur ein Zitat von Heym. Es war wohl sein Lebensmotto. Neben zahlreichen Publikationen, Reden, Interviews und Kolumnen, auch im Westen, bleibt er mit seinen Romanen in unserer Erinnerung. Besonders hervorzuheben sind wohl „Schwarzenberg“ und „Fünf Tage im Juni“.

v.r.n.l.: Franz Sodann, Peter Sodann, Annette Richter

Franz Sodann stellt aus den zahlreichen Veröffentlichungen, Reden, Interviews Textpassagen zusammen, die ein eindrucksvolles Bild seines Lebens und seines literarischen Schaffens zeichnet. In einer Szenischen Lesung mit Peter Sodann und Annette Richter, bei der Peter Sodann die Rolle Stefan Heyms einnimmt, scheinen Interviews und Textauszüge für den geneigten Zuhörer lebendig zu werden. Durch die sensible Auswahl der Texte und die empathische Lesung schien man den jeweiligen Akteuren gegenüberzusitzen.

Es war ein intensiver Abend, der neugierig machte auf die Texte Heyms aber auch darauf, sich mit der Geschichte gerade um 1989 und die Jahre danach auseinanderzusetzen. Was brachte etwa einen Menschen wie Heym dazu, 1994 gerade für die PDS für den Bundestag zu kandidieren, obgleich das DDR-Regime es ihm nicht gerade leicht machte? Warum ließen ihn die Medien Westdeutschlands nach der Wende fallen, obgleich sie den aufmüpfigen Schriftsteller der DDR in den Jahrzehnten zuvor hofiert hatten? Fragen, die unmittelbar mit unserer (ostdeutschen) Geschichte und Biografie und Erfahrungen verbunden sind und sich lohnen, auch mit einigen Jahren und Jahrzehnten Abstand erneut hervorzuholen und zu überdenken. Etwas Abstand hilft manchmal, auch auf eigene Verletzungen mit mehr Abstand und vielleicht auch mehr Objektivität zu schauen, Zusammenhänge besser zu durchblicken und eröffnet so die Chance, Lehren für die Zukunft, für kommende Generationen zu ziehen.
Herzlichen Dank an Peter und Franz Sodann und Annette Richter für die szenische Lesung. Herzlichen Dank Franz Sodann für die Auswahl der Texte und das Arrangement und für den nachdenklichen und interessanten Abend!