Kategorie: Allgemein

Wanderausstellung „Behindern verhindern – Zeit für barrierefreies Handeln“ eröffnet

Bereits im Herbst 2016 hatte das Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Frau Barbara Klepsch, die Kampagne „Behindern verhindern“, zu deren Botschaftern ich gehöre, vorgestellt. Ich berichtete hier.

Nun konnte auch endlich die zugehörige Wanderausstellung „Behindern verhindern – Zeit für barrierefreies Handeln“ im Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz offiziell vorgestellt werden. Neben Frau Staatsministerin Barbara Klepsch waren auch die Kampagnenbotschafter Stephan Pöhler (Behindertenbeauftragter der Staatsregierung), Prof. Dr. Thomas Kahlisch, (Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig), Silke Hoekstra (Geschäftsleitung Landesverband Lenenshilfe Sachsen e.V.) und Uwe Adamczyk (Vorsitzender des Kreisverbandes Zwickau im Sozialverband VdK Sachsen e.V) anwesend. Mit vor Ort waren auch Schülerinnen und Schüler einer Berufsschulklasse für Erzieher des IBB (Berufsschule). In den verschiedenen Wortmeldungen wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, dass Inklusion, also die gleichberechtigte, selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen gleich ob mit oder ohne Beeinträchtigungen, endlich in allen Bereichen unseres täglichen Lebens umgesetzt wird. Dass dies mancherorts eine Herausforderung ist, zeigt beispielsweise die Tatsache, dass im Landkreis Zwickau nur 75 der insgesamt 1500 Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖpNV) barrierefrei sind. Hier muss bis 2022 Abhilfe geschaffen werden, wie der Beirat für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Zwickau fordert.

Wie sich Einschränkungen auf unsere Wahrnehmung und Bewegungsfreiheit auswirken können, können Besucher der Ausstellung selbst erproben. Ich bin sicher, wer selbst einmal die Erfahrung gemacht hat, wie schlechtes Seh- oder Hörvermögen oder einfach auch ein gebrochenes Bein den Alltag erschweren können, wird sensibler bestehende Barrieren wahrnehmen. Ich kann jedem einen Besuch der Wanderausstellung nur wärmstens ans Herz legen und freue mich, dass sie in der Zeit vom 26. Juli bis 9. August 2018 auch im Rathaus Zwickau zu sehen sein wird.

 

Öffentliche Fraktionssitzung: Schwerpunktthema – Pflege!

In den letzten Wochen und Monaten kochte das Thema – zu Recht – in den Medien immer wieder hoch. Auslöser war ein junger Pfleger, der in einer Talkrunde Bundeskanzlerin Merkel energisch ins Gebet nahm: Zu wenig Personal, zu schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen, Gesundheitsgefährdung für Pflegende wie zu Pflegende.

Seit Jahren hört man die Klagen über zu hohe Arbeitsbelastung und zu wenig Personal, über zu geringe Wertschätzung und zu hohen Dokumentationsaufwand. Und ebenso lang hört man die Versprechungen der jeweils verantwortlichen Regierungen, man würde sich des Problems annehmen und sich kümmern. Wirklich passiert ist bisher nichts im Gegenteil, die Situation der Pflegenden spitzt sich immer weiter zu. Zu wenig Personal führt zu Überlastung und letztlich zu einem erhöhten Krankenstand, was die Personalsituation weiter verschärft. Ende des Monats gar mussten in Sachsen vier Pflegeheime einen Aufnahmestopp verhängen, weil für weitere Zupflegende die Personalkapazität in den betreffenden Einrichtungen nicht ausreicht. Und schließlich zeugen die aktuellen Auseinandersetzungen im Städtischen Klinikum Zwickau davon, dass es bei weitem nicht nur um die verheerende Personalsituation im Altenpflegebereich geht sondern auch in den  Kliniken zu wenige Krankenschwestern und Krankenpfleger für zu viele Patienten verantwortlich sind. Besonders schlimm sieht es dabei nachts aus, wenn oftmals eine Schwester für eine Station allein verantwortlich ist oder zwei Schwestern dann aber auch mal auf anderen Stationen mit aushelfen müssen. In der zdf-Doku „Kranke Pflege – Alexander Jorde kämpft für einen Neustart“ wird nicht nur  die aktuelle Situation in unseren Krankenhäusern beleuchtet, sondern auch mit einem Blick über die Landesgrenzen hinweg aufgezeigt, dass es auch anders geht.

Die wenigen hier  benannten und verlinkten Beispiele zeigen, dass es hier bei weitem nicht um Einzelfälle geht, wo die entsprechenden Klinik- oder Heimleitungen in der Personalplanung versagten. Zugrunde liegt ein systemisches Problem, welches das Gesundheitswesen in einen Wirtschaftszweig verwandelte.

All das war nun Grund genug, unsere öffentliche Fraktionssitzung in Chemnitz genau diesem Thema zu widmen und in verschiedenen Bereichen mit Pflegenden und Zupflegenden ins Gespräch zu kommen. Die Sitzung begann im Das Tietz einem Kulturzentrum in Chemnitz. Nach einer Stipvisite im Stadion des Chemnitzer Fußballclubs teilte sich die Fraktion in vier Gruppen, um im Klinikum, dem Alternativen Jugendzentrum, der SFZ Förderzentrum gGmbH und dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik mit Beschäftigten und Leitungsmitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Ich gehörte zur Gruppe, die die SFZ Förderzentrum gGmbH besuchte. Hier leben, arbeiten und lernen überwiegend Menschen mit Sehbehinderungen. Die beiden Geschäftsführer Dirk Glowka und Axel Brückomw informierten über das Aufgabenspektrum des SFZ – und seiner verschiedenen Bereiche.. Beeindruckend was hier gleistet wird. Fasziniert haben mich die Begegnungen in der Werkstatt des SFZ. Solche öffentlichen Fraktionssitzungen bereichern die Arbeit der Fraktion.

Abgerundet wurde der Tag in Chemnitz durch das öffentliche Fachgespräch zum Thema „Ist die Pflege noch zu retten?“ Als Resümee des Tages erklärte meine Fraktionskollegin und Sprecherin für Gesundheits- und Sozialpolitik, Susanne Schaper in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit Fraktionsvorsitzenden Rico Gebhardt: „„Es ist eine dreist-naive Ansicht, die Probleme in der Pflege würden verschwinden, wenn man nicht mehr darüber spricht. Unser Besuch des Klinikums und das Gespräch mit Betroffenen zeigen uns erneut: Das Pflegesystem ist krank, nicht nur infolge der von CDU-Minister Blüm betriebenen Pflegereformen, die es dem Markt ausgeliefert haben. Der Pflegenotstand wächst, auch weil immer mehr Menschen pflegebedürftig sein werden. Die Ankündigung aus Berlin, 8.000 neue Pflegestellen zu schaffen, ist lächerlich. Ein Neustart ist überfällig. Ministerpräsident Kretschmer ist im Kampf um bessere Pflege allerdings kein Partner für die Beschäftigten, pflegende Angehörige und Gepflegte, denn er hat für sie bisher nur warme Worte übrig…“ Dem kann ich mich nur anschließen. Die Politik muss schleunigst handeln und selbstverständlich sind auch die in der Pflege Beschäftigten in ihren berechtigten Forderungen zu unterstützen, die viel zu oft aus falsch verstandenem Pflichtbewusstsein die Grenzen ihrer mentalen und körperlichen Kräfte überschreiten, statt laut und deutlich gegen die Zustände zu protestieren und in Arbeitskampfmaßnahmen um bessere Arbeitsbedingungen zu treten.

 

Ungehindert Miteinander – eine Neujahrsbegegnung

Zu Beginn eines jeden Jahres häufen sie sich, die Neujahrsempfänge und Jahresauftakte. Und meist kann man die zahlreichen Einladungen gar nicht alle wahrnehmen, weil man halt nicht gleichzeitig an zwei oder mehr Orten sein kann.

Eine besondere Veranstaltung im Rahmen dieser Jahresauftakte war die Neujahrsbegegnung mit Ministerpräsident Kretschmer unter dem Motto „Ungehindert Miteinander!“  Zu den rund 900 geladenen Gästen gehörten Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft und, allen voran, natürlich die Vertreterinnen und Vertreter der Behindertenverbände, der Selbsthilfegruppen sowie der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Ministerpräsident Kretschmer, der zu diesem besonderen Neujahrsempfang geladen hatte, sagte unter anderem: „Die Stärken und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranken nutzen, sie in die Gestaltung der Zukunft des Freistaates, in den Arbeitsmarkt und in das gesellschaftliche Miteinander einbeziehen ist eine Aufgabe, der sich alle stellen müssen… Der Freistaat wird dazu die Voraussetzungen schaffen und setzt dabei auf die aktive Mithilfe der Vereine, Verbände und der unmittelbar Betroffenen…“

Diesem Apell trug dann auch das Bühnenprogramm Rechnung, welches von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gestaltet wurde. Zu den Akteuren auf der Bühne gehörten einmal mehr die „Happy Drummers“ der Lebenshilfe Dresden sowie der Gebärdenchor des Berufsbildungswerkes für Hör- und Sprachgeschädigte Leipzig. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt wie es dem Gebärdenchor gelingt, mit den verschiedensten Gesten und Mimik nicht nur die Worte eines Liedes sondern gerade auch die Melodie von Songs auch für taube Menschen erlebbar zu machen. Ich finde das eine beachtliche Leistung, die für viel Gespür für Melodie und Rhythmus spricht.

Ganz persönlich hat mich gefreut, dass ich gemeinsam mit meiner Tanzpartnerin am Bühnenprogramm mitwirken konnte. Lange war das nicht sicher. Doch war gerade dieser Termin auch Ansporn für mich und Etappenziel, wieder auf die Reifen zu kommen. Gleichzeitig möchte ich damit aber auch anderen, die durch Unfall oder Schlaganfall Beeinträchtigungen erfahren haben, Mut machen, nicht aufzugeben. Auch wenn es manchmal schwer und auch sehr frustrierend ist, wenn es nicht so vorwärts geht, wie man es sich selber wünscht oder auch abverlangt, es lohnt sich dran zu bleiben. In diesem Sinne wünsche ich uns allen den Mut und die Kraft auch in diesem Jahr für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) zu streiten. Möglichkeiten gibt es dazu jeden Tag reichlich und natürlich wird es auch Veranstaltungen dazu geben. Uns allen dabei viel Erfolg und eine gute Gesundheit!

 

Danke, Elke Herrmann!

Wir beide zogen 2004 über unsere jeweiligen Landeslisten in den Sächsischen Landtag ein.  Wir beide engagierten uns an verschiedenen Stellen für jene Menschen, die in unserer Gesellschaft keine Lobby haben, die sozial am Rande stehen und doppelt zu kämpfen haben. In Elke Herrmann traf ich im Landtag auf eine Kämpferin und eine Partnerin, mit der so manches gemeinsam und über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg auf den Weg gebracht werden konnte. Ich schätzte ihre geradlinige Art sehr. Und dazu gehörte auch  klar zu sagen, wenn sie etwas nicht mittragen konnte. Gerade diese Ehrlichkeit mochte ich  und machte ihre Verlässlichkeit aus. Sie war eine Kämpferin, immer für andere im Einsatz und dabei auch oft der Zeit voraus etwa mit ihrem Einsatz für eine humane Flüchtlings- und Asylpolitik lange bevor die Flüchtlingsströme uns erreichten. Und sie kämpfte wie wenige darum, dass die Staatsregierung ihre Augen nicht vor dem zunehmenden Crystalkonsum verschloss sondern 2014 endlich einen 10-Punkte-Plan auf den Weg brachte. Im Ringen um mehr soziale Gerechtigkeit hat sie viele Kämpfe gefochten und so manchen kleinen und großen Sieg errungen. Ihren wichtigsten und schwersten Kampf hat sie leider verloren. Kurz vor Weihnachten erfuhr ich wie meine Landtagskollegen vom Ableben  Elke Herrmanns nach langer schwerer Krankheit. Und ein wenig tröstet es doch zu wissen, dass ihr Glauben ihr für diesen letzten Kampf die nötige Zuversicht und Kraft gab. Meine Gedanken gelten ihren Angehörigen, Freunden und Weggefährten. Ihnen wünsche ich viel Kraft für die Zeit der Trauer. Vergessen werden wir, die wir sie kennenlernen durften, nicht. Machs gut, Elke und danke, dass auch ich ein Stück des Weges mit Dir gemeinsam gehen durfte.

Der Geist der Weihnacht

Wir leben in einem christlich geprägten Land und doch werden die wenigsten wissen, welche Bedeutung die vier Adventsonntage für Christen haben. Viele werden nicht einmal wissen, dass mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt. Und schaut man sich in der bunten Welt des Konsums und der Werbung um, so scheint von der eigentlichen Bedeutung der Zeit der Besinnung wahrlich nicht mehr viel übrig zu sein. Wir hetzen durch den Alltag und haben im Hinterkopf die Termine zu Weihnachten, wen man mit welchen Geschenken wie am besten beeindrucken kann oder was man für die perfekte Feier mit manchmal auch eher ungeliebten Verwandten noch alles braucht. Höher, schneller, weiter scheint auch zu Weihnachten wichtigste Regel zu sein. Zeit zur Besinnung, für Freunde und Familie, für Menschen die einem besonders wichtig sind aber auch der Blick auf jene, denen es nicht so gut geht, für die die Weihnachtsfeiertage schon aus wirtschaftlicher Sicht eine Herausforderung sind, gehen in dieser lauten, bunten  und hektischen Welt viel zu oft verloren.

Die fertigen Beutel mit Nikolaus und einer kleinen Botschaf

Wie schon im Vorjahr wollten wir auch in diesem Jahr auf den Wochenmärkten in Wilkau-Haßlau und Kirchberg mit kleinen Schokoweihnachtsmännern ein klein wenig Weihnachtsstimmung verbreiten, den Menschen ein kleines Lächeln entlocken oder auch ein klein wenig Mut machen in nicht ganz so guten Zeiten. Wieder trafen wir auf viel Erstaunen, freudige Erwiderung unserer Weihnachtswünsche aber auch auf die nachdenklich machenden Geschichten. Die alte Dame etwa, die kürzlich ihren Mann verlor und eigentlich gar kein Weihnachten feiern wollte und nun wohl doch mit Sohn und Enkel die Tage verbringen wird; oder die junge Mutter die ihren beiden kleinen Kindern eben nichts zum Nikolaus schenken konnte und kaum einen Ton raus brachte. Die Kinder winkten uns noch hinterher, da waren wir rund 100 Meter weit entfernt. Solche Momente berühren und zeigen, wie viel selbst kleine  Gesten bewirken können.

Elfried Börner, Streetworker der Stadtmission Zwickau und Simone Hock aus meinem Kirchberger Büro bei der Scheckübergabe

Eines war dann doch anders an unserer Nikolaustour. Im Februar hatten wir im Rahmen der Wohnungs- und Mietentour von MdB Caren Lay auch die Arbeit der Wohnungsnothilfe der Stadtmission kennengelernt und bei unserer Abendveranstaltung durch den Streetworker Elfried Börner zudem erfahren, wie kompliziert die Situation der Wohnungslosigkeit gerade für Jugendliche ist. Wir berichteten hier. Neben wohnungslosen Jugendlichen sind die Streetworker auch an Schulen unterwegs und betreuen viele soziale Projekte im Landkreis. Klar, dass wir da den Helfern helfen wollten, „ihren“ Kindern ein wenig Weihnachtsfreude zu bereiten. Also brachte meine Mitarbeiterin vom Kirchberger Büro 60 Schokoweihnachtsmänner vorbei. Die Überraschung war gelungen und wurde noch größer, als wir heute noch einen Spendenscheck über 200 Euro aus dem Spendentopf meiner Fraktion überreichen konnten. Die Arbeit, die sowohl die Streetworker als auch die Wohnungsnothilfe der Stadtmission Zwickau im Landkreis leisten, ist nicht hoch genug zu schätzen. Im Zusammenspiel auch mit den entsprechenden Behörden konnte gerade verhindert werden, dass eine sechsköpfige Familie in Wohnungsnot gerät. Herzenssache, dass wir hier mit unterstützen. Wer mehr  über die Stadtmission und ihre Arbeit im Allgemeinen oder die Arbeit der Streetworker und der Wohnungsnothilfe im Besonderen erfahren will, findet auf der Homepage die nötigen Informationen.  Und wer die Arbeit ebenfalls mit einer Spende unterstützen will, findet hier die entsprechende Bankverbindung und kann im Verwendungszweck den Bereich benennen, der unterstützt werden soll.

Der Geist der Weihnacht: schenken von Herzen – manchmal auch einfach nur Zeit und Aufmerksamkeit, jenen geben, die es nötig haben und Helfern helfen anderen zu helfen. In diesem Sinne wünschen ich und mein Team Ihnen allen eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit!