Horst Wehner

Allgemein

Komm mit: Inklusiv leben und lernen – was heißt das eigentlich?

6. Mai 2017  |  Abgelegt in Allgemein

So lautete der Titel der Abendveranstaltung am 4. Mai 2017 im Rahmen der Tage für Demokratie und Toleranz im Schützenhaus in Wilkau-Haßlau. Schon das Objekt selber zeigte, dass Barrierefreiheit und die Möglichkeiten der Inklusion schnell an Grenzen stoßen können. Das Schützenhaus ist barrierefrei erreichbar und auch der Gastraum ist zumindest teilweise für Rollstuhlfahrer geeignet. Auch eine behindertengerechte Toilette ist vorhanden, hat allerdings Einschränkungen. Mit einem E-Rollstuhl ist sie nicht nutzbar und auch mit einem kleineren Rollstuhl muss man sich auf engstem Raum bewegen können. Günstig ist das nicht und eben nicht für alle geeignet. Und wer glaubt, im Hotel gleich mit übernachten zu können, wird enttäuscht, soweit er auf einen Fahrstuhl angewiesen ist, um in die Zimmer in den höher gelegenen Etagen zu gelangen. Wirkliche Alternativen gibt es jedoch in Wilkau-Haßlau nicht und in Sachen Gastlichkeit und Qualität der Küche gibt es nichts zu meckern. In Sachen Barrierefreiheit jedoch ist noch Luft nach oben, obgleich das augenscheinlich Mögliche getan wurde. Insgesamt jedoch ist im Ländlichen Raum und in Wilkau-Haßlau im Besonderen noch viel zu tun auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft.

Die Diskussion selber entwickelte sich mit Blick auf die Anwesenden zum Fachgespräch, hatten doch alle in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema Barrierefreiheit und Inklusion zu tun. Die Berichte aus dem eigenen Arbeitsumfeld mit konkreten Beispielen im Positiven wie weniger Positiven ergaben einen interessanten Erfahrungsaustausch mit gegenseitigen Hinweisen zu Hilfsmöglichkeiten, Ansprechpartnern und vieles mehr. Und so danke ich herzlich für die gewährten Einblicke und wünsche allen weiterhin viel Erfolg bei der täglichen Arbeit.

Inklusiv Lernen – Herausforderungen und Erfolge an der Dittes-Grundschule in Wilkau-Haßlau

6. Mai 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Am Vortag des europaweiten Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ging es auch bei unserem Vor-Ort-Termin um Inklusion. Inklusiv Lernen soll für alle Kinder möglich sein, so das erklärte Ziel. Doch geht das so einfach? Wo liegen die Herausforderungen und Probleme aber auch die Chancen?

vor Beginn des Rundgangs im Hof der Schule

Die Dittes-Grundschule in Wilkau-Haßlau gewährte uns einen Blick hinter die Kulissen. Dabei zeigte uns Direktorin Frau Martin nicht nur die Rosinen sondern verwies ganz bewusst und konkret auch auf die Dinge, die nicht so toll sind und wo Veränderungen wünschenswert sind. 150 Schülerinnen und Schüler besuchen die Dittes-Grundschule, darunter 12 mit besonderem Förderbedarf, eine Schülerin davon ist körperbehindert. Eines vorweg: bestehende Schulen, Gebäude barrierefrei umzubauen, ist immer eine besondere Herausforderung, entscheidet doch die Statik des Gebäudes darüber, was wie möglich ist. Das wurde auch in der Dittes-Schule deutlich.

Das Treppenhaus

Ein großes, helles Treppenhaus ist nur auf den ersten Blick perfekt für den Schulbetrieb. Denn Möglichkeiten für den Einbau eines Fahrstuhles bietet es nicht. Hier musste mit einiger Fantasie und Kompromissbereitschaft eine andere Lösung gefunden werden. Nun sind zwar alle Etagen mit dem Fahrstuhl erreichbar, allerdings nur über den Hintereingang der Schule. Das entspricht nicht den eigentlichen Zielen von Inklusion, ist aber im konkreten Fall nicht anders möglich. Viel schwieriger ist die Tatsache, dass die Turnhalle vom Schulgebäude aus nur über Treppen erreicht werden kann. Hier muss dringend eine Lösung geschaffen werden, denn dass die Assistenz der körperbehinderten Schülerin diese zum Sportunterricht in die Turnhalle tragen muss, ist auf Dauer nicht zumutbar. Zwar gibt es einen barrierefreien Zugang zur Turnhalle von Außen, jedoch gilt es dann wieder Stufen zu den Umkleidekabinen zu überwinden. Hier braucht es also dringend eine andere Lösung. Dieses gilt ebenso für den Schulhort direkt gegenüber der Grundschule. Dieser ist auf Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen überhaupt nicht eingerichtet. Damit hat die betreffende Schülerin nicht die Möglichkeit, nach der Schule mit ihren Freundinnen und Freunden aus der Schule zu spielen und die Hausaufgaben zu machen. Das ist schade, denn die Kleine ist sehr aufgeweckt und möchte auch selber alles tun, was die anderen auch tun und einfach mittendrin sein.

Das Musikzimmer mit vielen Möglichkeiten für die Kinder und Erweiterung zur Schulaula

Andere Probleme, die Frau Martin benannte, dürften sich an den meisten sächsischen Schulen aller Stufen wiederfinden. So sind derzeitig drei Lehrerinnen längerfristig krank, Vertretungslehrer gibt es jedoch nicht. Das hat zur Folge, dass eine Teilzeitkraft und auch die Direktorin und selbstredend auch die anderen Kolleginnen und Kollegen nun die Stunden mit übernehmen, eine Doppelbelastung für alle. Erschwerend kommt hinzu, dass eine der Erkrankten Klassenlehrerin einer ersten Klasse ist – eine schwierige Situation für Eltern, SchülerInnen und Lehrerkollektiv gleichermaßen. Dazu wird nächstes Jahr eine Lehrerin in Rente gehen, doch auch hier ist Ersatz nicht in Sicht. Denn die nächsten Absolventen gibt es erst im übernächsten Jahr. Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten und Quereinsteiger alleine werden es nicht richten können. Einen Wunsch wollte Frau Martin noch äußern. Das neue Schulgesetz sieht ja Schulsozialarbeiter vor, allerdings erst ab den höheren Stufen. Sie wünscht sich Schulsozialarbeiter an allen Schulen, also auch an den Grundschulen. Denn auch hier gibt es Familien, die aus unterschiedlichen Gründen Hilfestellungen bedürfen.

Im Klassenzimmer - der Tisch wächst mit

Insgesamt hat mich der Besuch in der Dittes-Grundschule sehr beeindruckt. Alle Klassen sind mit Beamer, Laptop und interaktiven Tafeln ausgestattet – hier fehlt aktuell eine Wartungsfirma – auf jeder Etage gibt es ein behindertengerechte Toilette und bei der Gestaltung von Schulgebäude und Außenanlage wird überall das große Engagement von Lehrkräften wie Eltern gleichermaßen sichtbar. Beeindruckend auch, wohl sich die Schülerin, die uns während unseres Besuches begleitete und durchs Haus führte, in ihrer Grundschule fühlt. Hier zeigt sich, wie wichtig integratives Lernen ist und wie Kinder mit uns auch ohne Beeinträchtigungen voneinander lernen und profitieren können. Herzlichen Dank für den Einblick und weiter viel Erfolg!

Geboren um zu leben – geblieben um zu reden

24. April 2017  |  Abgelegt in Allgemein

So in etwa könnte man mit acht Worten beschreiben, was das Leben von Justin Sonder ausmacht. Geboren vor über 91 Jahren in Chemnitz, kehrte er nach dem Krieg in seine Geburtsstadt Chemnitz zurück. Nicht jeder seiner früheren Weggefährten konnte diesen Schritt damals verstehen. Doch was ist so besonders daran, dass es ihm nun die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt einbrachte?

Foto: Susanne Scharper

Justin Sonder wurde 1825 in Chemnitz geboren. 1941 beendete er die Schule. Die anknüpfende Kochlehre konnte er jedoch nicht fortsetzen, da er noch im gleichen Jahr zur Zwangsarbeit eingeteilt wurde. Als Jude hatte er schon in dieser Zeit mit den Rassegesetzen zu kämpfen, die die Nazis gegen die Juden erlassen hatten. Bestimmte Berufe waren tabu, Bänke in den Parks durften sie nicht benutzen und vieles mehr schränkte das Leben stark ein. Doch am schlimmsten war die tägliche Angst, ebenso wie bereits Tausende und Abertausende Jüdinnen und Juden vor ihm verschleppt und in den Konzentrationslagern ermordet zu werden. 1943 wurde er deportiert und landete im Konzentration Auschwitz, Überlebende waren hier eigentlich nicht vorgesehen. Wer noch arbeiten konnte, wurde zu dieser gezwungen. Alle anderen gingen unmittelbar nach ihrer Ankunft ins Gas. Nur wenige Menschen haben die Hölle von Auschwitz überlebt, Justin Sander war und ist einer von ihnen. Nach der Befreiung des KZ Auschwitz war Justin Sander einer von ganz wenigen, die zurück in ihre Geburts- und Heimatstädte in Deutschland gingen. „Was willst Du in diesem Mörderland“ wurde er von einem französischen Freund gefragt, dessen Einladung mit nach Frankreich zu gehen, er ablehnte.

Foto: Susanne Scharper

Er blieb. Er blieb in Deutschland, dem Land, das über 6 Millionen Jüdinnen und Juden in eine grausamen Tod schickte. Er blieb, um zu reden. Er blieb, um nachfolgenden Generationen zu erzählen, wie das war, als die Faschisten an die Macht kamen, als Juden nur noch Menschen zweiter Klasse waren, weniger wert als Vieh. Er erzählte, wie es war, wenn immer mehr Bekannte, Freunde, mit denen er zur Schule ging, verschwanden und nie wiederkehrten, von der Angst eines Tages selbst dazuzugehören und der Ungewissheit, was mit Freunden und Angehörigen passiert war. Er erzählte und erzählt bis heute wie der KZ-Alltag war und auch über das Gefühl, am Leben zu bleiben. Wie es ist, als einer von wenigen den industriellen Massenmord an den Jüdinnen und Juden, den Holocaust zu überleben, kann wohl keiner von uns wirklich nachvollziehen geschweige denn begreifen. Für Justin Sander war es Auftrag und Verpflichtung, sein Wissen, seine Erfahrung an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Nur wenn nachfolgende Generationen um die Gräuel aber und gerade auch um die Entstehung der faschistischen Diktatur wissen, können sie aus der Geschichte für die Zukunft lernen. Über das dunkelte Kapitel Deutscher Geschichte von einem zu hören, der es selber er- und überlebt hat, ist etwas anderes, als es aus Büchern oder Filmen zu erfahren.

Foto: Susanne Scharper

Justin Sonder hat in mehr als 500 Veranstaltungen insbesondere vor Schulklassen jenen ein Gesicht gegeben, die sich hinter der kaum vorstellbaren Zahl von 6 Millionen verbirgt. „Er habe sie durch die Zeiten getragen“ sagte Laudator Christoph Heubner, der geschäftsführende Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Kommitees, und hielt so die Erinnerung an sie wach.  Dafür gebührt ihm allerhöchster Respekt. Und dieser wurde ihm im Festakt zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Chemnitz, seiner Geburtsstadt, zuteil. Sander selbst sagte: „Was ich als junger Mensch erleben musste, darf nie wieder geschehen!“ – In diesem Sinne lasst uns weiter und immer und überall für ein solidarisches Miteinander über Länder-, Partei- und Konfessionsgrenzen hinaus streiten! Justin Sander wünsche ich auch weiterhin allerbeste Gesundheit und viel Kraft und Freude im Kreise seiner großartigen Familie und im Kreise all jener, die ihm zur Seite stehen und Weggefährten wurden und sind!

“Kommunale Daseinsvorsorge aus der Perspektive älterer Menschen”

11. April 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Unter diesem Thema stand die am 08.04.2017 in Glauchau stattgefundene Landessenior*innen Konferenz zu der die Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag eingeladen hatte.

Rico Gebhardt Fraktionsvorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag eröffnete die Konferenz und wies eindrücklich darauf hin , dass besonders für ältere Menschen die lokalen und sozialen Bedingungen vor Ort eine besondere Bedeutung haben. Unsere Menschen werden nicht nur älter, sie bleiben auch länger gesund und  fit. Die Lebenslagen und Lebensbedingungen sind in Sachsen unterschiedlich entsprechend muss die Politik reagieren.

Im Podium von links nach rechts: Rico Gebhardt, Simone Lüdtke, Susanne Schaper und Jörn Wunderlich

Der stellvertretende Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Glauchau, Andreas Salzwedel, betonte in seinem Grußwort, dass es in Sachsen mittlerweile 1 Millionen Bürgerinnen und Bürger leben, die 65 Jahre und älter sind. Deshalb gibt es nicht nur einen aktuellen Anlass über das Älterwerden in der Gesellschaft zu reden sondern vor allem über die Aufgaben, die in den unterschiedlichsten Bereichen von Gesellschaft, Staat und Politik damit verbunden und zu lösen sind.

Andreas Salzwedel, Stellvertretender Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Glauchau

Glauchau hat viel Potential und in den letzten Jahren wurde auch viel Neues geschaffen – was das Leben aller Generationen lebenswert macht. Hinsichtlich der kommunalen Verantwortung wies er darauf hin,  wenn man in der Kommunalpolitik tätig ist,  hat man die Bürgerin oder den Bürger mit seinem Anliegen immer vor oder hinter sich und das Ergebnis der Arbeit ist meist unmittelbar sichtbar. Ein Ausweichen geht nicht! Aber es gibt natürlich wie überall auch Probleme: Glauchau hat viel leerstehenden Wohnraum – aber zu wenig altersgerechte und barrierefreie Wohnungen. Immer mehr ziehen sich ÖPNV, Krankenversicherungen, Banken aber auch staatliche Einrichtungen und andere Einrichtungen aus der Fläche zurück. Davon sind besonders ältere Menschen betroffen und ihnen geht damit ganzes Stück Lebensqualität verloren. Deshalb ist die Aufgabe der Kommunen die Rahmenbedingungen zu schaffen damit die älteren Menschen selbstbestimmt ihre Lebenserfahrung in die gesellschaftliche Entwicklung einbringen können.

Im November 2016 wurde dem Bundestag nach heftigen und langem Drängen der Opposition durch die Bundesregierung der 7. Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt. Dieser stellt in dieser Legislatur die Sorge und die Mitverantwortung in der Kommune und damit den Aufbau und die Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften in den Mittelpunkt der Untersuchungen.

Dazu sprach das Mitglied des Deutschen Bundestages, Jörn Wunderlich, parlamentarischer Geschäftsführer und Senioren- und Familienpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE.  Er machte deutlich, dass die neue Generation der Seniorinnen und Senioren sich von ihren Vorgängergenerationen deutlich unterscheidet – sie sind mobiler, sozial gut vernetzt, gesundheitlich und geistig fit und eine wichtige Stütze für die Familien und die Gesellschaft. Der ausgeprägte Wunsch der älteren Menschen ist es ein selbstbestimmtes und aktives Leben so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Und nirgendwo zeigen sich die demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen so deutlich, wie in den Kommunen, dort, wo Menschen wohnen, arbeiten und zusammenleben.

Mitglied des Deutschen Bundestages Jörn Wunderlich

Im 7. Altenbericht werden die Kommunen aufgefordert passgenaue Strukturen seniorengerecht auszubauen und zu entwickeln, um den älteren Menschen attraktive Lebensumfelder und Rahmenbedingungen für die Gewährleistung von Individualität, Selbstbestimmung und Lebensqualität zu bieten. In den Handlungsempfehlungen der Sachverständigen zum Bericht werden der Bund sowie die Länder aufgefordert, den Kommunen mehr Mitbestimmung einzuräumen. Dazu brauchen aus Sicht der LINKEN die Kommunen finanzielle Stabilität und Planungssicherheit. Qualitative Versorgungssicherheit darf nicht durch finanzielle Argumente in Frage gestellt werden. Es bedarf eines politischen Willens , weil für den Erfolg einer emanzipatorischen Seniorenpolitik engagierte Menschen entscheidend sind.

Simone Luedtke, seit 2008 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Borna mit dem Mandat für DIE LINKE, widmete sich in ihren Ausführungen zu dem Thema: “Alternde Gesellschaft in den Kommunen des ländlichen Raumes gemeinschaftlich gestalten”. Sie machte in ihren Ausführungen deutlich, dass 83 % der Sachsen im ländlichen Raum leben und ein großer Teil von ihnen 65 Jahre und älter ist. Zur  Meisterung dieser Herausforderung gehört ein aktiver Gestaltungswille aller Verantwortungsträger. Die gegenwärtige Entwicklungstendenz zeigt aber eine gegengesetzte und gefährliche Richtung: Dort wo die Anzahl der älteren Menschen steigt – sinken soziale Bedingungen und die soziale Infrastruktur. Damit verbunden ist eine “Landflucht” auch älterer Menschen in die umliegenden Städte und damit das Aussterben ganzer Ortschaften vorprogrammiert. Eigentlich aber möchte die ältere Generation aber so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung und zu Hause leben. Um dies zu sichern wäre ein Förderprogramm zum ländlichen Wohnen im Alter dringend erforderlich.

Simone Luedtke, Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Borna

Susanne Schaper, Mitglied des Sächsischen Landtages und Stadträtin in Chemnitz  sprach aus der Sicht der Lebensqualität in deiner alternden Stadtgesellschaft. Auch die Großstädte sind von einer zunehmenden Alterung ihrer Menschen betroffen. Und die Bedürfnisse und Wünsche sind nicht von denen im ländlichen Raum zu unterscheiden. Auch in der Stadt ist die Frage des barrierefreien Wohnraumes, einer funktionierenden Infrastruktur, ein barrierefreier ÖPNV, erreichbare Begegnungsstätten und Zugang zur gesundheitlichen Versorgung eine zentrale Frage.

Susanne Schaper, Mitglied des Sächsischen Landtages

Was nicht zu unterschätzen ist – 80 % des Ehrenamtes wird von der Ü-60-Generation ausgeübt. Ein Potential das es zu erhalten gilt.

In der Diskussion mit den anwesenden Seniorinnen und Senioren wurde die u.a. Frage gestellt: Ist die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen für alle und überall noch realistisch oder gilt es zumindest Mindeststandards zu sichern und Sorge zu tragen, dass die vorhandene Infrastruktur erhalten bleibt. Auch der Wunsch nach Hausärzten die auch Hausbesuche machen wurde mehrfach geäußert und Forderung nach Änderung  des bisherigen System der Bedarfsplanung von Ärzten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte Elke Köhler, seit 1994 hauptamtliche Senioren- und Behindertenbeauftragte der Großen Kreisstadt Glauchau ihre Arbeit und die des Seniorenbeirates vor.

1999 wurde anläßlich des “Internationalen Jahres der Senioren” in Glauchau ein Seniorenbeirat, der aus 10 Senioren der Stadt Glauchau und 2 Stadträten besteht, zu ihrer Unterstützung aber auch zur Unterstützung der Arbeit des Oberbürgermeisters und des Stadtrates, ins Leben gerufen. Seit 1994 gibt es jährlich im Monat Mai die “Glauchauer Seniorentage” in denen über 3 Wochen unterschiedliche Aktivitäten und Veranstaltungen für ältere Menschen angeboten und zahlreich genutzt werden. Seit 2008 wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Galuchau und dem Seniorenbeirat ein Seniorenwegweiser herausgegeben.

rechts neben mir: Elke Köhler, Senioren- und Behindertenbeauftragte der Großen Kreisstadt Glauchauz

In Zusammenarbeit mit der Bertelsmannstiftung  wurde 2003 im Rahmen des Programms “Neues Altern in der Stadt” ein Leitbild “Dialog der Generationen” für die Seniorenarbeit in der Stadt Glauchau entwickelt, nach dem sich auch nach wie vor die Seniorenarbeit in der Stadt gestaltet.

Ich bedanke mich allen Referentinnen und Referenten und den Podiumsgästen für ihre interessanten Beitrage und Hinweise sowie bei allen anwesenden Seniorenvertreter*innen für die angeregte Diskussion. Danke an das Vorbereitungsteam und die Mitarbeiter*innen des “Deutschen Hauses” für ihren hervorragenden Service.

Schuldnerberatung, Seniorenbüro, Rente – ein spannender Tag ganz nah am Menschen

5. April 2017  |  Abgelegt in Allgemein

Gemeinsam mit Susanna Karawanskij war Sabine Zimmermann am 4. April in Zwickau unterwegs, verschiedene Stationen standen auf dem Plan. Doch gleich der erste Tagesordnungspunkt fiel buchstäblich ins Wasser. Bei strömendem Regen war an eine öffentliche Bürgersprechstunde auf dem Kirchberger Wochenmarkt leider nicht zu denken.

Susanna Karawanskij, Sabine Zimmermann (beide MdB), Sandro Tröger, Andreas Schäfer und Frau Müller

Die nächsten Stationen fanden dann allesamt im trockenen und in sehr angenehmer Atmosphäre statt. Zunächst ging es zur Schuldnerberatung der Caritas. Herr Schäfer, der Leiter,und seine Mitarbeiterin Frau Müller informierten über ihre tägliche Arbeit. Wir erfuhren: Im Jahre 2016 suchten 1230 Menschen Rat und Hilfe, um ihre finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei betreut die Caritas sowohl Kurzzeitfälle, denen mit wenigen Gesprächen geholfen werden kann, als auch Langzeitfälle. Diese erhalten umfassende und langfristige Unterstützung bei der Bewältigung der Schulden, teils bis zum Privatinsolvenzverfahren und Hilfestellung zur Vermeidung erneuter Schulden. Doch auch die Vermittlung zu weiteren Hilfsangeboten etwa der Suchthilfe aber auch der Wohnungsnothilfe und anderen Angeboten ist Teil der Arbeit. Verkompliziert wird diese jedoch durch rechtliche Vorgaben, die etwa die Erteilung von Beratungsscheinen durch entsprechende Behörden zu Kannleistungen reduziert. So erhalten etwa Arbeitslosengeld I-Bezieher, die zusätzlich ALG II beziehen aber seit 1. Januar der Arbeitsagentur zugeordnet sind, keinen Beratungsschein mehr. Eine Krux, die die Beratungsstelle immer wieder vor Herausforderungen stellt, sollen doch die Hilfesuchenden nicht darunter leiden, dass Schuldnerberatung noch immer keine feste Leistung des Sozialgesetzbuches ist. Hier ist die Politik gefragt und wir werden das entsprechend transportieren.

im Seniorenbüro des Vereins Aktiv ab 50 e. V.

Auf ebenso engagierte jedoch in anderem Bereich tätige Menschen trafen wir im Seniorenbüro des Vereins Aktiv ab 50 E. V. Die Vereinsvorsitzende und gleichzeitig 2. Sprecherin der Seniorenvertretung in Zwickau, Kathrin Fiebig sowie Christiane Tröger von der Seniorenvertretung informierten über ihre vielfältigen Aufgaben, Angebote aber auch Herausforderungen. So bemängelte etwa Christiane Tröger, dass die Seniorenvertretung in keinem weiteren Gremium der Kommune vertreten sei. Vorlagen an den Stadtrat würden leider nicht zur Stellungnahme zur Verfügung gestellt werden. Die direkte Einflussnahme auf kommunale Entscheidungen aus Sicht der Seniorinnen und Senioren sei damit sehr eingeschränkt. Ganz anders gelagert seien die Herausforderungen für den Verein Aktiv ab 50 e. V., der ein vielfältiges Angebot aus den Bereichen Bewegung/Sport, Weiterbildung, Geselligkeit, Ausflüge Demenzbegleitung und vieles mehr anbietet und dabei Hilfesuchende und Hilfsbereite gleichermaßen zusammenbringt. Eine Bitte wurde geäußert, dass die Projektförderungen nicht mehr an die sehr hohen bürokratische Hürden geknüpft würden. Diese Hürden führten dazu, dass bereitgestellte Mittel nicht abgerufen werden (können). Es sei wichtig, Menschen auch zu ehrenamtlicher Arbeit befähigen zu können, etwa in dem Fahrtkosten erstattet oder vergünstigt werden oder aber bei der Steuererklärung Aufwendungen für ehrenamtliche Arbeit geltend gemacht werden können. Auch hier bedürfe es der Unterstützung durch die Politik. Hier gab es insofern wichtige Anregungen für die weitere politische Arbeit. Wir bleiben natürlich im Kontakt.

v.l.n.r.: Susanna Karawanskij, Matthias Eulitz, Sandro Tröger, Sabine Zimmermann

Abschluss des Tages bildete eine Diskussionsveranstaltung „Das muss drin sein: eine Rente von der man gut leben kann“. Hier ging es um das Rentenkonzept der LINKEN sowie die Auswirkungen der aktuellen und bisherigen Arbeitsmarktentwicklung auf die Höhe der späteren Altersrente; um die Frage wie ein zukunftsfähiges Rentenkonzept aussehen kann und muss. Auch die Rentenkampagne des DGB wurde vorgestellt. Sowohl in den Positionen der Referenten Sabine Zimmermann, Susanna Karawanskij und Matthias Eulitz vom DGB also auch der Diskutanten im Publikum wurde deutlich: die gesetzliche Rente muss gestärkt, die Riesterrenten in die gesetzliche Rente überführt, die paritätische Finanzierung wieder hergestellt werden und schließlich, ganz wichtig, alle müssen in die Rentenkasse einzahlen: der Bandarbeiter genauso wie die Reinigungskraft, Politiker, der Beamte. Und schließlich auch der Selbstständige, egal ob ein kleines mittelständiges oder großes Unternehmen. Einigkeit bestand auch darin, dass das Rentenniveau auf 53 % wie es vor Jahren bereits der Fall war wieder angehoben werden müsse.
Ein langer, ein vor allem spannender Tag, der Einblick in vielfältige soziale und ehrenamtliche Arbeit gewährte. Der Einblick in Herausforderungen und Hemmnisse gab, der uns beeindruckende Menschen kennenlernen ließ und uns Aufträge für unsere tägliche Arbeit in den Parlamenten mitgab. Nochmals herzlichen Dank für die Offenheit, für das vielfältige Engagement und für die weitere Arbeit viel Erfolg, Kraft und Ausdauer. Wo wir unterstützen können, werden wir es tun.