6. Sächsischer Poliotag in Thermalbad Wiesenbad

Unter dem Motto „Polios in Sachsen – integriert oder vergessen“ nahm ich am 26. September 2009 am  6. Sächsischen Poliotag teil. Es war eine gelungene und sehr niveauvolle Veranstaltung, mit Fachvorträgen in wirklich einfacher Sprache aus dem Gebiet der Orthopädie und Psychologie.

Die Teilnehmer waren traurig, dass ich der einzige Vertreter der Mitglieder des Sächsischen Landtages an diesem Treffen war, weil weitere Landtagsabgeordnete ihre Teilnahme zugesagt hatten.

Es ging heftig zur Sache. Stefan Pöhler, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, und ich mussten uns den Fragen der Anwesenden stellen. Wir verwiesen darauf, dass mit der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen, die dieses Jahr von der BRD ratifiziert wurde, ein Umdenken in der Behindertenpolitik notwendig erscheint. So darf es nicht mehr sein, dass der Mensch mit geistiger, körperlicher, seelischer und/oder Sinnesbeeinträchtigung dafür sorgen muss, dass er irgendwie am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, sondern diese Teilhabe muss ihm von der Gesellschaft durch Barrierefreiheit umfassend ermöglicht werden.

Schließlich übergaben die Organisatoren des Poliotages einen Forderungskatalog. So wird die Kostenübernahme für den behindertengerechten Umbau von Fahrzeugen wie zum Beispiel der  Einbau von Ladehilfen für den Rollstuhl und ein Benzinkostenzuschuss, quasi zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft gefordert, denn das Auto sei für Menschen mit körperlichen Einschränkungen unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens sowohl für die häufig notwendigen Besuche bei Ärzte, Apotheken, Behörden und öffentliche Einrichtungen.

Auch wird ein Kleiderzuschuss gefordert, da benötigte Orthesen, die mit Nieten, Ösen oder dergleichen ausgestattet sind, oftmals Schäden an der Kleidung verursachen, sodass hier ein erhöhter Bedarf besteht.

Ich vermag diese Forderungen nachzuvollziehen und verwies die Teilnehmer an dieser Veranstaltung darauf, dass im Deutschen Bundestag sowohl die Fraktion Die LINKE als auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit entsprechenden Gesetzesentwürfen aktiv gewesen sind, aber nicht die erforderlichen Mehrheiten erzielen konnten.

Richtig heiß geredet haben wir uns zu Themen der Barrierefreiheit, denn zwischen den bestehenden gesetzlichen Vorschriften und ihrer Umsetzung klaffen noch gewaltige Lücken. Und ich sage mal, solange dieses Thema  in der Ausbildung von Architekten, Stadtplanern, Ingenieuren, Web-Designern, Sanitärinstallateuren, Reisekaufleuten, Hotelfachkräften, um nur einige Berufe zu nennen, ausgespart wird, müssen wir immer wieder auf diese, unsere Rechte als Betroffene hinweisen und sie auch einfordern.

Ich war gern da.