Podiumsdiskussion zur „rechtlichen Betreuung“

Gestern Abend nahm  ich an einer Podiumsdiskussion zum Thema „rechtliche Betreuung – Bevormundung oder unterstützte Selbstbestimmung“ beim Kommunalen Sozialverband in Leipzig teil. Der Saal war voll, im Podium hatten außer mir u.a. ein Betreuungsrichter,  eine Verteterin des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, ein Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz , Vertreter von Betreuungsvereinen und ein Schriftsteller, der selbst als Berufsbetreuer arbeitet, Platz genommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von einem Wirtschaftsjournalisten. Als Illustration zum Thema wurden zwei Filmbeiträge gezeigt, in denen die Arbeit einer rechtlichen Betreuerin beleuchtet wurde und auch ein Negativbeispiel, bei der die Betreuung einer Entmündigung gleichkam, war mit im Programm.

Dass Betreuung eben genau das nicht sein darf, nämlich Entmündigung, kam gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich zum Ausdruck. Dennoch wurde die Diskussion kontrovers geführt: Vorsorgevollmacht oder rechtliche Betreuung; Betreuung von einem Familienmitglied oder außerhalb der Familie von einem ehrenamtlichen oder Berufsbetreuer? Wie sichere ich die Selbstbestimmtheit des zu Betreuenden?

Darf Betreuung was kosten? Wieviel? Wer bezahlt? Kann sich der Staat außen vorhalten? Fragen über Fragen, die natürlich nicht alle geklärt werden konnten, die den Abend aber spannend machten. 

Gefallen haben mir die Anregungen aus dem Publikum, die da zum einen lauteten, dass Anträge und ihre Erläuterungen auch in einfacher Sprache erhältlich sein sollten oder , dass die Betreuung von mehrer Personen wahrgenommen werden sollte (etwa von drei und nicht nur von einem Betreuer) und ein anderer Gast warf ein, dass, solange in Fernsehfilmen, Unterhaltungsmagazinen etc. immer noch davon gesprochen wird, eine Person „entmündigen zu lassen“, das Thema rechtliche Betreuung und die Möglichkeit, dadurch sein Selbstbestimmungsrecht wahrnehmen zu können, noch lange nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen ist. Ich finde gut, dass der Kommunale Sozialverband eine Veranstaltungsreihe über soziale Brennpunkte ins Leben gerufen hat, diese soll und muss es auch weiterhin geben. Schön wäre es nur, sie trügen auch Früchte für staatliches Handeln…. Es gibt also noch einiges zu tun…