5. Mai – Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Am 5. Mai jeden Jahres findet der Europäische Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Ich war dieses Jahr in Glauchau und Zwickau mit dabei.

Zahlreiche Senioren (in Glauchau war gleichzeitig Seniorentag), Behinderte, aber auch Interessierte hatten sich zur Eröffnung um 10 Uhr im Simmelmarkt-Center Glauchau eingefunden, wo uns nach der Eröffnung durch Bürgermeisterin und Landtagskollegin Ines Springer (CDU) als erstes ein kleines Programm der Kinder des DRK-Kindergartens dargebracht wurde. Es wurde gesungen und getanzt und vor allem viel gelacht.

Danach waren die Kinder des Integrativkindergartens an der Reihe, die ebenfalls eine tolle Liedauswahl mitgebracht hatten.

kleines Ständchen zum Protesttag zur Gleichstellung der Menschen mit Behinderung
Kinder und Erzieherinnen des Integrativen Kindergartens bringen ein kleines Ständchen

Nach dem Programm gab es die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Zudem stellten sich Selbsthilfegruppen vor und es war eine sehr interessante Erfahrung für mich, mittels speziell präparierter Brillen zu erleben, was eine Gesichtsfeldeinschränkung bedeutet.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Zwickau, wo für 17 Uhr ein Stadtrundgang angekündigt war. Zahlreiche Leute hatten sich dazu eingefunden: Abgeordnete, Stadträte, Behindertenbeauftragte, aber auch viele Interessierte mit und ohne Handicap. Für letztere waren Rollstühle bereitgestellt, ebenso Brillen und Stöcke zur Simulation einer Sehbehinderung.

Der Rundgang erfolgte in drei Gruppen. Unsere erste Station war der Hauptmarkt, von dem es dann mit Frau Angelika Michaelis, unserer Stadtführerin, zur Katharinenkirche ging, in der einst Müntzer predigte, bis zum Schloss, das inzwischen zu einer Seniorenresidenz  umgebaut wurde. Ursprünglich war auch ein Abstecher zum Muldeparadies geplant, den wir dann aber aus Zeitgründen nicht mehr geschafft haben – zu viel gab es zu den einzelnen Stationen vorher zu berichten! (An dieser Stelle möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei Frau Michaelis bedanken, zum einen natürlich für die vielen Informationen, aber auch für ihre Umsicht im Umgang mit uns Rollifahrern, Seh- und Hörbehinderten.)

auf dem Zwickauer Hauptmarkt
auf dem Zwickauer Hauptmarkt

Auf dem Rückweg zum Robert-Schumann-Haus, in dem eine Auswertung des Stadtrundganges stattfand, fiel auf, dass sich an fast jedem Geschäft, das über eine Eingangsstufe verfügte, eine Klingel für Rollstuhlfahrer befand. Kritisch wurde dazu in der folgenden Auswertung allerdings angemerkt, dass die Klingeln oftmals zu hoch angebracht sind.

Dass sich Zwickau dennoch Mühe gibt im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen, hatten wir schon etwas früher erfahren, als ich nämlich mit Jürgen Dürrschmidt für ein Foto vor der Stufe der Löwenapotheke posierte und wir von einer vorübergehenden Passantin  mit kleinem Kind und Sportwagen ganz freundlich und hilfsbereit darauf hingewiesen wurde, dass die Apotheke über einen zweiten, barrierefreien Eingang  verfüge. Leider hat die Apotheke immer noch kein Hinweisschild an ihrem Haupteingang.

Barrieren, die wir meinen... - allerdings hat diese Apotheke einen barrierefreien Nebeneingang!
Barrieren, die wir meinen... - allerdings hat diese Apotheke einen barrierefreien Nebeneingang!

Dass es natürlich auch in Zwickau weiterer Anstrengungen auf dem Weg zur Barrierefreiheit bedarf, steht außer Frage. Denn Bequemlichkeitsstreifen sind nach wie vor nur so lange von Rollifahrern, Menschen mit Gehhilfen und Blindenstöcken zu nutzen, so lange auf ihnen keine Blumenkübel, Tische und Stühle oder Auslagen vor Geschäften stehen. Trotzdem war eine Stunde Stadtrundgang in Zwickau nicht so anstrengend für mich als Rollifahrer wie einmal in Chemnitz über den Markt.