Nachgefragt – Soziales im Brennpunkt

Der Kommunale Sozialverband (KSV) hatte eingeladen zur  Frage : „Die Allianz zur Beschäftigungsförderung für Menschen mit Behinderungen in Sachsen – nur ein Aktionsbündnis unter vielen?“

Gäste waren:  Konstantine Duscha (Bundesagentur für Arbeit), Manuela Glühmann (Handwerkskammer Chemnitz), Elsbeth Pohl-Roux (Unternehmerin, Kommunikationsberaterin), Rainer Damrau (Schwerbehindertenvertreter bei Vattenfall), Gert Gauder (Geschäftsführer Solaris), Jürgen Scholz (Integrationsamt) und ich (wir waren die Gesprächspartner im Podium).  Frau Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Unter den Gästen waren auch, was mich sehr gefreut hat, mein Landtagskollege Herr Grasselt (CDU-Fraktion) sowie Herr Stephan Pöhler (Beauftragter der Staatsregierung für die Menschen mit Behinderung) sowie zahlreiche Vertreter von Behindertenverbänden, Vereinen, Firmen und Handwerker.

Begrüßung durch den KSV-Verbandsdirektor Andreas Werner
Begrüßung durch den KSV-Verbandsdirektor Andreas Werner

Nach der Begrüßung durch Andreas Werner, Verbandsdirektor des KSV, der zugleich die Vorstellung der Podiumsgäste vornahm, überbrachte  Frau Kraushaar Grüße der Sozialministerin, natürlich mit dem Hinweis darauf, dass die  Allianz im Sozialministerium einen außerordentlich hohen Stellenwert habe.

Befragt nach unseren  Ansatzpunkten, was die Beschäftigungsförderung von Menschen mit Behinderung betrifft, gab es höchst unterschiedliche Aussagen. Frau Duscha von der Bundesagentur, aber auch Herr Scholz vom Integrationsamt verwiesen auf sehr vielfältige Hilfsangebote vor allem für Betriebe, die Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen einstellen wollen. Sie sehen ihre Aufgabe vorrangig in der Beratung.

Die Arbeitgeber auf dem Podium (Frau Pohl-Roux und Herr Gauder) sprachen vor allem von dem Potential, das in Menschen steckt, und von ihren guten Erfahrungen, die sie mit Menschen mit Behinderungen im Beruf gemacht haben. Auch Herr Damrau von Vattenfall konnte ein Beispiel einer erfolgreichen blinden Mitarbeiterin in seinem Unternehmen beisteuern.

Vorstellung der Allianz durch Frau Kraushaar (Sächsisches Ministerium für Soziales)
Vorstellung der Allianz durch Frau Kraushaar (Sächsisches Ministerium für Soziales)

Meine Begeisterung hielt sich dagegen in Grenzen. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: es ist großartig, wie für Frau Pohl-Roux und Herr Gauder mit dem Thema umgehen, dass es für sie normal ist, Arbeitnehmer zu beschäftigen, die wegen ihrer Einschränkung an anderer Stelle nur mäßige Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben! Mir geht es um etwas ganz anderes:

Pläne, die geschmiedet werden, sind erstmal nur Pläne. Und es enttäuscht mich schon, dass es ein Jahr gebraucht hat, eine Allianz auf den Weg zu bringen, die es zudem noch gar nicht gibt, denn Gründungstag soll der 3.12. dieses Jahres sein! Es gibt also im Moment diese Allianz noch nicht. Was soll denn das??? Auch fiel auf, dass wir mal wieder „unter uns“ waren bei der Veranstaltung, Leute, die entweder von Berufs wegen oder auf Grund eigener Betroffenheit mit dem Thema zu tun haben. Kann so eine öffentliche Wahrnehmung erzeugt werden?

Es ist klar, dieser Weg wird kein leichter sein..

Doch in meinen Augen brauchen wir in erster Linie Mechanismen, die helfen die Regelungen um- und einzusetzen, die schon da sind. Zum Beispiel stellt sich immer wieder die Frage nach den Zuständigkeiten. Ist es denn nicht möglich, EINE Anlaufstelle zu schaffen, und zwar sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitsuchende mit ihren speziellen Bedürfnissen?

Meine Vorstellungen von der Allianz gehen dahin, dass durch sie gesetzliche Vorgaben endlich auch erfüllt werden, was schon hinsichtlich der Barrierefreiheit dringend geboten ist. Eine Vereinfachung der Leistungsträgervielfalt könnte ebenfalls einiges zur Lösung des Problems beitragen.

KSV3web

Natürlich weiß ich, dass Arbeitslosigkeit ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und dass auch in Zukunft nicht jeder behinderte oder beeinträchtigte Mensch einen Arbeitsplatz haben wird. Dennoch sollen sie, genau wie alle anderen, ihre Chancen und Möglichkeiten bekommen!

Andreas Werner beendete die Veranstaltung mit dem berühmten Zitat von Egon Olson: „Ich habe einen Plan.“ Hoffen wir, dass die Allianz nicht nur einen Plan hat, sondern, genau wie Egon Olson, auch das Wissen um all das, was zu seiner Durchführung gebraucht wird, es aber vor allem versteht, die Informationen zu bündeln. Dann kann aus der Allianz ein wirkliches Instrument zur Beschäftigungsförderung behinderter Menschen werden. Ich hoffe, ich wurde nicht missverstanden, denn Pläne sind erstmal nur Pläne und viel Zeit vergeht zwischen…oh, das hatten wir schon mal…