Betriebsbesichtigung bei Vattenfall

Einen Termin der etwas anderen Art hatte ich letzten Freitag: die Hauptschwerbehindertenvertretung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz hatte nämlich zur Betriebsbesichtigung nach Böhlen zu Vattenfall eingeladen.

Zunächst trafen wir uns alle im Informationszentrum, wo uns ein kurzer Überblick über das Unternehmen Vattenfall nach der Wende gegeben wurde. Deutlich wurde schon dabei, wo die Probleme bei der Nutzung erneuerbarer Energien liegen, nämlich im nur unzureichend ausgebauten Leitungsnetz.

ein interessanter Vortrag über Energiegewinnung bildete den Auftakt

Nach einer kurzen Diskussion über den Ausstieg aus der Kernkraft, wurde jeder mit einem Helm und einer Art Kopfhörer ausgestattet und unsere Exkursion durch das Kraftwerk begann.

In Böhlen wird nach wie vor Braunkohle verstromt, von der wir aber nichts sahen, nur hörten, wie sie zermahlen wurde. Wir durften einen Blick in die riesige Brennkammer werfen und machten sogar einen Abstecher zum Herzen des Werkes, der Überwachungsanlage. „Alles vollautomatisch“ wurde uns erklärt – und gleichzeitig erfuhren wir, dass es trotzdem sogenannte Kesselläufer gibt, die an den Maschinen schauen, ob es ein Leck oder andere Mängel gibt – sicher ist sicher.

Blick in die Kontrollzentrale

Nach einer guten dreiviertel Stunde Besichtigung standen wir wieder im Freien. Was wir gesehen hatten, war wirklich beeindruckend. Auch die Zahlen: Böhlen, Kieritzsch und 2/3 der Leipziger Haushalte werden über das Werk mit Fernwärme versorgt, in den letzten Jahren wurden 700 Mio. € in den Umweltschutz investiert.

Bei den Menschen, die rund um das Kraftwerk wohnen, ist die Akzeptanz der Anlage groß. Beschwerden gebe es lediglich, wenn der Wind im Winter ungünstig steht und der Rauch aus den Schornsteinen zu viel Schatten wirft. Aber auch das werde nicht wirklich als Problem gesehen, vielmehr kommen die Leute und informieren sich, suchen das Gespräch mit den Mitarbeitern vor Ort bei den zahlreichen Tagen der offenen Tür oder sie wählen das Werk zum Ziel eines Tagesausfluges, was nach Anmeldung und Absprache jederzeit möglich ist.

Blick vom Dach der Anlage

Für jeden möglich ist, möchte ich sogar sagen, denn mein Rolli war bei der gesamten Besichtigung überhaupt kein Problem: abgesenkte Bordsteine, ebenerdige Zugänge, Aufzüge. Nur die Besucherplattform auf dem Dach eines Gebäudes war für mich unerreichbar – wofür sich mehrfach entschuldigt wurde.

Energie wird in den nächsten Jahren zu einem spannenden Thema werden, weil es dabei, so wurde es mehrfach zum Ausdruck gebracht, vor allem um politische Entscheidungen geht.

Um politische Entscheidungen geht es auch beim Thema selbstbestimmte Teilhabe. Sie müssen nur getroffen werden, und zwar mit Weitblick und für die Menschen, und nicht mit Blick auf Wahlergebnisse.