5. Mai: Klares Wort zum Europaweiten Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Der 5. Mai ist der europaweite Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Menschen mit körperlichen, geistigen, seelischen oder/und Sinnesbeeinträchtigungen machen darauf aufmerksam, dass sie die gleichen Rechte wie Menschen ohne Beeinträchtigungen haben und sie fordern ein, dass, damit sie auch gleichberechtigt teilhaben können, zumindest die von Menschenhand geschaffenen Barrieren beseitigt werden.

Dazu gilt es, die Hindernisse zu erkennen und dann Entscheidungen zu ihrer Beseitigung zu treffen.

Als ich bei Frau Schöne  (Stadträtin für die CDU) im letzten Jahr zu Besuch war, sprach sie davon, dass sie sich mehr Aufmerksamkeit gegenüber jedermann wünschte. Wir verabredeten uns zu einer gemeinsamen Aktion. Am 5. Mai 2011 war es soweit.

Pünktlich 15 Uhr trafen sich Frau Hoch (Stadträtin, DIE LINKE), Frau Schöne (Stadträtin, CDU), das Ehepaar Böhme (Beirat in Lichtenstein), er ist Rollifahrer, Herr Werner (Stadtmanagement), Herr Warnat (Stadtrat, CDU) und Herr Müller (Stadtrat, DIE LINKE) und ich zum Rundgang durch Lichtenstein. Begleitet wurden wir von einem Kameramann vom Kabeljournal und Jens Bammelt, der unsere Tour fotografisch dokumentierte. Frau Schöne hatte sich auf das Experiment eingelassen, in einem Rollstuhl Platz zu nehmen, den Frau Hoch und Herr Warnat im Wechsel schoben.

Frau Schöne im und Frau Hoch am Rolli

Schon auf den ersten hundert Metern zeigten sich Tücken in Form von Bordsteinen, die zwar an mancher Stelle abgesenkt sind, aber nicht konsequent und auch nicht unbedingt an den Ecken, an denen es zu erwarten und notwendig wäre.

Bordsteine sind immer wieder eine Herausforderung - auch für die Helfer

An einer anderen Stelle wurde es so eng, dass Herr Böhme mit seinem Rolli die Straßenseite wechseln musste und Frau Schöne das Wegstück lieber zu Fuß gehend überwand. Ich selbst nahm die Herausforderung mit sportlichem Ehrgeiz an, was natürlich nicht im Sinne der Barrierefreiheit ist.

andere Barrieren sind baulicher Natur

Der Rest des Weges war dann aber ohne größere Probleme zu bewältigen. Außerdem ging es ja darum festzustellen,  wo Menschen mit Behinderung und/oder Sinnesbeeinträchtigung nicht oder nur schlecht zurechtkommen.

Sehr herzlich empfangen wurden wir beim Optiker Barth. Der Zugang ist durch einen Seiteneingang selbstbestimmt möglich, der Sehtestplatz ist mit dem Rolli ohne Hilfe zu erreichen, das Personal ist sehr aufmerksam und hilfsbereit – eine sehr angenehme Erfahrung, auch wenn nicht alle Bereiche selbstbestimmt erreicht werden können – die Verkaufsfläche gliedert sich in zwei unterschiedlich hohen Ebenen.

bei Optiker Barth

Der gute Eindruck der Stadt Lichtenstein wurde etwas getrübt, weil das Informationszentrum, in dem man sich über die Sehenswürdigkeiten und die effektiven Wege am besten abstimmen kann, eben nicht für jeden erreichbar ist. Es gibt Ideen, wie dem abgeholfen werden kann, eine Sache, die ich in der Zusammenkunft mit dem Bürgermeister zum Abschluss der Tour unbedingt zur Sprache bringen wollte.  Wir trafen uns also am Ende einer sehr interessanten, aufregenden und natürlich auch anstrengen, aber trotz alledem fröhlichen Tour im Rathaus der Stadt. Das ging auch völlig problemlos. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass es offenbar selbstverständlich für den Bürgermeister der Stadt, Herrn Wolfgang Sedner war, über unsere Eindrücke informiert zu werden. Entsprechen aufgeschlossen war auch die Gesprächsatmosphäre. Mit in der Runde Platz genommen hatten neben Bürgermeister Wolfgang Sedner, der Leiter des Ordnungsamtes Herr Fritzsche und die Beigeordnete Frau Hamann, später kam auch noch Frau Landtagskollegin Ines Springer dazu.

Wir hatten die Initiative der Stadträtinnen und  Stadträte begrüßt. Ich durfte über die schönen und weniger schönen Erlebnisse berichten. Ich kenne ja auch aus vorangegangen Besuchen dieser schönen Stadt weitere Perlen der Stadt. Bedauert hatte ich, dass es nicht jedem Menschen möglich ist, sich im Informationszentrum einen Überblick zu verschaffen. Rollstuhlfahrer  wie ich kommen beispielsweise nicht dort hin. Der Bürgermeister verstand den Hinweis und versicherte, hier wird sofort Abhilfe geschaffen.Das Informationszentrum kommt in den Erdgeschoss unmittelbar neben dem Rathaus. Großartig!!!

Anhand der von Herrn Bammelt gemachten Fotos „wiederholten“ wir anschließend unseren Weg durch die Stadt, der alles in allem für uns Rollifahrer gut zu bewältigen war. Was allerdings (noch) komplett fehlt, sind Leitsysteme für blinde und sehbehinderte Menschen, ebenso sind Menschen mit Hörbehinderung in der Gestaltung der Stadt nicht berücksichtigt.

Sowohl Herr Sedner als auch Herr Fritzsche und Herr Werner machten sich eifrig Notizen, mehr noch, sie waren dankbar für jeden Hinweis, fragten aufmerksam nach und  benannten sogar schon Termine, an denen bestimmte Dinge bei bestimmten Leuten angesprochen werden sollen.

Einig waren sich alle, dass es vor allem auf die Sensibilisierung aller in der Stadt lebenden Menschen ankomme, denn einige Engstellen waren lediglich von gedankenlos aufgestellten Waren oder Schildern verursacht worden. Solche Dinge könne man schnell beheben.

Bürgermeister Sedner machte zum Schluss den Vorschlag, den Stadtrundgang in drei Jahren zu wiederholen. Sein Ziel ist es, die Stadt für alle ihre Bürger barrierearm, wenn nicht gar barrierefrei zu gestalten. Ich bin sehr gespannt auf das nächste Mal!!!

Fotos: Jens Bammelt