„Nachgefragt bei…“

Der PARITÄTISCHE will es immer genau wissen und lud mich zu seiner Veranstaltung „Nachgefragt bei…“ ein. Thema des Nachmittags war „Eingliederungshilfe im Wandel – Teilhabe jetzt ermöglichen“, also genau das, wofür ich mich auf allen möglichen Veranstaltungen und in meiner parlamentarischen Arbeit einsetze.

Es waren viele Interessierte gekommen und bald entstand eine lebhafte Diskussion. Ein Kernpunkt war das Spannungsfeld „Erwerbsarbeit und Behinderung“. Worauf wird geachtet, wenn ein Mensch mit Behinderung und/oder Sinnesbeeinträchtigung auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung sucht: auf seine Behinderung oder auf seine Fähigkeiten? Und was bringen all die Förderprogramme, die von den verschiedensten Stellen initiiert werden? Bringen sie wirklich Menschen mit Handicap dauerhaft in Arbeit? Dass Menschen mit Behinderung und/oder Sinnesbeeinträchtigung sehr wohl Potentiale haben, wird immer wieder betont. Doch wer weiß um diese Potentiale? Und wann wird endlich begonnen, diese zu nutzen? Ja und was bringen denn die Förderprogramme überhaupt???

Selbstbestimmte Teilhabe war ein weiterer Schwerpunkt im Gespräch – und sorgte ebenfalls für Zündstoff, zumal „Inklusion“ inzwischen in aller Munde ist. Nicht wenige fordern inzwischen, Sondereinrichtungen für behinderte Menschen abzuschaffen, doch wird dieses Ansinnen jedem betroffenen Menschen gerecht? Was ist mit denen, die in einer solchen Einrichtung leben und/oder arbeiten wollen? Genau das macht ja die Selbstbestimmung aus: dass man die Wahl hat, dass man sich für ein Lebens- und Arbeitsumfeld entscheiden kann, das man selbst für sich als gut und passend erachtet! Natürlich ist dabei entscheidend, was die Menschen wollen – eine „Abschiebung“ in eine Sondereinrichtung darf nicht länger möglich sein! Vor allem darf – egal wie die Entscheidung ausfällt – keine Diskriminierung nachgeschoben werden!!

Menschen mit körperlichen, seelischen, geistigen oder/und Sinnesbeeinträchtigung sind vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, sie haben die gleichen Rechte wie Menschen ohne diese Beeinträchtigungen. Verschiedenheit ist Normalität. Was es im Moment noch so schwer macht sind neben den baulichen Barrieren (ich werde nicht müde, immer wieder auf Barrierefreiheit insbesondere in der gestalteten Umwelt hinzuweisen!) vor allem die Barrieren im Kopf. Wir müssen endlich beginnen, nicht immer nur die Schwierigkeiten zu denken, die es möglicherweise geben könnte, sondern die Chancen und die Bereicherung zu sehen, die eine inklusive Gesellschaft birgt.

Eine gute Gelegenheit dazu bietet die Bilderausstellung des Kunstzirkels der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Solidar-Sozialring gemeinnützige Betreuungsgesellschaft mbH, die noch die nächsten sechs Monate in den Räumen der Parität zu sehen sein wird. Wer von Ihnen also in dieser Zeit im Waldschlösschenareal in Dresden unterwegs ist, sollte diese Schau unbedingt besuchen! Eine weitere gute Gelegenheit ist, den Menschen nicht aus dem Wege zu gehen, Kontakte zu suchen. Miteinander füreinander da zu sein. Eine Vision???….

Weitere Artikel zur Veranstaltung finden Sie auf der Seite der Parität oder der des Selbsthilfenetzwerkes Sachsen.