Nichts ist vergessen und niemand – Gedenkveranstaltung in Zeithain

70 Jahre ist es mittlerweile her, dass Deutschland am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel. Das ist eine lange Zeit und immer häufiger drängt sich der Eindruck auf, dass ein Großteil der Deutschen diesen Teil der Geschichte gern hinter sich lassen würde. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Gedenkstätten nicht nur erhalten bleiben, sondern auch genutzt werden im Kampf gegen das Vergessen. Einen sehr eindrucksvollen Beitrag leistet dabei die Gedenkstätte „Ehrenhain Zeithain“.

Im dortigen Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager sind ab Juli 1941 mehr als 30.000 Kriegsgefangene, vorwiegend aus der Sowjetunion, aber auch aus Polen, Serbien und Italien ums Leben gekommen. Sie starben aufgrund von Krankheiten, Hunger, katastrophale hygienische Bedingungen, aber auch durch gezielte Tötungen. Bestattet wurden sie zumeist in anonymen Massengräbern.

Den Toten ihre Namen zurückzugeben, ist eines der Anliegen der Gedenkstätte. In mühevoller, geduldiger Arbeit ist es in den letzten Jahren gelungen, 25.000 von ihnen zu ermitteln. Ein nächster Schritt soll sein, Tafeln damit zu beschriften und an den Gräbern aufzustellen.

Doch nicht nur das: „Wir sind hier, um den Versuch zu machen, das Unfassbare zu verstehen“, erklärte der Geschäftsführer der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten, Stefan Reiprich. Er findet es dramatisch, dass das Interesse an den damaligen Geschehnissen in Deutschland derartig sinke.

MdL Dr. Karl-Heinz Gerstenberg (Grüne) führte in seiner Rede aus, dass es in einem Krieg immer auch um individuelle Verantwortung gehe. Die Schuld könne nicht auf ein abstraktes System geschoben werden.

Dass das Bewusstmachen für diesen Teil deutscher Geschichte bereits früh beginnen müsse, davon ist auch Pfarrer Piesker von der Martinsgemeinde Hirschstein überzeugt. Mitglieder seiner Jungen Gemeinde verlasen zehn Namen und Geburts- und Sterbedaten von Soldaten, die in Zeithain ums Leben gekommen sind. Anschließend übergaben die Jugendlichen weiße Rosen an Angehörige der Opfer – ein sehr bewegender Moment für alle Beteiligten.

Viele waren angereist, darunter auch diplomatische Vertreter und die Auschwitzüberlebende Vera Paleschenko, die sehr eindringlich dazu aufrief, dafür zu sorgen, dass nie wieder eine Mutter ihre Kinder beweinen muss. Der russische Kriegsveteran Viktor Maximow bat einen Mann zu sich und erklärte dann, dass sie einst gegeneinander gekämpft hätten, er auf russischer, der andere auf deutscher Seite. „Wir versöhnen uns heute hier mit den Deutschen“, erklärte er feierlich und rief dann alle Anwesenden dazu auf, ihre Kinder und Enkelkinder so zu erziehen, dass so ein Krieg nie wieder möglich ist. Denn nichts ist vergessen…und niemand…

(alle Bildrechte bei: Ehrenhain Zeithain)