Politisch erwachsen? – 20 Jahre Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen

Die Veranstaltung begann mit einer Umfrage: „Glauben Sie, dass Politiker gute Arbeit leisten?“ Gezählt wurde nur Ja oder Nein, Enthaltungen waren möglich, gingen aber nicht in die Auswertung mit ein. Hintergrund dieser Abstimmung war ein vorwiegend ernster. Laut einer Forsa-Umfrage sind nur noch 37% der Deutschen zufrieden mit der Arbeit der Politiker. Woran liegt das? Ist die geleistete Arbeit wirklich so schlecht, oder wissen die Unzufriedenen einfach zu wenig um politische Hintergründe und Zusammenhänge?

 (c) Thomas Platz, SLpB

„Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung ist eine Einrichtung des Freistaates Sachsen, die Politische Weiterbildungsarbeit auf überparteilicher Grundlage betreibt. Das Bildungsangebot orientiert sich an der Werteordnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Sachsen.“ Und weiter heißt es:  „Ziel ist, den demokratischen Grundkonsens in unserer Gesellschaft zu stärken sowie das Verständnis für politische Sachverhalte und die Bereitschaft der Bürger zur politischen Beteiligung zu fördern.“  So steht es auf der Internetseite der Landeszentrale. Inwieweit das in der Vergangenheit gelungen ist, war u.a. Thema des Tages.

Als erstes sprach der Direktor der Einrichtung, Frank Richter. Er betonte, dass es in erster Linie darum gehen müsse, jene Menschen zu erreichen, die sich bislang kaum bis gar nicht für Politik interessieren. Den Schulen käme dabei eine besondere Verantwortung zu.

v.r.n.l.:Horst Wehner, Staatsminister Prof. Dr. R. Wöller, Friedrich Schorlemmer, Hans-Ulrich Jörges (c) Thomas Platz, SLpB
v.l.n.r.: Hans-Ulrich Jörgens, Friedrich Schorlemmer, Staatsminister Prof. Dr. Roland Wöller (c) Thomas Platz, SLpB

Staatsminister Prof. Dr. Roland Wöller betonte in seiner Rede, dass „politisch erwachsen“ nur derjenige sei, der sich aus eigenem Verantwortungsgefühl heraus in und für die Gesellschaft engagiere. Auch er betonte die Rolle der Schulen im Prozess der politischen Bildung, allerdings bezog er sich nur auf die Zeit nach 1949 und legte die Betonung auf die Beschäftigung mit der Geschichte des geteilten Deutschlands. Meiner Meinung nach greift das viel zu kurz, denn die Entwicklung sowohl der DDR als auch der BRD hängt entscheidend mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen.

Der Frage, was politisch erwachsen bedeuten könnte und sollte, näherten sich dann die drei Festredner. Als erstes sprach Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des Stern und in der BRD aufgewachsen und nicht ganz unbeteiligt an der 68er Bewegung. Er findet, dass die Bevölkerung generell mehr Mitspracherecht bekommen sollte, denn nur so wäre sie auch zur Mitarbeit aufgefordert.

Der Theologe Friedrich Schorlemmer widersprach seinem Vorredner heftig in dessen Behauptung, dass er keinen Drift nach rechts sehe, wie er oft postuliert werde. Er, Schorlemmer, beobachte vielmehr, wie rechtes Gedankengut immer mehr zur Normalität werde, eine Entwicklung, die er persönlich als sehr bedenklich einstufe und die eine erhöhte Wachsamkeit erfordere – die u.a. durch politische Bildung erreicht werden könne.

Lutz Rathenow sprach vor allem über sein Aufgabengebiet, die Aufarbeitung der Unterlagen der Staatssicherheit der DDR, die eines der Kernthemen der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen ist. Er sprach sich u.a. dagegen aus, nur noch auf Verdacht zu prüfen, „denn von jedem Verdacht, auch wenn er unbegründet ist, bleibt etwas zurück.“

v.r.n.l.: Lars Rohwer (Kuratoriumsvorsitzender, MdL), Frank Richter (Direktor der SLpB) (c) Thomas Platz, SLpB
v.l.n.r.: Frank Richter (Direktor der SLpB), Lars Rohwer (Kuratoriumsvorsitzender, MdL) (c) Thomas Platz, SLpB

„Politisch erwachsen?“ Zumindest angekommen im politischen System der Bundesrepublik ist die Landeszentrale, dort verankert und anerkannt. Das ist sie auch bei der Bevölkerung, die vorbeischaut und sich u.a. mit Publikationen zu den verschiedensten Themen versorgt. Ob es in Zukunft besser gelingen wird, „bei denen Gehör zu bekommen, die wir bislang nicht erreichen“ (Frank Richter), bleibt abzuwarten. Ich wünsche der Landeszentrale für ihre weitere Arbeit viel Erfolg.