„Alt werden in Gemeinschaft“ – Besuch beim AWIG e.V.

„Im Alter einsam“ – diese Angst ist bei vielen gar nicht so selten. Aber wohin, wenn man noch fit ist und nicht in ein Heim oder eine betreute Wohnanlage ziehen möchte?

Ich war heute beim AWIG e.V. eingeladen, der sich 1996 nach dem Grundsatz „Alt werden in Gemeinschaft“ gegründet und inzwischen in Verein für Gemeinschaftliches Wohnen e.V.  umbenannt hat. Eines seiner Wohnprojekte ist auf der Ehrlichstraße 3 zu finden, also sehr zentral in Dresden, und das habe ich mir angesehen.

Sehr herzlich empfangen, erfuhr ich zunächst viel über die Geschichte des Vereins, der Wohnprojekte, vor allem aber darüber, was das heißt: Gemeinschaftliches Wohnen.

Interessenten gäbe es recht viele. Doch: „Wir erleben immer wieder, dass Menschen, die bereits 70 Jahre und älter sind, unser Projekt kennen lernen und sagen: Sehr schön! Wenn wir mal nicht mehr können, dann überlegen wir uns das.“,  wurde mir eine typische Situation geschildert. „Aber wir sind keine Pflegeeinrichtung, das können wir nicht leisten! Was wir suchen, sind Menschen, die sich in eine Gruppe integrieren und sie aktiv mit gestalten wollen.“ Das heißt: Gemeinsame Theater- oder Konzertbesuche, regelmäßig gehaltene Vorträge und Lesungen… Jeder soll sich nach seinen Fähigkeiten einbringen. Natürlich gehört auch die gegenseitige Unterstützung im Alltag dazu, aber die nur in Maßen.

Bilder schmücken die Gemeinschaftsräume

Attraktiv macht die Wohnungen in erster Linie, dass sie barrierefrei sind. Und dass jede Gruppe über Gemeinschaftsräume verfügt. Gewohnt wird in individuell eingerichteten und abgeschlossenen Wohnungen, die Mieter schließen Einzelverträge mit dem Vermieter ab. „Noch sind es meist Einzelpersonen, die sich für das gemeinschaftliche Wohnen interessieren“, wurde mir berichtet. „Aber wir hatten inzwischen auch schon eine Anfrage von einem Ehepaar. Leider sind die Mieten für manchen zu hoch, denn auch die Kosten für die Gemeinschaftsräume werden auf alle zu gleichen Teilen umgelegt.“

Dass diese z.T. sehr großzügig sind, konnte ich auf meinem Rundgang sehen. „Wer spielt Klavier?“, war nur eine der Fragen, die ich dabei hatte. Dass der Vermieter  das Projekt gern unterstützt, wurde dadurch sichtbar, dass er die Möblierung der Gemeinschaftsräume unterstützte und die Küche einbaute. „Mit solchen Vermietern arbeiten wir als Verein sehr gern zusammen“, wurde mir versichert.

Gemeinsam statt einsam. Eine schöne Möglichkeit, seine Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten nach dem Arbeitsleben nachzugehen. Und doch weiß ich, es wird nicht jedem, jeder vergönnt sein…