Barrierefrei durch Kamenz

Als ich im letzten Jahr von unserem „barrierefreien“ Stadtspaziergang in Lichtenstein erzählte, fragte mich meine Fraktionskollegin und Kamenzer Stadträtin Marion Junge gleich, ob ich so etwas auch mal bei ihr machen würde. Na klar!

Gesprächsrunde in der "Herbstsonne" (v.l.n.r. Ralph Büchner, Marion Junge)
Gesprächsrunde in der "Herbstsonne" (v.l.n.r. Ralph Büchner, Marion Junge)

Also trafen wir uns am 16.09. zunächst in der Begegnungsstätte „Herbstsonne“ um mit den Bewohnern der gleichnamigen Seniorenwohnanlage ins Gespräch zu kommen, wo sie Schwierigkeiten in der Stadt haben. Ein Hauptproblem, so die einhellige Meinung, ist der Augenarzt, der einzige in der Stadt, der jedoch nur über zwei Treppen zu erreichen ist. Ähnlich sieht es bei den anderen Ärzten aus. Auch die Wege in die Stadt seien nicht so einfach zu bewältigen, da eine große Straße überquert werden müsse, auf denen viel und vor allem schneller Verkehr sei – für Menschen, die auf den Rollstuhl oder auf Gehhilfen angewiesen sind, eine große Gefahr. Auch ein Briefkasten in der Nähe wäre nicht schlecht.

Um uns ein Bild zu machen, war der Ausgangspunkt unseres Stadtspaziergangs die Wohnanlage. Begleitet wurden wir u.a.. von einem Ehepaar im Elektrorolli, einem blinden Mann und einer stark sehbehinderten Frau, die im Behindertenbeirat mitarbeiten, dem Bürgermeister der Stadt Kamenz, Roland Dantz, dem VdK-Ortsvorsitzenden Reinhardt Neumann, Pressevertretern und Vertretern der LINKEN.

der zugestellte Übergang vor der Post
der zugestellte Übergang vor der Post

Von der „Herbstsonne“ ging es zunächst an der Post vorbei – „wenn man klingelt, kommen sie raus“ -, zur neu eröffneten Touristinformation und dann zu den Lessingstuben zu einem Auswertungsgespräch. Das hatte sich schon fast erübrigt, da viele Dinge bereits an Ort und Stelle ausdiskutiert worden waren.

ärgerlich: der Weg zur Touristinformation birgt Unfallrisiken
ärgerlich: der Weg zur Touristinformation birgt Unfallrisiken

Dennoch zeigte dieses letzte Gespräch, wie wichtig es ist, miteinander zu reden. Aufhänger war eine Ampel, die zu benutzen immer einen Umweg darstellt. In der Diskussion stellte sich heraus, dass der Standort der Lichtanlage deshalb so gewählt worden war, weil sonst der komplette Verkehr einschließlich des Nahverkehrs aufgehalten würde. Das leuchtete  letztlich ein. Trotzdem zeigte sich auch, dass es manchmal Kleinigkeiten sind, die Menschen mit geistiger, körperlicher, seelischer und/oder Sinnesbeeinträchtigung das Leben schwer machen, wie z.B. nicht gekennzeichnete Treppenstufen für Sehbehinderte.

ein typisches Beispiel für Gedankenlosigkeit
ein typisches Beispiel für Gedankenlosigkeit

Aber, so Roland Dantz: „Das sind Dinge, die können wir als Stadt problemlos in Angriff nehmen.“ Ebenfalls sprechen will er auch mit den Händlern, denn wie schon in Lichtenstein ist es auch Gedankenlosigkeit, die zu Behinderungen führt: Blumenkübel, Aufsteller oder der Stapel Paletten auf dem Bequemlichkeitsstreifen.

Engstellen vor den Geschäften
Engstellen vor den Geschäften

„Eine komplett barrierefreie Stadt wird es nicht geben“, sagte Roland Dantz zum Abschluss. „Aber wir können sie so barrierefrei wie möglich machen“, entgegnete ich. Das räumte er ein. „Sie haben uns, wenn man so will, mal wieder wach gerüttelt“, gab er zu. Und er wird in Zukunft wieder mehr auf die Menschen mit Beeinträchtigungen achten, sollte er aus der Oberbürgermeisterwahl am kommenden Sonntag erneut als Sieger hervorgehen. Dafür wünsche ich ihm natürlich viel Erfolg.