Landesparteitag der LINKEN in Bautzen – mein Redebeitrag

Liebe Genossinnen und Genossen! Verehrte Gäste!

Seit etwas mehr als einem Jahr ist „Inklusion“ zu einem regelrechten Schlagwort geworden.  „Inklusive Bildung“, „Inklusives Zusammenleben“, „Inklusive Gesellschaft“. Warum aber in dem Abschnitt der sozialpolitischen Leitlinien „Behindertenpolitik ist Menschenrechtspolitik“ das Wort Inklusion überhaupt nicht auftaucht ist, vermag ich gar nicht zu sagen. Das ist ganz klar ein Versehen. Hier muss nachgebessert werden, denn zu einem demokratischen Sozialstaat gehört Inklusion selbstverständlich dazu.

„Behindertenpolitik geht uns alle an!“

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, sicher stimmt ihr mit mir überein, wenn ich sage „Die Forderung an andere ist leicht. Schwerer ist die Forderung an sich selbst.“ Wir als LINKE haben den Anspruch, die Welt zu verändern – oder zumindest lebenswerter und gerechter zu gestalten. Aber dafür müssen wir auch vorleben, wie wir diese Welt gestalten wollen.

Ganz selbstverständlich fordern wir Barrierefreiheit in allen Belangen, so zum Beispiel für gehörlose oder schwerhörige Menschen, Gebärdensprachdolmetscher und deren Finanzierung oder Induktionsschleifen – auf dem heutigen Parteitag finden wir diese nicht.

Wir fordern rollstuhlgerechte Gebäude – zahlreiche unserer Geschäftsstellen oder Bürgerbüros, wie übrigens auch der heutige Veranstaltungsort, sind jedoch nur über viele Stufen erreichbar.

Wir fordern die barrierefreie Gestaltung von Internetseiten der Verwaltung – aber unsere eigene Homepage ist nicht annähernd barrierefrei. Leichte Sprache gibt es überhaupt nicht. Wie wollen wir aber alle erreichen?

Also ich finde, hier haben wir selbst noch einiges zu tun.

Ich möchte euch daher vorschlagen, die Beschlussfassung zu unseren sozialpolitischen Leitlinien mit der Verabschiedung eines behindertenpolitischen Landesaktionsplanes zu verbinden.

Wenn wir es mit der Behindertenpolitik wirklich ernst meinen, müssen wir Behinderungen, die sich aus den Barrieren um uns ergeben,  zu allererst auch bei uns selbst beseitigen! Wir dürfen nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen, sondern müssen Vorbilder sein! Wir müssen leben was wir fordern.

Wenn wir soweit sind, dass Behindertenpolitik ein ebenso normaler Arbeitsbereich ist wie Außen-, Kultur- oder Jugendpolitik, dann sind wir dem, was mit „Inklusion“ beschrieben wird, ein gutes Stück näher gekommen. Dann brauchen wir populäre Schlüsselwörter wie „Inklusion“ nicht mehr aufzuschreiben. Dann leben wir inklusiv.

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, ich bitte euch mitzutun; auf meine Unterstützung könnt ihr bauen.

Vielen Dank.

(alle Bildrechte bei Sabine Pester)