„Weil ich muss das verstehen“

„Vielleicht wissen Sie es: ich bin Politiker.

Politiker müssen oft reden.

Politiker reden viel.

Und Politiker reden oft sehr kompliziert.

Uns Politikern fällt das meistens gar nicht auf.“

Ich weiß, das klingt etwas ungewöhnlich und es ist auch ungeheuer schwer als Rede vorzutragen. Dennoch gibt es Menschen, die darauf angewiesen sind: Leichte Sprache.

Mit Leichter Sprache befasste sich eine Tagung am 4. November in Leipzig, bei der nicht nur Politiker und Vertreter von Organisationen zusammentrafen, sondern auch Menschen, die Experten für Leichte Sprache sind. Das sind zum einen Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber auch Sehbehinderte oder Menschen, die nicht so gut deutsch können.

Sie alle wollen genauso selbstbestimmt leben wie der Rest der Gesellschaft. Sie wollen sich einbringen und teilhaben. Aber: „Ich muss das auch verstehen.“ Vor allem Verträge und Schreiben von Behörden sind oftmals so umständlich formuliert, dass kaum jemand am Ende sicher ist, ob er alles richtig verstanden hat.

„Aber ein Mietvertrag ist wichtig für mich. Ich muss verstehen, was da drin steht. Ich muss wissen, was das für mich bedeutet.“, sagte eine Prüferin in ihrer Rede und brachte die Problematik so auf den Punkt.

Ich denke, wir alle sollten verstehen können, was in Verträgen steht oder in Bescheiden. Aber auch unsere Internetseiten und Veröffentlichungen sollten wir dahingehend überprüfen, ob wir sie nicht barriereärmer gestalten können, als wir es in der Regel tun.

Ja, das ist ein An-die-eigene-Nase-Fassen! Bitte haben Sie noch etwas Geduld mit mir.