Ein Nachmittag bei der GEW in Chemnitz

„Welche Musik würde Ihr Leben beschreiben?“ – Diese Frage wurde vor einiger Zeit an mich herangetragen und ich musste auch nicht lange überlegen: die Schicksalssinfonie von Beethoven gehört auf jeden Fall dazu, ebenso das finnische Liebeslied Kalliole Kukullale.

Hintergrund ist eine sehr schöne Aktion: Musik als Ausgangspunkt, um etwas über einen Menschen zu erfahren, aber auch, um mit ihm über aktuelle Probleme zu reden.

Begrüßung durch Hildegard Rothe von der GEW in Chemnitz

Das wollten einige, denn der Pavillion im Chemnitzer Heckertgebiet war gestern nachmittag gut gefüllt. Circa 30 Seniorinnen und Senioren lauschten meinen Erzählungen über meinen Werdegang, fragten nach, nickten an der einen oder anderen Stelle oder schüttelten auch mal den Kopf.

Anhand meiner Lebensgeschichte kamen wir auch recht schnell auf das Thema „Behindertenpolitik“ zu sprechen, wobei vor allem das Thema „Inklusive Schule“ eine große Rolle spielte. Einige der anwesenden ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten in der DDR an Förderschulen und sie verteidigten dieses System. Natürlich habe ich ihnen erklärt, dass wir in der Politik diese Problematik durchaus sehr differenziert sehen und eine generelle Abschaffung der Förderschulen genauso wenig im Sinne der betroffenen Schülerinnen und Schüler ist, wie die derzeitige Praxis.

Denn ich vertrete schon die Auffassung: alle Kinder, egal ob sie eine Beeinträchtigung und/oder ein Handicap haben, die eine Regelschule besuchen möchten, sollen die Chance dazu erhalten. Und diejenigen, die einen „geschützteren Rahmen“ bevorzugen, sollen diesen bekommen. Der Schlüssel ist die Wahlfreiheit, die jeder Schülerin, jedem Schüler gegeben werden muss.

Ein weiteres Thema war die derzeitige Gesundheitspolitik, durch die sich immer mehr Menschen einfach „abgezockt“ fühlen. „Barrierefreiheit“ stand diesmal nicht im Vordergrund, dazu soll es im Mai eine eigene Veranstaltung geben. Aber natürlich wurde bemerkt, dass auch das Objekt, in dem wir uns befanden, dringend umgebaut werden sollte, um dem zunehmenden Altersdurchschnitt Rechnung zu tragen. Die Pläne dazu haben bereits konkrete Formen angenommen, was mich sehr freut.

Nach zweieinhalb Stunden, die wie im Flug vergangen waren, verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Ich danke denen, die mich eingeladen haben, namentlich Hildegard Rothe, und Jan Schulze für die Musik, ebenso den fleißigen Helferinnen und Helfern, die für unser leibliches Wohl gesorgt haben und natürlich den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern, die den Nachmittag so lebhaft werden ließen.