Wie barrierefrei ist Lugau?

Das wollte am 29. Mai 2012 der Bürgermeister der Stadt Lugau, Thomas Weikert (DIE LINKE.) vor Ort erkunden. Gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung, des Behindertenverbandes, des Behindertenbetreuungsdienstes und Stadträten, unter ihnen mein Fraktionskollege im Sächsischen Landtag, Klaus Tischendorf, nahmen wir als erstes das im Jahre 2004 komplett sanierte Rathaus in Augenschein.
Der Erdgeschossbereich ist gut frei erreichbar, ein neues Behinderten-WC ist vorhanden. Die weiteren Etagen bleiben allerdings unerreichbar. Unglaublich aber wahr, der am Seiteneingang angebrachte Lift ist seit kurz nach der Übergabe nicht betriebsbereit. Nun wird geprüft, inwieweit der Bürokratie ein Schnippchen geschlagen werden kann.
Begrüßung durch Oberbürgermeister Thomas Weikert (2.v.r.)
Unser Rundgang beginnt an der Chemnitzer Straße, das eigentliche Stadtzentrum, aber als Durchgangsstraße leider von Verkehr stark frequentiert.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Barrieren ein Rollstuhlfahrer zu überwinden hat, haben sich der Bürgermeister Thomas Weikert und mein Fraktionskollege, Klaus Tischendorf, selbst in einem Rollstuhl begeben.
Mein Fazit der ersten Strecke: Gut befahrbare Fußwege, viele Ampelübergänge, wenn auch bei einigen die Grün-Phasen deutlich verlängert werden sollten.
Ampelübergänge sind mitunter ein Problem
Einige der Geschäfte sind für Rollstuhlfahrer erreichbar, bei anderen wo dies nicht der Fall ist, kamen die Geschäftsinhaber auch heraus.
Klasse ist bzw. wird das Kulturzentrum „Facius Villa“ nach der endgültigen Fertigstellung der Außenanlagen. Alle Einrichtungen (Stadtbibliothek, Museum) sind auf jeder Etage zu erreichen. Und nicht nur deshalb sehenswert!
Unser vorletzter Programpunkt führte uns zum Behindertenverband des Erzgebirgskreises. Die Einrichtung beherbergt neben der Geschäftsstelle eine ambulante Pflege, eine Ergotherapie und Möglichkeiten für die Aktivitäten der 7 Ortsgruppen. Daneben betreibt der Verband noch zwei Kindertagesstätten und eine Eirichtung mit 11 behindertengerechten Wohnungen.
vor der Villa "Facius"
Während unseres Abschlussgespräches in den „Kammgarnstuben“ stellte Harald Heinz vom Lugauer Betreuungsdienst dessen Arbeit vor. Ca. 1.300 Rollstuhlfahrer leben im Landkreis Erzgebirgskreis. Er schätzt ein, dass über den Betreuungsverein betriebenen Fahrdienst täglich 500 Personen, vor allem Kinder und Jugendliche transportiert werden. Eines seiner Probleme sind die stetig steigenden Kraftstoffpreise, die nicht mehr ausgeglichen werden können. Zumal durch Preisbindungen von mindestens 2 Jahren, keine aktuellen Angleichungen möglich sind.
Das Fazit unserer zwei vorübergehenden Rollstuhlfahrer: Es sind im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen neue Blickwinkel. Barrieren, sind sie auch noch so klein, werden aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers völlig anders wahrgenommen. Und ein Vorteil so waren sich beide einig, sie wussten, dass sie den Rollstuhl jederzeit wieder verlassen können.
"eine völlig neue Perspektive" eröffnete sich Bürgermeister Thomas Weikert und meinem Kollegen Klaus Tischendorf
Mein Fazit:
1. Ich bin auf sehr aufgeschlossene und engagierte Menschen getroffen. Vor allem den Behindertenverein und dem Lugauer Betreuungsdienst danke ich für ihre bisher geleistete Arbeit, die nicht hoch genug geschätzt werden kann.
2. Lugau kann sich durchaus sehen lassen, vieles wurde in Sachen Barrierefreiheit getan sowohl von seitens der Stadtverwaltung als auch von privaten Geschäftsleuten.
3. Es sind oft die Kleinigkeiten, die eher aus Unachtsamkeit entstehen und deren Beseitigung nicht immer mit einem hohen Kostenaufwand verbunden ist.
Eine Klingel an der Stadtverwaltung, die für Rollstuhlfahrer schwer erreichbar, weil ein Türstopper ihn behindert. Die Klingel an der Städtischen Wohnungsgesellschaft, die erst über Treppen erreichbar ist. Ein Handtuchhalter im Behinderten-WC der zu hoch angebracht wurde. Kleinigkeiten die von der Stadtverwaltung, so der Bürgermeister Thomas Weikert, umgehend abgestellt werden.
Auch will die Stadtverwaltung künftig bei öffentlichen Bauvorhaben im vorab die Behindertenverbände einbeziehen und privaten Investoren sollen stärker in Sachen Barrierefreiheit beraten werden.
Mein Dank gilt dem Bürgermeister Thomas Weikert, den Vertretern der Stadtverwaltung, den Vertretern des Stadtrates sowie den Verbänden für ihre Einladung und ihre Aufgeschlossenheit im Sinne aller Behinderten.