Ab 2013 barrierefrei?

Betrachtet man die Gesetzes- und Verordnungslage, müsste unsere Umwelt weit barrierefreier sein, als sie es tatsächlich ist.

Noch immer können sich Bauherren viel zu leicht auf das Kostenargument zurückziehen, wenn es darum geht, Barrierefreiheit zu schaffen. Dabei ist erwiesen, dass man auch kostengünstig barrierefrei bauen kann – man muss es nur von Anfang an im Blick haben und entsprechend planen!

Immer wieder haben ich und andere in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Barrierefreiheit in den Köpfen anfängt. Man kann Nichtbetroffenen keinen Vorwurf daraus machen, dass sie Barrieren nicht als solche wahrnehmen, weil sie für sie einfach keine sind. Aber man muss sie dennoch darauf hinweisen, dass eine Treppe an einem Gebäude durchaus prägend für das Gesamtbild sein kann, dass sie aber gleichermaßen viele Menschen von der Teilhabe ausschließt. Nämlich all diejenigen, die auf ebenerdige Zugänge bzw. Rampen angewiesen sind.

Deshalb begrüße ich es sehr, dass ab dem 1. Februar 2013 jedem Bauantrag auch eine Stellungnahme zur Barrierefreiheit beigefügt werden muss. Denn so rückt diese Problematik von Anfang an ins Blickfeld der Bauherren. Stephan Pöhler, Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, hatte dieses Anliegen des VdK an das Innenministerium herangetragen: „Ich sehe in dieser Änderung einen praktikablen Weg, noch mehr für die Belange des barrierefreien Planen und Bauens zu sensibilisieren, vergessene Aufzüge, Rampen und Behindertentoiletten sollten damit nun der Vergangenheit angehören.“

Barrierefreiheit ist unerlässlich, wenn es allen Menschen möglich sein soll, ihr Leben selbstbestimmt zu führen und nicht zwingend auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Wenn jetzt noch die Behörden dazu übergehen, konsequent auf die Umsetzung der entsprechenden Richtlinien des Baurechts zu achten, können wir der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein gutes Stück näher kommen.