Frühjahrstour 2013, Rico Gebhardt in Glauchau

Am 15.03.2013 besuchte Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE im Sächsischen Landtag, im Rahmen seiner Frühjahrstour den Landkreis Zwickau.

Schwerpunkte seiner Tour, die ihm durch alle Landkreise führt, sind vor allem Fragen der sächsischen mittelständischen Wirtschaft, die in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Kommunen in Sachsen stehen.

So war es folgerichtig, dass unser erster Termin beim Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Glauchau, Dr. Peter Dresler, und dem Wirtschaftsförderer Herrn Wagener, stattfand.

Dr. Dresler und Herr Wagener informierten uns über Fragen der Stadtentwicklung und Problemen der Wirtschaftförderung in Glauchau. Gerade bei der innerstädtischen Entwicklung bestehen besondere Herausforderungen, resultierend aus Fehlentscheidungen der vergangenen 20 Jahre, die vor allem eine Entwicklung auf der grünen Wiese favorisierte. Das führte zwangsläufig zu Benachteiligungen im Stadtzentrum. Nahezu keine Gewerbeeinrichtungen und Geschäftsaufgaben aus Altersgründen und fehlende Nachfolger führten zu einem hohen Leerstand an Ladengeschäften. Eine der vordringlichsten Aufgaben ist es daher, wieder Wohnen – Leben – Arbeiten und Einkaufen in die Kernstadt zu bringen. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang die Fördermittelpolitik des Freistaates Sachsen, die keine langfristige und zuverlässige Basis, für eine konstante Entwicklung der Kommunen und der Wirtschaft, bildet.

Am Nachmittag besuchten wir die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) „Lebensbrücke“ in Niederlungwitz.

Nach der herzlichen Begrüßung und Einführung durch den Geschäftsführer der Diakonie Herrn Kemmesies, den Leiter der Werkstatt Herrn Raabs, der Sozialdienstleiterin Frau Rietzsch und den Produktionsleiter Herrn Köhler begaben wir uns auf direktem Weg zur Besichtigung der Einrichtung.

Wir wollten wissen, wie schafft es die Werkstatt, Menschen mit Behinderungen für den 1. Arbeitsmarkt zu befähigen.

Beginnend mit dem Bereich Bildung, in dem die behinderten Mitarbeiter unter Berücksichtigung des jeweiligen Behinderungsgrades,  die notwendige Qualifizierung für die Werkstattarbeit in 1 – 2 Jahren erhalten.

Ständig begleitet wird sowohl die Berufsbildung als auch die Tätigkeit in der Werkstatt durch den sozialen Dienst. Dessen Aufgabengebiet erstreckt sich von dem Aufnahmeverfahren über die Tätigkeit in der Werkstatt bis hin zur Begleitung im Alltag.

Frau Rietzsch vom Sozialen Dienst stellt uns ihren Arbeitsbereich vor

Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten sich zu betätigen so z. B. im sportlichen Bereich. So konnte sich ein Beschäftigter 2007 für die Special Olympics in Shanghai qualifizieren und erhielt mit der deutschen Handballmanschaft eine Bronzemedaille. 2011 in Athen gewann er sogar die Goldmedaille.

Im Werkstattbereich wurde sehr schnell klar, dass die Einrichtung sich auf dem freien Markt genauso behaupten muss wie andere Unternehmen auch. Sowohl in den Bereichen der Akquise, in der Produktion als auch in Fragen der Wirtschaftlichkeit.

Sichtlich beeindruckt von der breiten Produktpalette, den modernen Produktionsanlagen und der hohen Bereitschaft der behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, konstatierte Rico Gebhardt, dass sich sein Bild von einer Behindertenwerkstatt am heutigen Tag stark geändert hat.

"Die Behindertenwerkstätten von heute sind schon lange keine Bastelstuben mehr", so Traugott Kemmesies von der Diakonie

Im anschließenden Gespräch wurde von seiten der Werkstatt auf einige Probleme aufmerksam gemacht, die ihre Arbeit nicht immer erleichtern. So wäre ein Integrations- oder Inklusionsbeauftragter in der Einrichtung notwendig, um noch besser und gezielter die Vermittlung auf den  allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern. Schwierig sei es auch eine Einzelförderung für Behinderte durchzusetzen. Insgesamt muss das Finanzierungssystem auch für den Kommunalen Sozialverband Sachsen neu geregelt werden.

Wir sind mit einem guten Eindruck von der Werkstatt, dem Engagement der Leitung sowie der Einsatzbereitschaft der behinderten Mitarbeiter zu unserem nächsten Termin gefahren.

„Öffentlicher Nahverkehr in Sachsen und im Landkreis Zwickau – volle Fahrt oder auf dem Abstellgleis?!“ unter diesem Thema fand im zeitigen Abend ein kommunaler Stammtisch der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Glauchau statt.

Neben dem Fraktionsvorsitzenden DIE LINKE im Stadtrat Glauchau, Andreas Salzwedel begrüßten wir zu diesem Thema auch das Mitglied des Sächsischen Landtages und verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Enrico Stange. Leider musste mein Kollege der SPD-Fraktion, Mario Pecher, krankheitsbedingt absagen.

mit meinen Kollegen Enrico Stange, Andreas Salzwedel und Rico Gebhardt

Im Mittelpunkt der Fragen der Teilnehmer standen die ausgedünnten Schienenverkehrsanbindung, die Nichterreichbarkeit vor allem der ländlichen Regionen und die Schülerbeförderung sowohl hinsichtlich der Fahrtzeiten als auch der Kosten für die Eltern. 20112 musste der Kreistag Zwickau, 2,1 Millionen Euro als überplanmäßige Ausgabe für die Schülerbeförderung bereitstellen. Der Kreiselternrat Zwickau fordert, dass die Eltern von den Kosten für die Schülerbeförderung befreit werden und der Freistaat die Finanzierung dafür übernimmt. Nicht zuletzt deshalb, weil erst durch die Schulschließungspolitik des Freistaates die Kinder und Eltern gezwungen sind, weite Schulwege in Kauf zu nehmen.

Anschließend wurde noch angeregt über die aktuelle Debatte zur Aufnahme der Schuldenbremse in die Sächsische Verfassung und Haltung unserer Partei dazu diskutiert.

Ich bedanke mich noch einmal bei allen für die herzliche Aufnahme, die Aufgeschlossenheit uns gegenüber und die interessanten Gespräche, die wir führen konnten. Danke den Org.talenten Dr. Armin Krause, Marina Salzwedel, Katrin Pritscha und Fred Kirsch, der mich pünktlich und sicher zu den einzelnen Treffpunkten brachte.