Sportseminar in Greiz

Am 4. März war ich als Gesprächspartner zum Sportseminar nach Greiz eingeladen. Es fand bereits zum zehnten Mal statt und erfreut sich inzwischen so großer Beliebtheit, dass es eine lange Warteliste gibt.

Initiator Kay Uhrig von der Stadtmission Chemnitz geht es bei der einwöchigen Veranstaltung darum, Menschen mit Behinderung und/oder Sinnesbeeinträchtigung Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Sport gehört für ihn unbedingt dazu.

Kay Uhrig von der Stadtmission Chemnitz organisiert schon seit 10 Jahren das Sportseminar

Deshalb berichtete ich im ersten Teil des Nachmittags  vom Rollitanzsport, seit wann es ihn gibt, wie ich dazu gekommen bin und wie ich Deutscher Meister wurde. Im Anschluss übte ich mit den anwesenden Rollifahrerinnen und Rollifahrern eine kleine Cha-Cha-Folge und eine Drehung. Zuweilen wurde es ganz schön eng auf der Tanzfläche, so enthusiastisch waren die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer dabei.

Auch kamen viele Fragen nach den Voraussetzungen, die man mitbringen muss, um Rollitänzer zu werden – Bewegungsfreude sollte natürlich da sein und ein Gefühl für Rhythmus ist nicht schlecht. Aber grundsätzlich kann jeder tanzen! Dass das so ist, hat vor allem Tobias eindrucksvoll bewiesen.

Rollitanz im Duo

Nach einer Kaffeepause war ich als Politiker gefragt. Wie man Politiker wird und ob man dafür eine spezielle Ausbildung braucht, waren die harmloseren Fragen. Danach ging es Schlag auf Schlag: Warum die Deutschen Truppen in die Kriegsgebiete dieser Welt schicken, ob und wann die NPD verboten wird und was ich davon halte, dass sich die Eltern der Schüler, die  sich zu Hause haben unterrichten lassen (nähere Infos hier), vor Gericht verantworten müssen.

Es kamen aber auch ganz praktische Probleme zur Sprache, dass z. B. Busse und Straßenbahnen mit dem E-Rolli nicht ohne Weiteres genutzt werden können, schlechte Straßen, überhaupt mangelnde Barrierefreiheit. „Engagiert Euch! Kommt mit den Leuten ins Gespräch!“, habe ich da geraten. Nur so können wir die Verantwortlichen dazu bringen umzudenken. Denn eine Stufe ist für jemanden, der laufen kann, kein Problem. Für uns heißt das aber: hier kann ich nicht mitmachen, hier komme ich nicht rein. Das müssen wir bewusst machen.

Eine Frage zeigte übrigens in besonderer Weise, dass Menschen mit Handicap Leute sind wie du und ich: „Ich habe einen Platz in einem Wohnprojekt in Dresden angeboten bekommen. Was gibt es da für Freizeitmöglichkeiten, ist da überhaupt was los?“

In Dresden ist viel los, auch in anderen sächsischen Städten. Sorgen wir dafür, dass auch Menschen mit Behinderung so viel wie möglich teilhaben können – und zwar selbstbestimmt! – am „ganz normalen“ Leben.

Vielen Dank an Kay Uhrig für die herzliche Einladung und alle Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer, die den Nachmittag so lebendig gemacht haben.