Auf Bildungstour im Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

Schon beim Betreten beeindruckt das historische Gebäude. Mit viel Liebe zum Detail wurde der auf den Besucher pompös wirkende Eingangsbereich gestaltet. Der für uns aus heutiger Sicht verschwenderische Luxus war in den Jahren 1888 bis 1895, der Errichtungszeit des damaligen Reichsgerichts, mit immerhin sechs Mio. Deutsche Reichsmark hart an der Grenze „zur Ärmlichkeit“. Im Rahmen des Umbaus und der Sanierung von 1998 bis 2002 wurde von den 95,5 Mio. Euro geplanten nur  65,5 Mio. Euro ausgegeben. Auch so kann es gehen…
Aber nicht nur die Kosten, sondern auch das, was sich in dem Gebäude vollzogen hat und vollzieht, war und ist einem Wandel unterzogen. Während in der Anfangszeit der oberste Gerichtshof des Deutschen Reiches auf dem Gebiet des Zivil- und Strafrechts tätig war, erlangte das Gericht vor allem durch die Reichstagsbrandprozesse der Nationalsozialisten Bekanntheit. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 endete die Tätigkeit des Reichsgerichtes. In der Zeit der DDR befand sich in dem Gebäude unter anderem das Dimitroff-Museum und eine Zweigstelle des Instituts für Länderkunde.
im Großen Verhandlungssaal fand der Reichstagsbrandprozess statt. Heute wird es vor allem für Konzerte und Festlichkeiten genutzt.
Heute beschäftigt sich das Bundesverwaltungsgericht als oberstes Verwaltungsgericht der BRD in der Regel mit Revisionen über die richtige Anwendung des Bundesrechts. Zurzeit befinden sich hier zehn Revisionssenate, ein Disziplinarsenat und zwei Wehrdienstsenate, in denen neben den Vorsitzenden der jeweiligen Senate 56 Richter tätig sind. Allerdings, so wurde uns erklärt, nimmt die Zahl  erstinstanzlicher Verfahren zu. Hierzu gehören u.a. Planfeststellungsverfahren wie betreffend den Flughafen Berlin/Brandenburg, aber auch betreffend die Waldschlößchen-Brücke in Dresden.
Manche Säle werden für Konzerte und Festlichkeiten wie z. B. die Verleihung der „Heißen Kartoffel“ genutzt. Auch der Festakt „20 Jahre Justizstrukturen im Freistaat Sachsen“ wurde hier begangen, ein sehr würdiger Rahmen, wie ich finde.
Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Dr. Lau für die interessante und kompetente Führung, die uns nicht nur Einblicke in die Architektur, sondern auch in die Verwaltungsabläufe gewährte.