Kein Krieg gegen Syrien!

Rede bei der Anti-Kriegs-Kundgebung in Hohenstein-Ernstthal am 11. September 2013 (es gilt das gesprochene Wort!)

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freundinnen und Freunde,

heute ist der 11. September. Heute vor 12 Jahren wurden in den USA vier Flugzeuge von Selbstmordattentätern entführt und auf wichtige zivile und militärische Gebäude gelenkt. Die Ereignisse dieses Tages gingen als Nine-Eleven in die Geschichte ein. Jeder von Ihnen wird sich noch an die Bilder des brennenden World Trade Centers erinnern, die meisten von uns wissen auch heute noch, wo sie am 11. September 2001 waren bzw. was sie gemacht haben.

Die Anschläge verursachten den Tod von etwa 3.000 Menschen und gelten als terroristischer Massenmord.

Als Schuldiger wurde damals Osama bin Laden ausgemacht, der sich unter dem Schutz der Taliban in Afghanistan aufhielt. Seit 2001 stehen westliche Truppen dort im Land. Ihr Ziel war es, den Terror zu bekämpfen und eine Gesellschaft nach westlichem Vorbild zu errichten. Beides ist ihnen bis zum heutigen Tag nicht geglückt. Im Gegenteil: nachdem lange versucht worden war, die Militäraktionen in Afghanistan diplomatisch zu bemänteln, musste auch hierzulande irgendwann von Krieg gesprochen werden.

Die Welt ist keinesfalls einfacher geworden seit damals – im Gegenteil! Schon längst lässt sie sich nicht mehr in gut und böse einteilen. Vielmehr ist sie zu einem komplizierten Gebilde aus gegenseitigen Abhängigkeiten geworden, in dem längst nicht immer klar ist, wer da eigentlich gegen wen in welchem Interesse kämpft. Doch eins hat die Vergangenheit gezeigt: Krieg ist niemals eine Lösung!

2003 wurde der Irak beschuldigt, Chemiewaffen zu besitzen – gefunden wurden sie nie. Trotzdem wurden die diplomatischen Bemühungen am 20. März für gescheitert erklärt, der Irak bombardiert, Saddam Hussein hingerichtet. 2011 zogen die letzten US-Truppen ab, bis heute herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände in dem einstmals modernen Land, über 100.000 Menschen kamen seit 2003 ums Leben …

Und jetzt Syrien. Dass Syrien, im Gegensatz zum Irak, Chemiewaffen hat, steht inzwischen außer Frage. Doch rechtfertigt das einen Militärschlag? Wir sagen ganz klar: nein! Denn ein Angriff trifft immer auch Zivilisten – Männer, Frauen und Kinder! Schon heute fliehen Hunderttausende aus dem Land. Wohin gehen sie? Wohin können sie gehen? Schon jetzt zeichnet sich die nächste humanitäre Katastrophe ab.

Wenn ich sagte, die Welt ist nicht einfach, so sage ich auch: lasst uns ganz genau hinschauen: wer will da kämpfen, warum und wofür?

Sowohl der Irak als auch Afghanistan haben gezeigt, dass es Gesellschaften gibt, die sich aus sich heraus entwickeln müssen, denen unser westliches Bild und Modell nicht gerecht werden kann.

Die Menschen in Syrien müssen die Chance bekommen, sich selbst zu befreien, sich selbst zu emanzipieren

Die einfachen Menschen sind es, die im Falle des Krieges die Last zu tragen haben. Und diese einfachen Menschen sind es, denen wir uns heute hier solidarisch erklären.

Ganz konkret heißt das für uns: ja zu humanitärer Hilfe, nein zum Krieg!

mit dabei waren auch Jörn Wunderlich (MdB), Dr. Gisela Prohatzky, Andreas Salzwedel (Kreisvorsitzender der LINKEN) und Sabine Zimmermann (MdB)