Hohenstein-Ernstthal barrierefrei?

2011 waren wir schon einmal in Hohenstein-Ernstthal unterwegs, um die Stadt auf ihre Barrierefreiheit zu testen. Damals mit dabei: der Beigeordnete Lars Kluge (CDU). Inzwischen ist er Oberbürgermeister. Ein guter Grund, uns anzuschauen, ob sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren noch mehr getan hat.

Schon damals war der Bahnhof barrierefrei gestaltet worden. Diesmal besuchten wir die neu gebaute Sachsenring-Oberschule. Schulleiter Herr Franke und Bauamtsmitarbeiter Herr Schumann erklärten uns Details des Passivhauses.

im Atrium der Sachsenring-Oberschule. V.l.n.r.: Stadtrat Frank Weigel (CDU), OB Kluge, Stadträtin Barbara Müller (DIE LINKE), Herr Schumann vom Bauamt, Karin Kämpf (Ortsvorsitzende DIE LINKE), Schulleiter Herr Franke

Eine spezielle Lüftungstechnik hält Pollen draußen, Referenzmelder schalten Lüftung und Licht aus, wenn sich niemand im Raum befindet. Über einen Aufzug sind alle Etagen barrierefrei erreichbar, es gibt Behindertentoiletten auf jeder Etage, das Atrium ist als Mehrzweckraum gestaltet, sodass auch größere Veranstaltungen dort stattfinden können. Richtig begeistert war ich auch vom Hauswirtschaftsraum, einer voll ausgestatteten Lehrküche, die die Schülerinnen und Schüler gut annehmen.

mit Herrn Franke und Herrn Schumann im Hauswirtschaftsraum

Vor der Schule befindet sich eine große Baustelle, auf der in Kürze eine neue Sporthalle entstehen wird. Auch diese wird barrierefrei gestaltet sein.

die Sporthalle wird so gebaut, dass sie vom oberen Geschoss der Schule aus erreichbar sein wird.

Noch lernen keine Schülerinnen oder Schüler mit Behinderung in der Schule. Sollte aber eine Anfrage kommen, ist alles vorbereitet. Sowohl Treppenstufen sind entsprechend markiert als auch die Räume in Brailleschrift beschriftet. Stromanschlüsse für Hilfsmittel wie Lesegeräte lassen sich ebenso problemlos nachrüsten wie Geräte für die bereits verlegten Induktionsschleifen. Damit ist die Schule fit für die Zukunft.

beidseitige Geländer und deutliche Markierungen an der ersten und letzten Stufe

Ein zweites Beispiel für barrierefreien Umbau bekamen wir im neu gestalteten Textil- und Rennsportmuseum gezeigt. Hier handelt es sich um ein altes Gebäude, in dem umfassend saniert wurde. Dabei wurde zum einen der Eingang verlegt und ein neuer Eingangsbereich geschaffen, sodass der Zugang jetzt ebenerdig möglich ist und ein Lastenaufzug durch einen Personenfahrstuhl ersetzt.

Frau Palm, die Museumsleiterin, zeigte uns alle Etagen, auch die noch zu gestaltende Motorradausstellung. Das Museum wird nach und nach weiter ausgebaut – eine starke Leistung, schließlich wird es durch einen Förderverein betrieben.

die Motorradausstellung wird gerade aufgebaut

Erfahrungen mit Menschen mit Handicap gibt es allerdings schon. So besuchen gern gehörlose Menschen das Museum, in dem u. a. Textilmaschinen ausgestellt werden. „Wenn diese von uns vorgeführt werden, können diese Menschen die Schwingungen erspüren und haben so ein ganz eigene Wahrnehmung“, so Frau Palm.

Frau Palm führt einen alten Webstuhl vor. Die Schwingungen sind auch für gehörlose Menschen wahrnehmbar.

Bei der Auswertung am Ende des Rundgangs betonte Bürgermeister Kluge wiederholt, dass ihm eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Stadträten und den Unternehmen der Stadt und der Region wichtig ist. So wurde eine zusätzliche Bushaltestelle auf dem Gelände der Sachsenring-Oberschule angelegt, sodass die Schülerinnen und Schüler gefahrlos zur Schule kommen. Auch auf das Museum ist Herr Kluge sehr stolz und er hofft, dass es in Zukunft viele Besucher haben wird.

"Wenn man etwas wirklich Gutes haben will, darf man keine Kompromisse machen", so OB Kluge in der Auswertung. Dass das Geld gut angelegt ist, bestätigen auch Herr Schumann vom Bauamt und Stadträtin Barbara Müller

Ich jedenfalls kann beide Objekte nur empfehlen: die Schule als Beispiel innovativer Bauprojekte und die Umsetzung von Barrierefreiheit auf sehr hohem Niveau und das Museum als interessantes Ausflugsziel für Jung und Alt.