Abenteuer auf Schienen

Von Glauchau führte mein Weg nach Borna zu meinem Fraktionskollegen Enrico Stange, verkehrspolitischer Sprecher unserer Fraktion. Unser Vorhaben – das S-Bahnnetz und vor allem die Bahnhöfe auf Barrierefreiheit zu testen.

Auf dem Bahnhof Borna angekommen begrüßten wir den Vorsitzenden des VdK-Ortsverbandes Herrn Stege. Von der Leipziger Volkszeitung wollte Frau Tonne etwas über unser Vorhaben wissen.

Gespräch mit der LVZ (v.l.n.r. VdK-Ortsvorsitzender Bernd Stege, LVZ-Redakteurin Julia Tonne, MdL Enrico Stange und ich)

14.52 Uhr hätte unsere Fahrt in Richtung Neukieritzsch beginnen können – wenn da nicht die S-Bahn auf Bahnsteig 3 eingefahren wäre – für mich unerreichbar über einen Fußgängertunnel mit zahlreichen Stufen hinab und hinauf.

15.22 Uhr hatten wir mehr Erfolg, die S-Bahn fuhr auf Bahnsteig 1 ein. Erreichbar aber nicht mit dem gleichen Höhenniveau von Bahnsteig und Zug. Dennoch nach dem Betätigen eines entsprechenden Klingelknopfes kam sofort ein Zugbegleiter und legte eine Rampe an, über die ich in das Abteil gelangen konnte. Mein Eindruck vom Inneren des Zuges positiv – ein gut erreichbarer Platz für Rollstuhlfahrer, behindertengerechtes WC, gut sichtbare Anzeigen zu den einzelnen Stationen ebenso wie gut hörbare Hinweise zu den Stationen und Ausstiegsmöglichkeiten.

In Neukieritzsch angekommen musste ich wieder per angelegter Rampe die Bahn verlassen. So weit so gut. Aber nun wollten wir per Bahn wieder zurück nach Borna – zwischen uns und dem zu erreichenden Bahnsteig Gleise und Treppen.

Gut das wir mit Enrico einen ortskundigen Begleiter dabei hatten. Denn von Wegweisern keine Spur. Über einen holprigen Weg kam ich auf den Fußweg entlang der viel befahrenen Bundesstraße. Auf der anderen Seite die Unterführung ohne Stufen, die uns zu dem ersehnten Bahnsteig bringen sollte.

Da kein Fußgängerübergang (meiner Meinung dringend notwendig) vorhanden war, machten wir uns beherzt und der Gefahren bewusst an die Überquerung der Straße. Dann weiter durch die nichtbeleuchtete Unterführung deren Steigungen schon einiges an körperlicher Kondition von mir abverlangte.

Angekommen auf dem Bahnsteig war die S- Bahn weg. Also 25 Minuten gedulden bis die nächste kam. Diesmal ging es auf Grund des gleichen Höhenniveaus von Bahnsteig und Zug leichter und vor allem ohne Hilfe mit dem Einsteigen.

In Borna hieß es Aussteigen auf dem Mittelbahnsteig, denn der Zug endet hier. Nun beginnt das eigentliche Dilemma – da stand ich nun und konnte nicht weiter  – vor mir Treppen und hinter mir  nichts. Zugegeben ich war vorgewarnt und bekam durch Enrico schon gesagt, das man in Borna Reisenden mit Rollstuhl oder Rollator den Hinweis gibt bis Geithain zu fahren und von dort wieder nach Borna um so auf den Bahnsteig 1 anzukommen, von dem aus den Bahnhof mehr oder weniger barrierefrei verlassen kann.

Unmöglich die Situation und nicht hinnehmbar! Aber da ich mich nun auf das „Abenteuer“ eingelassen hatte, hieß es erst einmal 30 Minuten warten auf die nächste Bahn nach Geithain. Einstieg wieder unkompliziert und Ausstieg nach Ankunft in Borna auf Bahnsteig 1 mit Rampen meisterbar.

Fazit: für ca. maximal 30 km Borna – Neukieritzsch – Borna benötigten wir 2 Stunden Warte- und Zugfahrzeit.

Mein ausdrücklicher Dank gilt den hilfsbereiten Zugbegleitern – die mir die notwendige Unterstützung beim Ein- und Aussteigen gaben.

Dennoch in Sachen barrierefreier ÖPNV und der gleichberechtigten Teilhabe aller gibt es in Sachsen noch viel zu tun. An erster Stelle ist die Deutsche Bahn als Eigentümer und Betreiber in der Pflicht. Und die Aussicht auf Veränderungen in Borna im Jahr 2020 ist weder für die Rollstuhlfahrer noch auf die auf einen Rollator angewiesenen Reisenden noch auf die älteren Bürgerinnen und Bürger mit schweren Gepäck sowie für die Muttis und Vatis mit Kinderwagen tröstlich. Hier heißt es sofort handeln!

Ich bedanke mich bei Enrico Stange für  das „Abenteuer auf Schienen“,  das mir einiges abverlangte aber zugleich für meine Tätigkeit als behindertenpolitischer Sprecher wichtig war. Ich denke aber auch für ihn als Verkehrspolitiker.