Vor Ort in Meerane

„Wie Barrierefrei ist meine Stadt?“ – unter diesem Thema besuchte ich am 21.05.2015 die Stadt Meerane.

Bevor wir uns aber auf die Spuren der Barrierefreiheit begaben, nahm ich die Möglichkeit wahr, die Bürgerheim Meerane gemeinnützige GmbH gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Meerane, Lothar Schilling, zu besuchen.

Nach der freundlichen Begrüßung durch die Geschäftsführerin Frau Ursel informierte ich mich im anschließenden Gespräch über die Pflegeeinrichtung und bestehende Probleme bei denen vor allem die Politiker gefragt sind.

Vor allem bat Frau Ursel, sich gegen die zunehmende Bürokratisierung der Pflege stark zu machen. Auch habe sie den Eindruck, dass bei Kontrollen mehr Wert auf die Dokumentation als auf die Betreuung und Pflege der Menschen gelegt würde. Einig waren wir uns, dass Kontrolle sein muss, aber wenn schon Kontrolle dann sollte diese sich nicht nur damit beschäftigen was dokumentiert ist, sondern damit wie die Pflege und die Betreuung der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner erfolgt. Kritik wurde auch am sogenannten Pflege TÜV  geübt, der in seiner jetzigen Form der Bewertung sowohl für den Bewohner als auch für die Angehörigen nicht aussagekräftig ist.

Im Gespräch mit der Geschäftsführerin Frau Ursel und dem Stadtrat Lothar Schilling

Im Gespräch und im anschließenden Rundgang wurde deutlich, dass sich hier eine engagierte Leiterin und ein ebenso engagiertes Team mit Herz und Verstand und mit viel Liebe und Hinwendung um die Bewohnerinnen und Bewohner, deren Befinden und ihre täglichen Belange kümmern.

Ich bedanke mich bei Frau Ursel recht herzlich für die freundliche Aufnahme und ihre gemeinsam mit dem gesamten Team geleistete Arbeit, die man nicht hoch genug schätzen kann.

Punkt 13.30 Uhr trafen wir uns auf dem Meeraner Markt mit dem Bürgermeister der Stadt Meerane Prof. Dr. Lothar Ungerer.

Bevor wir uns auf den Weg machten, wurde mir überraschender Weise durch den Bürgermeister die Aufgabe zuteil, den Lesesommer 2015 mit der Eröffnung eines öffentlichen Bücherschranks zu eröffnen.

Mit dem Bürgermeister Prof. Dr. Ungerer (links) und den Stadträten Herrn Sommer, Frau Martens und Herrn Schilling

Mit Freude nahm ich diese Aufgabe wahr und stellte das erste Buch in den öffentlichen Bücherschrank, eine eigens von der Telekom gekaufte Telefonzelle. Ich finde das eine sehr gute Idee und hoffe, dass die Meeranerinnen und Meeraner ihren öffentlichen Bücherschrank gut annehmen.

Vor den öffentlichen Bücherschrank mit der Leiterin der Bibliothek Frau Albrecht (Mitte) und Prof. Dr. Ungerer (links)

Dann war es so weit und wir begaben uns mit den Stadträten Frau Martens (FDP), Herrn Schilling (DIE LINKE) und Herrn Sommer (Meeraner Bündnis) sowie Mitarbeitern der Abteilung Planung und Bau (Frau Könnemann) sowie Öffentlichkeitsarbeit (Frau Hönsch) auf den Weg durch die Innenstadt.

Den ersten Halt legten wir am Heimatmuseum im Alten Rathaus ein. Für mich die erste Barriere weil dieses wegen der Stufen nicht erreichbar ist.

Ich weiß, dass sich hier die Stadtverwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze schon länger Gedanken machen wie dies verändert werden kann. Dies ist ein deutliches Beispiel wie Denkmalschutz und umfassende Barrierefreiheit aufeinander treffen, wobei man anmerken muss, dass sich der Denkmalschutz in den letzten Jahren durchaus aufgeschlossener gegenüber Fragen der barrierefreien Gestaltung zeigt.

Dort wo im innerstädtischen Bereich neu gebaut und gestaltet wurde so z. B. das Areal um den Sammelmarkt, der Marktplatz, die neuerrichteten Gebäude der Bibliothek und des Kunsthauses am Markt erscheinen  Belange der Barrierefreiheit beachtet (was die Bedarfe von Menschen mit geistigen, seelischen oder/und Sinnesbeeinträchtigungen anbelangt, bleibt die Einschätzung noch insofern offen als Experten in eigener Sache leide nicht anwesend waren; dazu findet sich bestimmt noch Gelegenheit…).

Mit Prof Dr. Ungerer vor dem Kunsthaus am Markt

Und dennoch,  an der einen oder anderen Stelle könnten durch farbliche Absetzung von Pflastersteinen und aufgestellte Straßenmöbel noch bessere Bedingungen für Menschen mit Behinderungen aber auch Seniorinnen und Senioren geschaffen werden können.

Der Weg vom oberen Teil der Stadt zum Neuen Rathaus über die Badener Straße war  sehr beschwerlich. Nicht nur durch das Gefälle sondern vor allem durch die verlegten Granitplatten die im Laufe der Jahre mehr oder weniger unterschiedliche Höhen erreicht haben.

Badener Straße mit Frau Könnemann und Frau Hönsch (von links nach rechts)

Nach dem Rundgang trafen wir uns im neuen Rathaus zu einer Auswertung. Es überrascht mich schon,  dass der Bürgermeister mit seiner Verwaltung gern schneller und mehr in Sachen Barrierefreiheit unternehmen würde. Bei Neubau sei das in aller Regel unproblematisch. Bedauert und kritisiert wurde dass  bei der Umgestaltung vorhandener Einrichtungen oder Anlagen kaum oder gar keine  Fördermittel mehr durch den Freistaat zur Schaffung von Barrierefreiheit zur Verfügung gestellt werden.

Ich danke dem Bürgermeister Prof. Dr. Ungerer, seinen teilnehmenden Verwaltungsmitarbeiterinnen und den uns begleiteten Stadträten für ihre Bereitschaft und Aufgeschlossenheit  und wünsche ihnen allen für die Zukunft viel Erfolg, insbesondere auf dem Weg hin zur inklusive Gesellschaft und somit beim weiteren Abbau der Barrieren, die bisher noch all zu oft die Teilhabe an den unterschiedlichsten Dingen des gesellschaftlichen Lebens verhindern. Meine Unterstützung hierbei sage ich auch weiterhin zu.