Über Barrierefreiheit und Inklusion

Schränkt das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt die Bewegungsfreiheit ein? Ist das noch nicht entfernte Laub auf Gehwegen ein Problem? Stören Werbeaufsteller vor Geschäften, die Außenbestuhlung vor Cafés und Restaurants oder falsch geparkte Autos mein Fortkommen?

Die meisten Menschen würden diese Fragen wahrscheinlich mit „Nein“ beantworten. Für Menschen mit Behinderung – zum Beispiel Rollstuhlfahrer, Blinde oder Taube – sind dies aber alltägliche Hindernisse, welche die Bewegungsfreiheit einschränken. „Aber Mütter und Väter mit Kinderwägen kennen diese Sorgen auch“ – so Horst Wehner.

Ist das Pflaster nicht ordentlich verfugt, können sich die Räder eines Rollstuhls dort festfahren. Liegt im Herbst eine dichte Laubdecke auf den Gehwegen, können Kanten und Absätze nicht gesehen werden. Und Werbeaufsteller, Außenbestuhlung oder falsch geparkte Autos erzeugen oftmals schmale Lücken, die ein Fortkommen mit dem Rollstuhl unmöglich machen.

„Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen besagt, dass Barrieren, die mich zusätzlich zu meiner körperlichen Einschränkung behindern, weg müssen“ – unterstrich Horst Wehner. Dies muss sich vor allem in der Planung von Gebäuden niederschlagen. Wenn die Belange von behinderten Menschen bereits bei der Planung Berücksichtigung finden, zieht auch nicht mehr das gern gehörte Argument, dass dann alles viel teurer wird. Barrierefreiheit umfasst aber mehr. Neben der Gestaltung von baulichen Anlagen geht es auch um die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen oder die Bereitstellung von akustischen Informationsquellen für Blinde und Gehörlose.

Seit Jahren ist Horst Wehner „Auf den Spuren der Barrierefreiheit“ in Sachsen unterwegs. Anhand zahlreicher Fotos zeigte er, auf welche Probleme er immer wieder stößt bei seinen Besuchen in den Städten und Gemeinden. Er möchte die Verantwortlichen vor Ort dafür sensibilisieren, den Begriff Inklusion mit Leben zu erfüllen. Inklusion heißt, dass Menschen mit Behinderungen elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Und gelebte Inklusion stärkt die Selbstkompetenz der Betroffenen und soll ihnen eine selbstverständliche und umfassende Teilhabe ermöglichen.