Kultur und Integration

Wie gut beides zusammengeht, durfte ich am 31. Oktober in Langenbernsdorf erleben. Unter dem Motto „Ein Dorf singt!“ hatte sich ein großer Projektchor mit über 70 Mitwirkenden zusammengefunden, dem neben dem Männergesangsverein Langenbernsdorf e. V. auch zahlreiche weitere Bürgerinnen und Bürger aus Langenbernsdorf angehörten. Unterstützt wurden sie von zwei Profisängern sowie der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach.
Schon aus musikalischer Sicht war es ein gelungener Abend, der aber auch darüber hinaus etwas Besonderes war. Auf Einladung des Männergesangsvereins gehörten auch in Werdau lebende Geflüchtete zu den Gästen. Die Sprachbarriere war schnell überwunden, was besonders bei der kleinen Feier nach dem Konzert deutlich wurde. Obwohl in ihrem Kulturkreis (Syrien, Afghanistan, Pakistan) andere Klänge gewohnt, waren sie vom Konzert sehr angetan. Höhepunkt der kleinen Feier waren dann auch ohne Zweifel die von den Geflüchteten dargebotenen Lieder aus ihrer Heimat. Hier zeigte sich, wie viel Musik vermag. Überall in der Welt und schon immer ist Musik mit dem religiösen, politischen und sozialen Leben verknüpft. Sie unterhält, sie gibt Kraft, sie verbindet Menschen. Es ist also ein richtiger Ansatz über gemeinsames Musizieren die neuen Nachbarn einzubeziehen.

Ich freue mich sehr, dass es auch in Langenbernsdorf, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden auch, ein breites Bündnis der Willkommenskultur gibt. Gemeinsam werden wir in der Lage sein, die Herausforderung, die mit den vielen neuen Nachbarn verbunden sind, zu meistern. Musik und Sport werden dabei helfen Brücken zu bauen.
Gleichzeitig ärgert es mich immer wieder, wenn ich von fremdenfeindlichen Übergriffen und rassistischer Hetze gegen Geflüchtete und Asylbewerber sowie gegen Helfende lese oder höre, wie nun leider auch aus Langenbernsdorf. Keine Region scheint derzeit dagegen immun zu sein. Wird diese Hetze gegen und Verleumdung der Geflüchteten noch dazu anonym verbreitet, ist auch ein Diskurs zu Fragen und Unsicherheiten nicht führbar. Die aktuellen Bestrebungen Langenbernsdorfer Institutionen, Vereine und Initiativen anonymer Hetze ein Zeichen der Menschenachtung entgegenzusetzen, begrüße ich ausdrücklich. Keiner muss befürchten, dass ihm etwas weggenommen wird, wenn in der Nachbarschaft Geflüchtete eine warme Unterkunft bekommen und wir ihnen helfen, sich hier zurecht zu finden und die traumatischen Erlebnisse in ihrer von Terror und Bürgerkrieg zerstörten Heimat zu verarbeiten. Bereiten wir ihnen eine gute Ankunft in unserem Land. Denn das Leben mit den neuen Nachbarn wird uns reicher und nicht ärmer machen. Wir werden voneinander und miteinander leben und lernen und unsere Gesellschaft bunter machen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Kraft und Mut bei der Bewältigung der Herausforderungen und eine besinnliche, gute, wärmende Adventszeit!