Weihnachtlicher Betriebsausflug mit Hindernissen

Weihnachtszeit – besinnliche Zeit, so sollte es eigentlich sein. Doch in der Realität sieht es meist anders aus. Hektische Geschäftigkeit ist an der Tagesordnung, es scheint mehr Termine als sonst im Jahr zu geben und dann sind da noch all die Dinge, die unbedingt noch vor den Feiertagen erledigt werden müssen…. Das ist bei mir und meinem Team nicht anders. Dennoch oder eigentlich gerade darum lud ich kurz vor dem 3. Advent mein Team aus meinen Büros in Dresden, Glauchau und Kirchberg zu einem Ausflug „Auf den Spuren der Barrierefreiheit“ ins weihnachtliche Erzgebirge ein. Meine Arbeitsthemen sollten mit neuen Eindrücken, Wissenswertem und natürlich auch gutem Essen unterhaltsam und unverkrampft verknüpft werden. Letzteres gelang nicht gänzlich, denn da ist ja immer die Sache mit der Barrierefreiheit…

im Hammerwerk

Wir starteten mit einem Besuch im Frohnauer Hammer, ein kleiner in Familienbesitz befindlicher Schmiedebetrieb, der von 1621 bis 1904 Werkzeuge für den Bergbau aber auch Münzen herstellte. Mehr zur Geschichte des Frohnauer Hammers finden sich hier. Eindrucksvoll zu sehen, unter welchen Bedingungen die Menschen damals arbeiten mussten. Neben dem Historischen Hammerwerk und der Ausstellung der Erzeugnisse gibt es auch noch den die Galerie mit Sonderausstellung mit dem alten Heimatberg zu sehen. Dieser gibt einen Einblick in die 500 Jahre alte Bergbaugeschichte.

Dritte Station ist das Hammerherrenhaus mit der Klöppelstube. Hammerwerk und Heimatberg waren sehr eindrucksvoll, wenn auch für Menschen mit Gehbehinderung nur mit Schwierigkeiten zu besichtigen. Vom Hammerherrenhaus konnte mir nur mein Team berichten, für Rollstuhlfahrer gibt es derzeit noch keine Möglichkeit und so waren wir schon bei der ersten Etappe unseres Ausflugs mitten in meinem Thema: Barrierefreiheit. Im Gespräch mit einem Museumsmitarbeiter erfuhren wir, dass ein Aufzug am Herrenhaus geplant ist, sollte es mit der „Montanregion Erzgebirge“ als Weltkulturerbe klappen. Dann sollen 2017 die Bauarbeiten beginnen und dafür sorgen, dass auch Menschen mit Gehbehinderung alle Stationen des Technischen Museums erreichen können. An dieser Stelle möchte ich auf das Projekt „Lieblingsplätze für alle“ hinweisen, mit welchem Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit mit Kosten bis 25.000 € gefördert werden.

Neinerlaa - so schauts aus, wenns serviert wird

Hungrig und durchgefroren kamen wir dann an unserer zweiten Etappe an, dem Ratskeller „Zum Neinerlaa“ in Annaberg-Buchholz. Das Essen war lecker und bei ein paar Spielen und dem Tausch von Geschenken verging die Zeit wie im Flug. Doch auch hier stellte uns die mangelnde Barrierefreiheit vor einige Herausforderungen.

Man kann Annaberg-Buchholz nicht besuchen, ohne auch einen Blick in die St. Annenkirche zu werfen. Mit 65 Metern Länge und 40 Metern Breite ist sie die größte sächsische Hallenkirche und wurde ab 1499 zunächst als Katholische und ab 1539 als evangelisch-lutherische Kirche genutzt. Beeindruckend die Architektur mit Elementen der Spätgotik und der Renaissance sowie die Altäre, die einerseits die Geschichte der Geburt Jesu und andererseits die Geschichte des Silberbergbaus der Region erzählen. Die Schutzheilige der Bergleute, die Heilige Anna, ist Namensgeberin der Kirche, die einen Besuch lohnt und gerade auch mit dem Klang ihrer Orgel zum Verweilen einlädt.

St. Annenkirche mit Blick auf Deckengestaltung und Orgel

Die letzte geplante Station, ein Besuch im Erzgebirgsmuseum musste dann leider entfallen – und wieder war die fehlende Barrierefreiheit der Grund. Es zeigte sich mal wieder, wie weit wir in Sachsen davon entfernt sind, die UN-Behindertenkonvention umzusetzen, wonach jede und jeder selbstbestimmt und ohne auf Hilfe anderer angewiesen zu sein alle Einrichtungen, Museen usw. besuchen kann. Da ist noch viel zu tun und so war dieser sehr schöne Tag mit meinem Team eben doch nicht so ganz frei von Arbeitsthemen. Doch es ist uns Ansporn, weiter für Barrierefreiheit und somit die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zu kämpfen und allen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.