Gewalt ist nie privat! Gewalt ist eine Straftat!

So lautet die zentrale Botschaft der Ausstellung „Häusliche Gewalt – hinter verschlossenen Türen“, die am 11. März im Sächsischen Landtag eröffnet wurde. Die Ausstellung konzipierten und setzten um Sahra Buddeberg, stellvertretende Vorsitzende und Sprecherin für Gleichstellungs- und Queerpolitik der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, sowie Dr. Cornelia Ernst, MdEP DIE LINKE. im Europaparlament, gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

v. l. n. r. Dr. Cornelia Ernst, MdEP, Sarah Buddeberg, MdL und Horst Wehner

Laut Statistik ist jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen. Das legt nahe, dass jeder von uns Frauen kennt, die Opfer häuslicher Gewalt waren oder sind. Dabei dürfte die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher sein, werden doch viele Fälle gar nicht öffentlich, werden nicht angezeigt. Wesentlichste Ursache hierfür ist Scham, denn auch heute gilt häusliche Gewalt als Tabuthema. Unbestritten ist, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt sein können. Allerdings sind nur etwa 5 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt Männer und somit 95 Prozent Frauen. Somit, so Sarah Buddeberg, sei es durchaus legitim, sich bei dem Thema bevorzugt auf Frauen zu konzentrieren und sie in den Mittelpunkt zu stellen. Es sei wichtig, und das teile ich ausdrücklich, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und den Opfern zu zeigen, dass sie nicht alleingelassen werden und es Hilfemöglichkeiten gibt, sich aus dieser Situation zu befreien.

Auch Dr. Cornelia Ernst verwies darauf, dass nur ein Bruchteil gerade auch von Vergewaltigungen angezeigt wird. Nur etwa 13 bis 14 Prozent der in der EU lebenden Frauen melden es der Polizei, wenn sie Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Die Gründe hierfür liegen unter anderem in der verbreiteten Tabusierung des Themas und der Tatsache, dass Gewalt und sexualisierte Gewalt immer wieder als Privatangelegenheit behandelt wird. Bei intensiverer Auseinandersetzung mit dem Thema wird deutlich, dass veraltete Rollenbilder strukturelle Ungleichheiten verfestigen und letztlich Gewalt gegen Frauen bedingen können. Dr. Cornelia Ernst sagte klar: Gewalt ist weder Privatsache noch selbstverschuldet. Häusliche Gewalt ist eine Straftat. Sie bedeutet eine Verletzung der Grundrechte und die Opfer dürfen nicht allein gelassen werden. Hierzu gibt es auch auf EU-Ebene verschiedene Maßnahmen. Hierzu gehören die EU-Opferschutzrichtlinie (2012/29/EU) und das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Leider ist der Umgang mit dem Thema in den einzelnen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich. Es ist darum wichtig, Gewalt gegen Frauen als gesamtgesellschaftliches Problem zu erkennen und den Opfern so lange Hilfe zu gewähren, wie dies nötig ist. Dazu gehört auch, dass Frauenschutzhäuser und Antigewaltprojekte Pflichtaufgaben in jedem Mitgliedsstaat werden müssen. Das gilt auch für Deutschland, denn auch hier zählt die Unterhaltung von Einrichtungen des Opferschutzes zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen. Das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass Frauenschutzhäuser, die in dem einen Jahr noch Fördermittel bekamen im Folgejahr vor dem Aus stehen können, wenn die Kommune diese Kosten nicht mehr tragen kann – oder will.

Dr. Cornelia Ernst bei der Eröffnung der Ausstellung. Rechts Sarah Buddeberg

Die aus zehn beidseitig bedruckten etwa menschengroßen Tafeln bestehende Ausstellung gibt einen Einblick in das Thema häusliche Gewalt und vermittelt zusammen mit der Begleitbroschüre viele Hintergrundinformationen. Und sie gibt Hinweise, welche Hilfemöglichkeiten

Blick auf Teile der Ausstellung

Opfer häuslicher Gewalt erhalten können, um sich aus dieser Situation zu befreien. Die Ausstellung wird in den Landkreisen Sachsens zu sehen sein, im Landkreis Zwickau in der Zeit vom 23. Mai bis 10. Juni. Ich wünsche der Ausstellung viel Erfolg und eine breite Öffentlichkeit und den von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und Männern den Mut und die Kraft, sich aus dieser Lebenssituation zu befreien.