Kriegsgefangenenlager Zeithain – damals und heute

Noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion im April 1941 errichteten die Nationalsozialisten auch bei Riesa ein Kriegsgefangenenlager. Zunächst bestand es nur aus einem von Stacheldraht umgebenem Areal, auf dem die sowjetischen Kriegsgefangenen keinerlei Schutz hatten. Ab Juli errichteten die Gefangenen zunächst feste Unterkünfte für die Wachmannschaften und ab September ihre eigenen Baracken. Wirklich fertig war das auf 30.000 Gefangene ausgelegte Lager erst Ende 1942, ab Februar 1943 wurde es als „Kriegsgefangenen-Reservelazarett Zeithain“ geführt. Bis Oktober 1943 waren hier ausschließlich sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, danach kamen auch serbische, italienische, britische, französische und polnische Gefangene ins Lager. 25.000 bis 30.000 sowjetische und mehr als 900 Kriegsgefangene anderer Länder überlebten das von Hunger und katastrophalen hygienischen Bedingungen geprägte Lagerleben nicht. Auf vier in der Nähe des ehemaligen Lagergeländes am Bahnhof Jacobsthal befindlichen Friedhöfen sind sie begraben.

Gedenkveranstaltung im Ehrenhain Zeithain

Jetzt, 71 Jahre nach der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers befindet sich auf dem Areal eine Gedenkstätte mit Dauerausstellung im Dokumentenhaus und einer ehemaligen Lagerbaracke. Gerade für Angehörige ehemaliger Lagerinsassen ist so ein wichtiger Ort entstanden, um mehr über ihr Leben, Leiden und oft auch Sterben im Lager zu erfahren. Gleichzeitig dient dieser Ort heute auch als Informations- und Bildungsstätte.

Das Wissen um die Geschichte und die Gräueltaten der Nationalsozialisten scheinen heute wichtiger denn je. Heute, wo wieder nationalistische Interessen in Deutschland und ganz Europa immer weiter in den Vordergrund rücken und die Angst vor fremden Kulturkreisen, anderen Religionen und Menschen ferner Länder zu Hass und Terror gegenüber Geflüchteten führen, dürfen wir unsere eigene Geschichte und insbesondere jenes dunkle Kapitel der NS-Diktatur nicht vergessen. Und so war es mir Ehre und Bedürfnis zugleich am diesjährigen Gedenken an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers teilzunehmen. Besonders berührend waren einmal mehr die Erzählungen der Angehörigen jener, die hier eingepfercht und all zu oft ihr Leben ließen. Sie sind Erinnerung und Mahnung zugleich, diesen menschenverachtenden Hass auf andere nicht wieder zuzulassen.