„Auf den Spuren der Barrierefreiheit“

bin ich häufig in Sachsen unterwegs. Was liegt da näher, als dies auch in Kirchberg zu tun, wo seit einigen Monaten mein zweites BürgerInnenbüro, das politiKKontor, sein Domizil gefunden hat.

Kirchberg, das ist die Stadt der sieben Hügel am Westrand des Erzgebirges und besitzt seit 1310 das Stadtrecht. Rund 8500 Menschen leben in Kirchberg und seinen Ortsteilen Burkerdorf, Wolfersgrün, Leutersbach, Saupersdorf, Stangengrün und Cunersdorf; größter Arbeitgeber ist die Behr Kirchberg GmbH. Im Sommer 2015 erhielt Kirchberg den Titel „Familiengerechte Kommune“ und verfolgt auch weiter das Ziel, Familiengerechtigkeit und Inklusion in der Stadt zu leben und dafür auch die ortsansässigen Unternehmen zu sensibilisieren.

Nun lässt allein die geografische Lage der am Rande des Erzgebirges und sich über sieben Hügel erstreckenden Stadt erahnen, dass dem Ziel der Barrierefreiheit einige natürliche Grenzen gesetzt sind. Hügel gerade im Gebirge lassen sich nicht so ohne Weiteres abtragen und das ist ja auch nicht das Ziel. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die auch in schwierigem Gelände möglich sind und kurz- bis mittelfristig angegangen werden können.

Traditionell lade ich zu Rundgängen durch Städte und Gemeinden Fraktionsvorsitzende, BürgermeisterInnen sowie weitere MitarbeiterInnen der Verwaltung, Behindertenebauftragte und Vereine ein. So auch zu unserem Rundgang durch Kirchberg. Die im Rat vertretenen Fraktionen nahmen die Einladung ebenso an, wie Bürgermeisterin Dorothee Obst und die für die Belange der Barrierefreiheit zuständige Mitarbeiterin Hellge-Raazeck und der Blinden- und Sehbehindertenverband. Noch vor Beginn unseres Rundgangs brachte Bürgermeisterin Obst zum Ausdruck, dass sie sich über diese Gelegenheit sehr freue, da Kirchberg den Weg  zu einer familienfreundlichen und inklusiven Stadt konsequent weitergehen will, und dabei für jeden Hinweis dankbar sei. Auf dem erworbenen Titel wolle man sich nicht ausruhen.  Ein guter Vorsatz, den ich mir auch in anderen Kommunen wünschen würde, denn es geht nicht darum jemanden vorzuführen. Vielmehr ist mein, ist es unser Ziel zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass Barrierefreiheit allen nützt. Auf dem Rundgang sind uns dann einige Dinge begegnet, die mit geringem Aufwand verändert werden können. Dazu gehören etwa die Begrenzungen von Stellplätzen oder die Unterteilung von Straße und Fußgängerbereichen am Boden deutlicher sichtbar zu machen oder an Ampelanlagen den Tongeber auch anzuschalten, Treppenstufen farblich hervorzuheben. Wesentlich mehr Aufwand ist erforderlich, schmale Fußwege zu verbreitern oder Fußwege in Haltestellen höher zu legen, um das Aussteigen zu erleichtern oder Blindenleitsysteme zu integrieren.

Sehr interessant war die Vorstellung des geplanten Wohnprojekts der Lebenhilfe Westsachsen e. V., welches am Altmarkt 18/20 entstehen und aus alter Bausubstanz kombiniert mit einem Neubau entstehen soll. Acht Wohneinheiten sollen dort Einzelpersonen oder Wohngruppen Menschen mit Beeinträchtigungen ein neues Zuhause geben. Herausforderung ist hier die örtliche Gegebenheit mit dem sehr steilen Altmarkt und mit seinem historischen Pflaster. Hier müssen Lösungen gefunden und umgesetzt werden, die barrierefreie Zugänge und entsprechende Verkehrsanbindung für Bewohner und BesucherInnen der Begegnungsstätte zu ermöglichen. Ich hoffe und wünsche dem Projektträger sehr, dass das gelingt.

Dem Stadtrundgang schließt sich traditionell eine Auswertungsrunde an. In Kirchberg verbanden wir das mit einem Besuch der Behindertenwerkstatt in der Bahnhofstraße 18, einer Einrichtung der Behindertenwerkstadt Reinsdorf gGmbH. Die dort Beschäftigten erledigen vor allem für MALE Behr GmbH verschiedene Aufträge im Bereich der Kühl- und Luftpumpentechnik. Träger ist auch hier die Lebenshilfe Westsachsen e. V. Es war beeindruckend mit welcher Begeisterung und Enthusiasmus die hier Beschäftigten sich engagieren. Sie sprachen von großem Respekt über die Arbeit der ArbeiterInnen in der MALE Behr GmbH. Au den Weg zu den Leuchttürmen der Industrie, die eine inklusive Arbeitswelt leben, ist noch ein weiter Weg. Ein positives Beispiel hierfür sei die BASF AG in Rheinland-Pfalz genannt.

Schon zu Anfang habe ich erwähnt, dass ich regelmäßig in Sachsen auf den Spuren der Barrierefreiheit unterwegs bin. Immer sind die Fraktionen in den Stadtparlamenten, BürgermeisterInnen und weitere Mitarbeiter der Verwaltungen eingeladen. Nicht immer wird die Einladung von allen angenommen. Das war in Kirchberg anders.  Wirklich aus allen im Rat vertretenen Fraktion nahm ein Vertreter an unserem Rundgang teil und alle, einschließlich der Bürgermeisterin Frau Obst als auch der Projektleiterin für Barrierefreiheit Frau Hellge-Raazeck, zeigten sich unseren Hinweisen auch und gerade zu notwendigen baulichen Veränderungen ausgesprochen aufgeschlossen. Das ist mir in diesem Maße nicht immer so begegnet und es freut mich daher ganz besonders.

An dieser Stelle möchte ich auch Uwe Adamczyk, Vorsitzender des Kreisverbandes Zwickau des VdK und Andre Brendl vom Blinden- und Sehbehindertenverband Zwickau für die Unterstützung und Beratung auf unserem Stadtrundgang sehr, sehr herzlich danken.