25 Jahre Suchtprävention in Sachsen

Es gibt viele verschiedene Formen von Sucht – angefangen von Alkoholsucht über Drogen- und Spielsucht bis hin zur Arbeitssucht (Workaholic) um nur einige zu be-nennen. Eines haben sie alle gemeinsam: Die Sucht zerstört das eigene Leben, belastet Freunde und Verwandte und zerstört oft ganze Familien. Alkohol, Droge Nummer eins und legal in jedem Supermarkt zu haben, steht dabei an erster Stelle. Wer abhängig ist, ist krank und hat nur ein Ziel, sich die nächste Dosis seiner persönlichen Droge zu verabreichen. Alles andere tritt in den Hintergrund, Familie, Freunde, Arbeitsplatz – all das ist nicht mehr so wichtig wie der Gegenstand der Sucht. Und obgleich wir in Sachen Aufklärung schon weit sind und eigentlich bekannt ist, dass eine Sucht eine Krankheit ist, werden Betroffene noch immer schief angeschaut, rümpfen Mitmenschen die Nase. Der Säufer, der Junky – so häufig verwendete, dem Problem wenig gerecht werdende Bezeichnungen für suchtkranke Menschen, die zudem alles andere als hilfreich sind und die Betroffenen und auch ihre Angehörigen stigmatisieren. Im Falle von Alkohol als Substanz ist die schädliche Wirkung bekannt und – da legal – wird hier sichergestellt, dass keine Stoffe enthalten sind, die da nicht hineingehören und so zusätzliche Gefahren bergen. Die Verunreinigungen in Weinen des Meisner Anbaugebietes zeigen, wie wichtig die Kontrolle auf Reinheit ist. Bei illegalen Drogen sieht das anders aus. Die ohnehin gefährlichen Substanzen werden in illegalen Drogenlaboren oder Drogenküchen hergestellt, die keinen Hygienestan-dards unterliegen und im Bestreben nach höchstmöglichem Gewinn mit den illegalen Substanzen, werden die Wirkstoffe mit allem möglichen Dreck gestreckt und geraten so zu einem unkalkulierbaren tödlichen Risiko. Die Sucht zu besiegen und abstinent zu leben, ist ein langer und schwieriger Weg an dessen Anfang die Selbsterkenntnis steht: Ja, ich bin abhängig. Und wer beispielsweise mit trockenen Alkoholikern spricht weiß, dass der Kampf ums Trockenbleiben jeden Tag aufs Neue geführt und gewonnen werden muss. Hierfür gebührt jedem Suchtkranken – krank bleibt man ein Leben lang auch wenn man abstinent lebt – allerhöchster Respekt. Kommentare wie, „na früher warste lustiger“ oder „na ein Bierchen wird schon nicht schaden“, sind nicht nur taktlos sondern außerordentlich geschmacklos und alles andere als hilfreich. Den Weg aus der Sucht finden viele durch Beratungsstellen für Suchtkranke, die es in jeder Stadt in unterschiedlicher Trägerschaft gibt. Diese Beratungsstellen beraten nicht nur Suchtkranke und ihre Angehörigen und Freunde sondern kümmern sich auch um Prävention und klären über die Wirkungsweise von Substanzen auf.
Ein Verein hat sich in Sachsen ganz besonders um die Suchtprävention verdient gemacht. Die Gesellschaft gegen Alkohol- und Drogengefahren Sachsen feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Jubiläum. Das ist nicht nur ein besonderes Ereignis für den Verein, sondern für alle, die sich in der Suchthilfe engagieren und durch ihre Arbeit und ihren Einsatz einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Suchtprävention gelegt haben.

In Vertretung durfte ich am 20. Mai 2016 die Grüße und die hohe Wertschätzung des Präsidenten und der Abgeordneten des Sächsischen Landtags überbringen. Denn neben den Vertretern der Selbsthilfe und professionell Tätigen, wie Ärzten, Psychologen, Suchttherapeuten und Sozialpädagogen, sind auch unsere Landespolitiker mehr denn je mit der Stärkung der Suchtprävention befasst. Nie zuvor ist das Thema Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe für die sächsische Landespolitik so stark in den Mittelpunkt gerückt worden wie gerade jetzt. Gleichzeitig hat das Netz der in der Suchthilfe engagierten Gruppierungen, Organisationen und Institutionen in Sachsen zunehmend an Dichte gewonnen, sodass den Betroffenen individuelle Hilfe angeboten werden kann. Zwei Problembereiche haben sich ganz besonders herauskristallisiert: Alkohol und Crystal Meth.
Im Jahr 2013 sind rund 85.000 Menschen in Sachsen alkoholabhängig gewesen, 78.000 sogar von starkem Alkoholmissbrauch geprägt. 78 Prozent der Fälle in der stationären Suchtmedizin sind alkoholverursacht.
Auch wenn der zügellose Alkoholkonsum vor allem junger Menschen in Sachsen weiter zurückgegangen ist, stellt sich dieses Phänomen dennoch als äußerst besorgniserregend dar. 2014 mussten noch immer mehr als 700 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Darunter haben sich über 400 Jungen und fast 300 Mädchen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren befunden
Neben dem Alkoholmissbrauch stand die Droge Crystal Meth in den zurückliegenden Jahren immer wieder auf der Tagesordnung des Sächsischen Landtags. Der seit 2009 steigende Konsum von Crystal Meth stellt ein ernsthaftes regionales Phänomen dar, was im Besonderen durch die Nähe zur Tschechischen Republik als Herstellungs- und Herkunftsland der synthetischen Droge begünstigt wird. Unter den illegalen Stimulanzien ist Methamphetamin bei uns mit über 60 Prozent die Hauptproblemsubstanz, was einem vier- bis fünffachen Crystal-Anteil im Vergleich zum Bundesdurchschnitt entspricht.
Stärker als jemals zuvor müssen daher präventive Maßnahmen ergriffen werden, um vor allen die Jugendlichen umfassend aufzuklären und ihnen die zerstörerische Wirkung der Droge ins Bewusstsein zu rücken.
Zur Prävention und Bekämpfung des Crystal-Konsums hat die Sächsische Staatsregierung 2014 einen 10-Punkte-Plan vorgelegt. Er reicht von einer Online-Plattform und -Beratung mit allen Informationen über die Stärkung von Lebenskompetenzen bei Kindern, um die Sucht präventiv zu vermeiden, bis hin zur Verbesserung des Lagebildes für Sachsen. Mittels dieses Lagebildes können alle Informationen und Ermittlungsverfahren in regelmäßigen Abständen in konzentrierter Form abgerufen werden.

Das in Sachsen gut funktionierende Suchtkrankenhilfesystem muss in seiner Effektivität und Funktionalität, zu der die Suchtberatungsstellen in ganz erheblichem Maße beitragen, auch in Zukunft auf dem erreichten Niveau erhalten bleiben. Eine entsprechende Finanzausstattung aller Einrichtungen ist daher zwingend, damit die Beratungsstellen in Sachsen und natürlich auch im Landkreis Zwickau (Zwickau, Hohenstein-Ernstthal, Limbach-Oberfrohna, Lichtenstein, Glauchau) ihre Angebote weiter aufrecht erhalten können.

mit Jaecki Schwarz

Ich bedanke mich deshalb an dieser Stelle bei allen Initiativen der Suchtselbsthilfe, den sozialen Diensten und Suchtberatungs- und Behandlungseinrichtungen für ihr in weiten Bereichen vom Ehrenamt getragenes gesellschaftliches Engagement. Dem 25. Sächsischen Treffen zur Suchtprävention wünsche ich ein erfolgreiches Gelingen und allen für ihre Arbeit das nötige Durchhaltevermögen und auch immer wieder den sichtbaren und nachhaltigen Erfolg.