Zu Gast in der Sozialstation der Johanniter in Wilkau-Haßlau

Noch vor rund 25 Jahren gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder kranke und hilfebedürftige Angehörige konnten von der Familie zu Hause betreut und gepflegt werden oder sie mussten ins Altersheim umsiedeln. Dort waren die zumeist alten Menschen in Mehrbettzimmern mit wenig bis keiner Privatsphäre untergebracht. Und viele fühlten sich dahin abgeschoben. Der Wunsch, zu Hause bleiben zu können, war also nur zu verständlich. Dafür wurden auch in der häuslichen Pflege Abstriche in Kauf genommen, etwa wenn die pflegenden Angehörigen selber noch einen Vollzeitjob hatten. Letztlich halfen da auch die Kinder kräftig mit, die Großeltern nach Schlaganfällen oder bei Krankheit zu betreuen. Der Familienzusammenhalt war groß und dennoch nicht optimal. Schon häufig hörte ich den Satz „Ach, wenn es doch die heutigen Möglichkeiten damals bei den Großeltern schon gegeben hätte“. Die heutigen Pflegeeinrichtungen sind mit damals nicht zu vergleichen, haben meist Einzel- oder Zweibettzimmer und den BewohnerInnen wird so manches geboten. In erster Linie sind jedoch die Möglichkeiten der mobilen Pflegedienste, der Tagespflege aber auch des betreuten Wohnens gemeint, die für pflegende Angehörige eine ungeheure Unterstützung und Entlastung bedeuten.

Eine Einrichtung, die eben diese Hilfsangebote für ältere Menschen und ihre Angehörige vorhält, ist die Sozialstation der Johanniter in Wilkau-Haßlau. Das Objekt im Plattenbaugebiet Cainsdorfer Straße, seit rund 20 Jahre in Nutzung, wurde schließlich gekauft und beheimatet nach aufwendiger Sanierung 53 Wohneinheiten des betreuten Wohnens und eine Tagespflegeeinrichtung. Ergänzend wird mobile Pflege angeboten, auch außerhalb des Objektes. Alle Wohnungen sind barrierearm oder barrierefrei. Ein barrierefreies Außengelände lädt zum Verweilen und geselligem Beisammensein ein. Kurz, ein Objekt, in dem man sich wohl fühlen kann und dazu die Unterstützung bekommt, die man individuell braucht. Dabei umsorgen 40 Fachkräfte die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Tagesgäste sowie weitere Seniorinnen und Senioren über den Pflegedienst unterstützt durch 5 HelferInnen im Bereich Hauswirtschaft. Damit ist die Fachkräfteausstattung aktuell noch wirklich gut, doch ca 30 Prozent der MitarbeiterInnen werden in absehbarer Zeit in den wohlverdienten Ruhestand gehen und Nachwuchs ist nicht in Sicht. Die Johanniter bilden selber aus, doch gibt es kaum bis gar keine Bewerbungen für den Bereich der Altenpflege. Auch die Möglichkeit via Betriebspraktikum oder einem sozialen Jahr sich einen Überblick über diesen gleichermaßen anspruchsvollen wie auch schönen Beruf zu verschaffen, bleiben ungenutzt. Das ist bedauerlich. Denn obgleich die Altenpflege sowohl physisch als auch psychisch sehr anspruchsvoll ist, ist es doch gleichzeitig auch ein sehr schöner Beruf für Frauen ebenso wie für Männer.

gemeinsames Mittagessen im Gemeinschaftsraum für alle, die es wollen

Neben den Sorgen um den Nachwuchs im Pflegebereich kamen aber noch andere Baustellen ans Tageslicht. So ist es immer wieder eine Herausforderung, eine Pflegestufe zu bekommen. Häufig hängt das davon ab, welcher Gutachter vom medizinischen Dienst kommt um die Begutachtung durchzuführen. Man kann dabei den Seniorinnen und Senioren nur raten, wirklich ehrlich zu sagen, bei welchen Verrichtungen sie Unterstützung benötigen. Klar, jeder möchte so lange wie möglich selbständig sein. Aber Unterstützung da wo sie nötig ist zu bekommen und auch einzufordern hilft letztlich, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. In dem Zusammenhang ist es ärgerlich, dass manche Hilfsmittel erst dann von den Kassen bezahlt würden, wenn ein Schaden bereits eingetreten ist. Das gilt beispielsweise für spezielle Matratzen die erst dann übernommen werden, wenn der Zupflegende bereits Druckstellen hat. Ein Irrsinn. Würde solche Hilfsmittel schon vorbeugend zur Verfügung gestellt, könnten erhebliche Kosten beispielsweise bei der Behandlung von (offenen) Druckstellen gespart werden. Ganz zu schweigen von der höheren Lebensqualität der betroffenen Menschen. Hierzu hat der MDK eine ganze Liste an Vorschlägen erarbeitet, die bisher leider alle ungehört blieben.

Horst Wehner und Stadträting Steffi Müller im Gespräch mit der Leiterin Anett Kiese

Eine weitere Herausforderung stellt die Suche nach neuen Hausärzten dar, wenn neue Bewohner einziehen oder ein Arzt in den Ruhestand geht. Auch hier hilft die Sozialstation bei der Suche nach einem neuen Hausarzt, was aber zunehmend schwerer wird. Die noch vorhandenen Ärzte nehmen kaum noch neue Patienten an und das wird in den kommenden Jahren noch problematischer. Hier ist dringender Handlungsbedarf ebenso wie im Bereich der Palliativmedizin. Hier arbeitet die Sozialstation eng mit dem Team des HBK sowie dem Hospizdienst Elisa zusammen. Allerdings haben Palliativpatienten oft keine Pflegestufe, weil sie noch recht selbständig sind und dann stößt die Betreuung an ihre (finanzielle) Grenzen. Die Betreuung wird somit vielfach ehrenamtlich geleistet, auch von den Mitarbeitern der Sozialstation.

Für BesucherInnen steht eine barrierearme Gästewohnung zur Verfügung

Interessant waren die Anmerkungen zur Dokumentation aller Arbeiten am und mit den Patienten und Gästen. Sie nehmen wohl einen großen Teil der verfügbaren Zeit ein, jedoch sind sie auch Hilfe zur Selbstkontrolle und Nachweis, falls es doch mal Probleme gibt.

verschiedene Freizeitangebote runden das Angebot ab

Am 17. Juni diesen Jahres feiert die Sozialstation ihr 25jähriges Jubiläum an diesem Standort. Hierzu herzlichen Glückwunsch und weiter alles Gute den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Gästen der Tagespflege und natürlich den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zukünftig hoffentlich weniger Sorgen bei der Nachwuchssuche haben. Wer nicht weiß, ob das der richtige Beruf für die eigene Zukunft ist, sollte die Möglichkeiten von Praktika oder sozialem Jahr nutzen und einfach mal reinschnuppern. Denn auch zukünftig braucht es engagierte und herzliche Menschen, die sich derer unterstützend annehmen, die im täglichen Leben Hilfe und Pflege benötigen.