Deutsche Bahn raus – Mitteldeutsche Regionalbahn rein

So in etwa lässt sich das Ergebnis der Ausschreibung des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) beschreiben, welches das Tochterunternehmen des französischen Eisenbahnkonzerns Transdev für sich entscheiden konnte. Mit dem „Elektronetz Mittelsachsen“ auf den Strecken Dresden-Hof, Dresden-Zwickau und Chemnitz-Elsterwerda sowie Leipzig-Chemnitz und Leipzig-Döbeln ändert sich auch für die Kunden einiges, nicht nur zum Besseren. So fahren etwa zwischen Leipzig und Chemnitz aufpolierte Züge der Deutschen Reichsbahn oder anders ausgedrückt – alte DDR-Züge. Man erinnere sich nur an die Steilen und engen Einstiege und Gänge und die Lautstärke in den Abteilen. Ganz anders auf der Strecke zwischen Dresden und Hof. Hier kommen neue, moderne Elektrotriebzüge vom Typ Alstom Coradia Continental mit moderner und hochwertiger Ausstattung zum Einsatz. Für Menschen mit Behinderung gibt es ebenfalls mehr Komfort und ein Zugbegleiter in jedem Zug ist nicht nur ihnen behilflich, sondern verkauft Ticket und gibt Auskünfte zu Anschlüssen, Tarifen und Fahrplänen.

Das „Elektronetz Mittelsachsen“ geht auf der Sachsenmagistrale aber nicht nur mit 29 neuen Zügen an den Start, die vom Hersteller Alstom gewartet werden. Neu ist auch, dass die Züge dem Verkehrsverbund Mittelsachsen gehören, finanziert mit insgesamt 145 Millionen Euro – davon 10 Millionen Fördermittel. Die Mitteldeutsche Regionalbahn übernimmt das Personal, also Lokführer und Zugbegleiter, und stellt an den Standorten Chemnitz und Leipzig über 300 Mitarbeiter.
Der Start des Elektronetz Mittelsachsen erfolgte offiziell am 13. Juni in Chemnitz. Mit dabei u. a. Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Und ja, die neuen Züge bieten einigen Komfort auch in Sachen Barrierefreiheit. Warum man allerdings bei dieser ersten Fahrt, den Zug in Glauchau auf einem Bahnsteig einlaufen lässt, an dem ich nicht selbstbestimmt aus- und einsteigen kann und es auch nicht möglich ist als Rollstuhlfahrer den Bahnsteig zu verlassen, da er keinen Fahrstuhl hat, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

Diese Art von Übung hatte ich schon mal vor einiger Zeit im Leipziger Land. Ich kann nur hoffen, dass im regulären Fahrbetrieb der Zug wie bisher an den Bahnsteigen eins und zwei hält, die entsprechend barrierefrei gestaltet sind. Ansonsten nützen die modernsten Züge nichts, wenn sie nicht von allen Reisenden selbstbestimmt und ohne fremde Hilfe genutzt werden können. Mir hat es wieder einmal gezeigt, dass bei allen Fortschritten gerade im Bahnverkehr noch viel zu tun ist, um immer und überall Barrierefreiheit sicherzustellen. Ich werde gemeinsam mit vielen anderen dafür streiten und kämpfen, dass Barrierefreiheit auch und gerade im Bahnreiseverkehr Normalität wird, denn nicht jeder hat die Möglichkeit auf andere Reisemöglichkeiten auszuweichen.