Namibias Botschafter auf Antrittsbesuch in Sachsen

Seit Jahresbeginn ist Andreas B. D. Guibeb der neue Botschafter Namibias in Deutschland. Seine Akkreditierung erfolgte bereits am 6. Januar 2016 durch Bundespräsident Joachjm Gauck, welcher das entsprechende Beglaubigungsschreiben in Empfang nahm. Seither ist der Botschafter dieser noch recht jungen Republik, die seine Unabhängigkeit von Südafrika erst am 21. März 1990 durch den Namibischen Befreiungskampf erhielt, auf Antrittsreise durch die Bundesländer. Am 5. September konnte nun die Sächsische Staatsregierung Botschafter Guibeb begrüßen. Gleichzeitig erfolgte die Amtseinführung von Burchard Armin Führer als Honorarkonsul der Republik Namibia im Freistaat Sachsen.

Während der vielfältigen und sehr gelungenen Veranstaltungen gab es Einblicke in verschiedene Fassetten Namibias angefangen von der wirtschaftlichen Entwicklung, die einerseits geprägt ist von den Bodenschätzen wie Gold und Silber und andererseits vom Tourismus bis hin zur Geschichte dieses südafrikanischen Landes, welche eng mit der Deutschlands verknüpft ist. Die Besiedelung des Gebietes durch deutsche Einwanderer begann rund 400 Jahre nach der Entdeckung durch die Portugiesen 1488. Ab etwa 1884 erfolgte die schrittweise Kolonialisierung des Landes, deren Anfänge in den Landkäufen des deutschen Kaufmanns Franz Adolf Eduard Lüderitz liegen. Einsetzende Goldgräberstimmung führte zu einer großen Anzahl weiterer Einwanderer und einem harten Vorgehen gegen die einheimische Bevölkerung der Hero. Dies mündete schließlich im deutschen Kolonialkrieg gegen die Hero und Nama von 1904 bis 1908, der zwischen 60.000 und 70.000 Opfer auf Seiten der Hero und Nama forderte. Bis heute belastet der Völkermord an den Hero die deutsch-namibischen Beziehungen, an deren Aufarbeitung intensiv gearbeitet wird.

Besonders spannend fand ich die Tatsache, dass der Botschafter einst in der DDR Elektrotechnik und IT studierte. Auch andere Personen, die heute politische Führungsverantwortung in Namibia tragen, studierten einst in der DDR und kehrten dann in ihr Land zurück, um hier für die wirtschaftlichen Aufbau zu sorgen. Hilfe zur Selbsthilfe nennt man das wohl und ist eine recht nachhaltige Angelegenheit, die für die Entwicklung eines jungen und von Krieg gebeutelten Land tatsächlich hilft wirtschaftlich und gesellschaftlich auf die Beine zu kommen.

Doch eine andere Sache hat mich noch viel mehr beeindruckt. Während es hier in Deutschland ein teils geradezu zähes Ringen ist, die UN Behindertenrechtskonvention umzusetzen und endlich eine für alle Menschen barrierefreie und inklusive Gesellschaft zu gestalten, scheint das in Namibia gelebter Alltag zu. Ganz selbstverständlich würden alle in Namibia lebenden Menschen einbezogen. Offensichtlich ist in Namibia die Schaffung der inklusiven Gesellschaft zuerst eine Menschenrechtsfrage, für die selbstverständlich auch entsprechende finanzielle und materielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen.

Von dieser Selbstverständlichkeit können wir hier eine ganze Menge lernen.