Barrierefreiheit – mehr als nur barrierefreie Straßen und Plätze

Bei Barrierefreiheit denken die meisten Menschen an rollstuhlgerechte Zugänge zu öffentlichen Gebäuden, Geschäften und Veranstaltungsorten, entsprechende Zustiegsmöglichkeiten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie behindertengerechten Wohnraum und Behinderten-WCs im öffentlichen Raum.  Der eine oder die andere denkt vielleicht auch noch an Tonsignale an Ampeln für Sehbehinderte und Blindenleitsysteme an Kreuzungen, Ampeln oder Bahnsteigen. Doch damit erschöpft sich die Vorstellungskraft der meisten Menschen, was Barrierefreiheit bedeutet. Doch es geht dabei um noch viel mehr.

Selbstbestimme Teilhabe am täglichen Leben erfordert Barrierefreiheit in allen Bereichen des täglichen Lebens. Das umfasst eben nicht nur Blindenleitsysteme auf Straßen, öffentlichen Plätzen, Bahnsteigen oder barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden und Veranstaltungen aller Art. Zum täglichen Leben gehört auch die Nutzung der Angebote im Radio und im Fernsehen. Gerade letzteres ist eine der wichtigsten Informationsquellen und deckt mit verschiedenen Nachrichtenformaten, Dokumentationen, Unterhaltungssendungen und Spielfilmen ein breites Spektrum der Information und Unterhaltung ab. Diese Formate müssen für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein, auch für jene mit Sinnes- oder kognitiven Beeinträchtigungen.

5. Treffen der Behindertenverbände mit dem MDR

Hier ist seit vielen Jahren der MDR zuverlässiger Partner der Behindertenverbände und herausragend in der ARD. Seit fünf Jahren helfen gemeinsame Beratungen von MDR  und den Behindertenverbänden aufzuzeigen, wo noch Verbesserungsbedarfe bestehen und wie diese umgesetzt werden können. Die bisherigen Ergebnisse in den Anstrengungen, Barrierefreiheit auch im Fernsehen herzustellen können sich durchaus sehen lassen und so begrüße ich ausdrücklich, dass ab Januar 2017 weitere Sendeformate barrierefrei angeboten und auch „mdr aktuell“ mit Gebärdung gesendet werden. Zudem sollen  Dokumentationen aber auch die „Feste von Florian Silbereisen“ zukünftig mit Hörbeschreibung ausgestrahlt werden. Das bedeutet für sehbehinderte Menschen einen großen Fortschritt. Wer schon mal aus dem Nebenraum eine Fernsesendung verfolgt hat, weiß, dass man sich nicht alles anhand der üblichen Geräusche und Dialoge vorstellen kann. Wie schaut die Landschaft aus, wie sind die Räume eingerichtet, welche Kleidung tragen die handelnden Personen, scheint die Sonne oder ist es trübe und dunkel – als dass ist mit Hören im üblichen Sendeformat nicht nachvollziehbar. Mittels Hörbeschreibung jedoch bekommt das Publikum mit Sehbehinderung  auch diese Informationen, die wir Sehenden ganz selbstverständlich wahrnehmen. Diese Verbesserungen sind wichtig, bedürfen aber auch besonderer Anstrengungen, die in unserer Fernsehlandschaft leider noch nicht selbstverständlich sind. Gerade deshalb verdienen all diese Bemühungen des MDR um Barrierefreiheit im Fernsehprogramm Anerkennung.

Doch dabei soll und darf es nicht bleiben. Insofern sind zweierlei zu wünschen: Dass barrierefreie Programmgestaltung nicht mehr Flaggschiff des MDR bleibt sondern sich in allen Rundfunkanstalten der ARD aber auch in allen anderen Sendern durchsetzt und dass Sendungen wie „Selbstbestimmt!“ aus ihrem Schattendasein im sonntäglichen Morgenprogramm heraus und bessere Sendetermine bekommen. Um all das umzusetzen, werden die Behindertenverbände auch weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen und bei der Umsetzung helfen, diese aber auch einfordern.