Kluge Köpfe braucht das Handwerk

So lautete das Motto des 15. Großen Parlamentarischen Abends des Sächsischen Handwerks mit Landtagsabgeordneten und Landespolitikern des Freistaates Sachsen und hatte zum Inhalt die Frage wie es gelingen kann, zukünftig guten Nachwuchs zu finden, auszubilden und zu halten bzw. herzuholen.

Handwerk hat goldenen Boden, heißt es im Volksmund und man sollte meinen, dass es da keine Probleme gibt. Doch ganz so einfach ist es eben doch nicht, wenn man sieht, wie sich der Markt verändert. Nehmen wir zum Beispiel das Bäcker- und Fleischerhandwerk. Die kleinen Handwerksbetriebe mit eigenen Kreationen verschwinden zunehmend aus dem Stadtbild. Stattdessen gibt es Billig- und Massenware in den großen Supermarktketten, industriell hergestellt, das Handwerk bleibt auf der Strecke – auch weil der zu oft Verbraucher mehr auf den Preis als auf Qualität und Regionalität schaut. Doch das ist nur die eine Seite.

Wer sich am Markt – egal in welchem Bereich – behaupten will, braucht das nötige Personal. Junge Menschen, die das Handwerk von der Pieke auf lernen wollen und solche, die als Fachleute in einen Betrieb einsteigen. Doch die Suche nach geeignetem Personal gestaltet sich immer schwieriger. Das gilt auch für die Unternehmensnachfolge. Erst im Sommer musste eine Bäckerei in Culitzsch, Landkreis Zwickau schließen, weil der Inhaber keinen Nachfolger fand. Gleichzeitig bleiben Stellen unbesetzt und das gilt insbesondere auch für Lehrstellen im Handwerk. Nicht immer sind fehlende Bewerber der Grund. Oft sind sie einfach nicht geeignet.

mit Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE und Klaus Tischendorf

Es gilt also Voraussetzungen zu schaffen, damit einerseits junge Menschen den Anforderungen für eine Berufsausbildung im Handwerk genügen und andererseits ausgebildete Fachkräfte in der Region bleiben oder zurückkommen. Und das beginnt bereits im Kindesalter u. a. mit einer Absenkung des Betreuungsschlüssels und kindgerechten Angeboten im naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Bereich. Die Schulbildung müsste verbessert werden, so dass beispielsweise weniger Schulabgänger ohne Abschluss die Schule verlassen und eine Berufsorientierung an Gymnasien verpflichtend wird. In der Berufsausbildung braucht es eine weitere Stärkung der dualen Berufsausbildung, für die Deutschland international anerkannt ist. Nötig hierzu ist aber das dichte Netz der Berufsschulen zu erhalten. In dem Bereich müssen auch die Zugezogenen an die duale Ausbildung herangeführt werden. Im Bereich der Weiterbildung sollte geprüft werden, ob man die Meisterpflicht in zugelassenen freien Handwerksberufen nicht wieder einführt und insgesamt bedarf es einer Forderung der Weiterbildungsbereitschaft von Betrieben und ihren Mitarbeitern. Beschäftigungspotentiale, sei es von weiblichen oder von älteren Mitarbeitern, müssen besser ausgeschöpft werden und es bedarf neuer Konzepte, die den handwerklichen Besonderheiten mit Blick auf neue Arbeitsformen im digitalen Zeitalter (Arbeiten 4.0) Rechnung tragen. Zu diesen bereits genannten Punkten, die nur Beispiel sind, kommen noch Faktoren wie Standortattraktivität und Familienförderung. All das kann und muss von den verschiedenen staatlichen Ebenen (Bund, Land, Kommune), den Kammern aber auch den Betrieben selbst angegangen werden. Eine Sache, die einen Handwerksberuf attraktiver macht, haben wir jedoch alle selber in der Hand: nämlich die Wertschätzung dem Handwerker und der durch ihn erbrachten Arbeit gegenüber. Denn ohne Elektriker, hätten wir weder Licht noch den Strom für unseren PC; ohne den Klempner kein fließendes Wasser in der Wohnung und ohne den Bäckermeister nicht die große Vielfalt an Brot und Brötchen und anderen Backwaren. Es ist also in unser aller Interesse, das Handwerk wert zu schätzen und Voraussetzungen zu schaffen, wie die Handwerksberufe auch zukünftig attraktiv bleiben und genügend Nachwuchs haben. Sonst sieht es bald ziemlich duster aus und die Vielfalt an Brot und Brötchen verschwindet unwiederbringlich.