Rettungskräfte selber in Not

So in etwa kann man die Situation beschreiben, in der sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK Glauchau befinden. Wochenarbeitszeiten von 48 bis 72 Stunden, Tricks bei der Umsetzung von Tarifverträgen und Drohungen gegen die Beschäftigten, wenn sie ihre Rechte einfordern, sind an der Tagesordnung. So haben etwa die elf Betriebsräte Abmahnungen erhalten, weil sie sich im Arbeitskampf befinden und mit Warnstreiks den berechtigten Forderungen der Belegschaft Nachdruck verleihen. Allein im vergangenen Jahr haben 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere aus dem Rettungsdienst den DRK Glauchau verlassen und sich beispielsweise in die Kreisverbände Zwickau und Hohenstein-Ernstthal umorientiert. Dort hat man verstanden, dass man Fachkräfte nur mit gutem Lohn und guten Arbeitsbedingungen halten kann. Mein Kollege Mirko Schultze, Sprecher für Rettungswesen, bemerkte zu recht: „Die Zeit, wo Arbeitgeber drohen konnten sich beim Arbeitsamt einfach neue Leute zu holen, ist vorbei. Fachkräfte sind Mangelware, das müssen nun auch die Arbeitgeber begreifen.“ Nun, in den Chefetagen einiger Kreisverbände des DRK ist diese Botschaft noch nicht angekommen.

Mirko Schultze mit den Streikenden

In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass jeder einzelne Kreisverband des DRK Arbeitgeber ist und Tarifverträge aushandelt. Viel besser wäre es, wenn der Landesverband Sachsen als ein Arbeitgeber fungieren würde. Das hätte nicht nur einheitliche Arbeitsbedingungen für alle DRK-Mitarbeiter zur Folge. Es wäre auch eine viel bessere Ausgangssituation im Arbeitskampf. Aktuell müssen die Belegschaften der Kreisverbände jede einzeln für ihre Rechte streiten. Das schwächt und auch die öffentliche Aufmerksamkeit beschränkt sich auf die jeweilige Region.

Wenn ich höre, dass die Kolleginnen und Kollegen bis über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten, dass die Zeiten fürs Anlegen der Arbeitskleidung nicht als Arbeitszeit akzeptiert wird und dass es auch bei der Ausstattung mit Arbeitsschutzkleidung hapert, werde ich richtig sauer. Gerade für die Rettungskräfte ist es geradezu existentiell, dass sie über funktionierende Sicherheitswesten verfügen. Diese dürfen aber höchstens 20 Mal gewaschen werden, weil sonst der Reflexionseffekt verloren gehen. Doch gerade dieser macht die Rettungskräfte am Unfallort sichtbar und schützt ihr Leben. Von den Streikenden erfuhren wir, dass in über 20 Jahren gerade mal zwei Westen ausgegeben wurden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mitarbeiter eben keine funktionierenden Westen haben oder aber sich privat um neue Westen kümmern. Ein Unding. Und betroffen sind nicht nur Rettungsassistenten usw. Betroffen von den schlechten Bedingungen sind auch die Pflegerinnen und Pfleger.

Ein Tarifvertrag, der auf den letzten Seiten so ziemlich alle Vereinbarungen zu Kann-Leistungen deklariert oder unzählige Ausschlussklauseln formuliert, ist das Papier nicht wert auf dem er steht. Gut, dass die Kolleginnen nun die Unterstützung von ver.di haben. Die Dienstleistungsgewerkschaft wird sich auch um die Abmahnungen gegen die Betriebsräte kümmern. Und wir werden schauen, welche Unterstützung wir aus Dresden heraus geben können. Denn eines ist klar: Jene, die unser Leben schützen, retten und versorgen, wenn wir Pflege brauchen, haben eine gute Bezahlung und anständige Arbeitsbedingungen verdient!