Altersarmut – jung und weiblich!?

So lautete das Motto der diesjährigen Frauentagsveranstaltung des DGB in Zwickau. Und ein wenig habe auch ich gestutzt: Altersarmut und jung? Und weiblich? Wie geht das zusammen? Doch beim genaueren Hinschauen ist es eigentlich ganz einfach. Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Was das beim Rentenniveau bedeutet, machte Referent Werner Schuh an ein paar Beispielen deutlich. So lag die Durchschnittsrente nach 45 Arbeitsjahren 2014 im Bereich Energie und Wasserwirtschaft bei 511 € für Männer und 343 € für Frauen was bedeutet, dass Frauen in dieser Branche nur 67 Prozent der Rente ihrer männlichen Kollegen bekommen. Noch drastischer schaut es im Bereich der Banken/Versicherungen aus. Hier konnten Männer mit durchschnittlich 452 Euro und Frauen mit nur 252 Euro Rente nach 45 Arbeitsjahren rechnen, also gerade mal noch 55 Prozent der Rente der Männlichen Kollegen rechnen. Und das sind nur zwei Beispiel aus der Arbeitswelt und doch ist die unterschiedliche Entlohnung von Männern und Frauen nur ein Grund dafür, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind als Männer. Noch immer sind es vorwiegend die Frauen, die für die Kindererziehung zu Hause bleiben – auch, weil der Mann meist mehr verdient und es schlicht finanziell nicht anders zu schaffen wäre – und unbezahlte Erziehungs-, Betreuungs- und Pflegearbeit verrichten. Und noch immer haben es Frauen, erst recht mit Kindern oder gar noch als Alleinerziehende, schwerer auf dem Arbeitsmarkt gute Arbeit zu finden, überhaupt Arbeit zu finden und möglichst in Vollzeit. In der Realität sind vor allem Frauen in Teilzeitjobs/Minijobs „gefangen“ ohne die Perspektive auf Vollzeit gehen zu können. Hier ist dringend Handlungsbedarf. Frauen auch und erst recht mit Kindern arbeiten nicht weniger oder schlechter als Männer oder als vor dem Kinderkriegen. Nur ihr Rhythmus hat sich verändert. Mehr Flexibilität und Verständnis in allen Lebensbereichen, auch und gerade im Arbeitsumfeld, könnte hier vieles erleichtern und den Weg ebenen, dass mehr Männer in Elternzeit gehen und auch Frauen nach der Elternzeit wieder die mehr die Möglichkeit haben nach individueller Entscheidung Vollzeit zu arbeiten. Zu Recht fordert der DGB ein Recht auf Rückkehr in die Vollzeitstelle.

In der Diskussion ging es dann unter anderem um die Frage, wofür aus Sicht der Anwesenden eine gute Rente reichen muss. An dieser Stelle wurde sichtbar, wer der Anwesenden schon lange im ALG II Bezug ist und wer in Arbeit. Wer einen Job und so ein gutes Auskommen hat, möchte auch im Alter die heute wichtigen Dinge wie den eigenen Garten oder regelmäßige Konzert- oder Theaterbesuche beibehalten zu können. Wer schon heute im Leistungsbezug ist und somit unterhalb der Armutsgrenze zurechtkommen muss, wünscht sich, dass die Rente im Alter für Strom und Heizung, für die Miete reicht – einfache Grundbedürfnisse, die eigentlich selbstverständlich sein sollen und es doch schon lange nicht mehr sind. Eine gute Rente ist wichtig, gute Arbeit um eine gute Rente zu erzielen ist es ebenso. Insofern unterstützen wir als LINKE die Rentenkampagne des DGB, nach den Ausführungen von Werner Schuh als einzige der Parteien. Wir bleiben dran, für gute Arbeit mit gerechten und gleichen Löhnen für gleiche Arbeit und ein Rente, von der man gut leben kann!
Abschließend noch herzlichen Dank an den Kreisverband Zwickau des DGB für die Einladung und Bewirtung und ganz besonderen Dank an Youssef, der uns musikalisch seine Heimat ein Stückchen näher brachte!