Kunst als Waffe und Vermittlung zwischen Politik und Gesellschaft

Mit diesen Worten umschrieb der ehemalige Schauspiel-Direktor Hartwig Albiro das Theaterprojekt „Unentdeckte Nachbarn“ des Netzwerkes für globales Lernen, welches den ersten Preis des 14. Friedenspreises in Chemnitz erhielt, in seiner Laudatio. Labiro, der auch Mitglied der Jury war, sagte weiter, dass es unglaublich wichtig sei, dass die Stadt Chemnitz mit diesem schwierigen Thema NSU so offensiv umgehe. Projektleiter Franz Koppe ergänzte in seiner Dankesrede, dass dies in Sachsen nicht alltäglich sei und die Verleihung des Friedenspreises für ihn eine totale Wertschätzung darstelle. Zudem können sich die Macher darüber freuen, dass das Theaterstück „Beate Uwe Uwe Selfi Klick“ nicht nur im Figurentheater zu sehen ist sondern, sondern auch Aufnahme ins Gastspielprogramm des Theaterfestivals Heidelberger Stückemarkt fand. Ein schöner Erfolg für die Macherinnen und Macher des Theaterprojekts, in doppelter Hinsicht.

Der zweite Preis ging an Rola Saleh. Die aus dem Libanon stammende junge Frau hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit Beginn des Bürgerkriegs schickten ihre Eltern Rola nach Deutschland. Doch den eigenen Traditionen verhaftet, sollte Rola entsprechend den Wünschen ihrer Eltern verheiratet werden. Die Eltern holten sie zurück nach Libyen, wo sie zwangsverheiratet werden sollte. Doch Rola gelingt abermals die Flucht, sie entzieht sich der Zwangsheirat und kommt nach Deutschland zurück. Seither engagiert sie sich für andere Geflüchtete und ist heute eine unentbehrliche Beraterin für andere, die hier nach Flucht Schutz und Asyl suchen.

Der dritte Preis ging an die Chemnitzer Tafel. 1996 von engagierten Menschen initiiert, fungiert sie seit Mai 1997 als eingetragener Verein. Nicht billige Lebensmittelversorgung sondern Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft, das ist das Motto der Tafel. Regelmäßig sind die drei Kühlfahrzeuge des Vereins unterwegs, um übrig gebliebene Lebensmittel aus Supermärkten und Bäckereien abzuholen. Aber es gibt auch Waren direkt von den Herstellern, etwa wenn Ware falsch etikettiert wurden (Kirschjogurt ohne Kirschen, Himbeerlimonade mit Orangenlimonadenettikett usw). Die gibt es dann auch mal Palettenweise – ein Glücksfall für die Tafel. Unvorstellbar welche Mengen an Waren die Tafel jede Woche einsammelt, sortiert und zur Ausgabe vorbereitet. Und all das erfolgt ausschließlich durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die Tag für Tag unentgeltlich und freiwillig für die Tafel und Bedürftige im Einsatz sind. Völlig zu Recht erhalten sie mit diesem Preis die öffentliche Anerkennung, die ihnen gebührt.

Der Chemnitzer Friedenspreis fand nun schon zum 14. Mal statt und konnte dabei einen Rekord verbuchen: Mehr als 30 Projekte, Personen und  Institutionen waren für den Preis vorgeschlagen worden, so viel wie noch nie. Allein das zeigt, wie viele Menschen sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft engagieren. Ihnen allen gebührt unser Dank und unser Respekt.

Einen besonderen Rahmen erhielt die Festveranstaltung zur Verleihung des 14. Chemnitzer Friedenspreises durch die jungen Talente Egmont Elschner, Sabine Kühnrich, Hartwig Albiro und Jakob Kuhn am Schlagzeug, begleitet von ihrem Lehrer Henrik Lehmann. Diese ungewöhnliche Form der Umrahmung verlieh der Veranstaltung noch zusätzlich ein besonderes Flair. Herzlichen Dank den Künstlerinnen und Künstlern. Und herzlichen Glückwunsch den Preisträgerinnen und herzlichen Dank allen Ehrenamtlichen, ganz gleich ob vorgeschlagen, ausgezeichnet oder im Verborgenen wirkend. Sie sind wichtige Stütze in unserer Gesellschaft und machen sie um ein Vielfaches wärmer und herzlicher.