Selbst ist die Frau – 25 Jahre Künstlergut Prösitz

Seien wir ehrlich: Frau hat es auch heute im 21. Jahrhundert nicht leicht, sich in einer noch immer männerdominierten Welt zu behaupten. Noch immer bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als ihre männlichen Kollegen; noch immer ist Frau in Aufsichtsräten und Führungspositionen mehr Exotin als Alltag. Und haben Frauen Kinder, sind etwa noch alleinerziehend, sieht es meist noch schlechter aus. Frauen mit Kindern sind bei der Jobsuche meist benachteiligt, stehen in dem Ruf wegen der Kinder häufig zu fehlen und nicht die volle Arbeitsleistung bringen zu können. Nicht umsonst sind gerade Alleinerziehende – insbesondere alleinerziehende Frauen – von Arbeitslosigkeit/Langzeitarbeitslosigkeit und ihre Kinder von Kinderarmut betroffen. Wobei Kinderarmut immer die Armut der ganzen Familie widerspiegelt. Selbst berufliche Weiterbildung in Mutterschaft gestaltet sich für die betreffende Personengruppe noch immer als Herausforderung. Betrachtet man die Situation von Müttern im normalen Berufsleben mit all den Herausforderungen, mag man sich gar nicht erst vorstellen, wie groß die Herausforderungen erst für junge Mütter sein müssen, die sich künstlerisch fortbilden und künstlerisch arbeiten wollen. Auch hier gibt es klar männerdominierte Bereiche – die bildenden Künste gehören zweifelsohne dazu.

Doch nicht mit uns, dachten sich dann 1992 engagierte junge Künstlerinnen mit Kind und handelten. Getreu dem Motto „selbst ist die Frau“ schufen sie sich einen Raum, in dem sie professionell künstlerisch arbeiten können und gleichzeitig ihren Nachwuchs gut versorgt wissen. Sie gründeten passend zum Ort den Verein Künstlergut Prösitz e. V., der junge Frauen in Mutterschaft unterstützt sich künstlerisch weiterzubilden. Bis heute, 25 Jahre nach Gründung, ist dieses Angebot einzigartig in Deutschland und weit darüber hinaus: Junge Künstlerinnen, insbesondere mit Kindern, können auf dem Künstlergut Prösitz professionell arbeiten und dabei ihre Kinder mitbringen, die in einer Tagesbetreuung vor Ort bestens versorgt sind. Die Gründerinnen waren allesamt Absolventinnen der Dresdner Hochschule der Bildenden Künste. Sie wussten um die Herausforderungen junger Künstlerinnen in Mutterschaft und des Bedarfes an Unterstützung, der bis heute ungebrochen ist.

In den zurückliegenden 25 Jahren konnten rund 120 junge Frauen u. a. aus Deutschland, Polen, Spanien, Italien und der Schweiz an den Symposien für Bildhauerei, dem Herzstück auf Gut Prösitz, teilnehmen – gemeinsam mit ihren Kindern. In Mehrbettzimmern untergebracht, mit gemeinsamer Nutzung von Bädern und Küchen sowie einer guten Grundausstattung auch für Kinder sind Künstlerinnen wie Kinder gleichermaßen gut untergebracht und versorgt, können die Kinder zudem Natur erleben und erfahren, woher die Lebensmittel wirklich kommen. Ein kleines Idyll, welches Raum und Gelegenheit für künstlerisches Wirken schafft, ohne dass die kreativen jungen Frauen das Gefühl haben, ihren Nachwuchs zu vernachlässigen oder sich gar zwischen Nachwuchs und eigener künstlerischer Entfaltung entscheiden zu müssen. Zudem sind jährlich acht der künstlerisch begabten und engagierten jungen Mütter Stipendiaten des Künstlergutes, was auch finanzielle Hemmnisse in den Hintergrund treten lässt.

Das Künstlergut Prösitz ist ein tolles Projekt, welches auf 25 erfolgreiche, kreative und künstlerische Jahre zurückblicken kann. Ein Projekt, welchem Würdigung gebührt und welche es mit der Ausstellung „Ein Vierteljahrhundert Künstlergut Prösitz“ im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags auch erhält. Ich freue mich sehr, dass ich die Ausstellung „Ein Vierteljahrhundert Künstlergut Prösitz“, die vom 1. bis 29. März 2017 im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags zu sehen sein wird, eröffnen durfte. Schirmherrin der Veranstaltung ist Petra Köpping, Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, SPD. Die Ausstellung zeigt Skulpturen, Plastiken, Klanginstallationen, Grafiken, Paper Cuts und Fotografien von 25 Künstlerinnen, die auf dem Künstlergut wirkten und die ganze Vielfältigkeit bildender Kunst zeigen. Ich freue mich, als einer der ersten diese Ausstellung sehen zu dürfen und kann sie jedem Liebhaber künstlerischen Schaffens nur ans Herz legen. Bis zum 29. März 2017 ist sie noch im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags zu sehen – kommen sie vorbei und sehen Sie selbst. Es lohnt sich!

Dem geneigten Besucher der Ausstellung wünsche ich viel Vergnügen beim Betrachten und dem Verein, den Betreibern des Künstlergutes weiter viel Kraft, Unterstützung und Freude an der Arbeit!

Und allen künstlerisch begabten Menschen wünsche ich viel Spaß bei ihrem Hobby. Gleichzeitig möchte ich alle künstlerisch interessierten Menschen und insbesondere den Frauen sagen: traut euch! Die Kunst in ihrer Vielfältigkeit bietet ungeahnte Möglichkeiten sich zu entfalten, eigene Gedanken, Gefühle und Ideen umzusetzen und zu gestalten. Vielfältige Vereine bieten hierzu – mehr oder weniger professionell – die entsprechenden Räume. Nutzt sie und habt Spaß dabei!